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Die Davoser Enzo Corvi (Torschuetze), links und Magnus Nygren, rechts, jubeln nach ihrem Treffer zur 3-2 Fuehrung, waehrend dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem HC Davos und dem EHC Biel, am Freitag, 17. November 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Der HC Davos hat allen Grund zum Jubeln.  Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Die HCD-Tinguely-Maschine und der innerzürcherische Transfer-Verkehr

Wenn Aufwand und Ertrag in der Offensive einigermassen stimmen, dann spielt der HCD fast meisterlich auf. Wie beim 3:1 im Hallenstadion. Beim ZSC kehrt keine Ruhe ein – nicht auf, nicht neben dem Eis.



Das HCD-Offensivspiel ist mehr als einfach eine grosse Hockey-Maschine. Es ist ein Kunstwerk. Eigentlich vergleichbar mit «Heureka», der legendären Maschine, konstruiert vom Jean Tinguely für die Expo 1964. Sie steht seit 1967 beim Zürichhorn. Wer nichts von Eishockey versteht und dieses Kunstwerk nahe den Gestaden des Zürichsees eine Weile bestaunt und sieht, wie diese Maschine auf wundersame Weise dreht und alles ineinandergreift, bekommt eine Ahnung vom HCD-Offensivspiel.

Das Merkmal dieser Maschine ist allerdings, dass sie eigentlich nutzlos ist und nichts produziert. So ist es diese Saison auch ein wenig mit der HCD-Offensive. Sie produziert zu wenig Tore (64). Weniger als die Sturmabteilung der Titanen SC Bern (79), Lugano (69) oder ZSC Lions (77). Das ist ungewöhnlich. Noch vorletzte Saison hatte der HCD bei ungefähr gleicher Besetzung im Sturm die offensiv produktivste Mannschaft der Liga. Es mag daran liegen, dass Arno Del Curto manchmal zu viel will. Er forciert unerbittlich das moderne, schnelle, direkte Spiel – und dafür haben nicht alle seine Spieler die notwendige technische Klasse.

Doch am Sonntagnachmittag stimmen im ausverkauften Hallenstadion (erstmals in dieser Saison ausverkauft) in einem schnellen, hochstehenden Spektakel Aufwand und Ertrag. Obwohl wegen der Verletzung von Perttu Lindgren nur drei Ausländer zur Verfügung stehen (Nygren, Little, Kousal). Arno Del Curto sagt: «Wir werden erst im Dezember wissen, wann Lindgren wieder mit dem Training beginnen kann. Wir sind deshalb daran, in den nächsten Tagen einen ausländischen Stürmer zu verpflichten.»

Curtos Tor-Maschine

Arno Del Curtos offensive «Tinguely-Maschine» «spuckte» drei Treffer aus. Genug für den Sieg gegen die ZSC Lions, die nach dem Ausfall von Robert Nilsson (gab wegen einer gegen Lausanne erlittenen Rückenprellung nach einem Drittel auf) die Kreativität und ab Spielmitte auch die Energie verloren. Tatsächlich beklagte ZSC-Cheftrainer Hans Wallson fehlende Energie. Ohne eine Erklärung dafür zu haben. Nach sechs Siegen hintereinander (gegen Lugano, Gottéron, Biel, Kloten, Bern und Lausanne) zeigten sich die Zürcher an einem Sonntag im spielerischen Werktagsgewand.

L’entraineur davosiens Arno Del Curto donne des conseils a ses joueurs lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le HC Davos, HCD, ce mardi 24 octobre 2017 a la patinoire provisoire de Malley 2.0 a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

HCD-Trainer Arno del Curto.  Bild: KEYSTONE

Bremste Verletzungspech die ZSC Lions? Ach was, das wäre bloss eine faule Ausrede. Die sechs am Sonntagnachmittag zur Verfügung stehenden Abwehrspieler (Baltisberger, Geering, Guerra, Marti, Karrer und Klein) bildeten nominell nach wie vor eine der bestbesetzten Verteidigungen der Liga. Und für eine Sturmabteilung mit Reto Schäppi, Lauri Korpikoski, Roman Wick, Fabrice Herzog, Fredrik Pettersson, Ronalds Kennins, Mike Künzle und Inti Pestoni würden sich die Sportchefs, die Präsidenten, die Verwaltungsräte und die Trainer in Lausanne, Genf, Langnau, Ambri, Biel und Kloten gemeinsam auf den Knien bei den Hockeygöttern aus vollem Herzen bedanken.

Es ist, wie es ist und wie es schon letzte Saison war: Trainer Hans Wallson mag ein grosser Trainer sein. Aber aus den ZSC Lions, nominell eine grosse Mannschaft, hat er nach wie vor keine grosse Mannschaft gemacht.

Ist der HCD eine grosse Mannschaft? Nicht unbedingt nominell. Aber am Sonntag hat sie im Hallenstadion zum ersten Mal in dieser Saison auswärts einen beinahe meisterlichen Eindruck hinterlassen. Auch weil der flinke, stilsichere, ja elegante Joren van Pottelberghe (20) wie ein grosser Torhüter abwehrte und 95,65 Prozent der Schüsse stoppte.

Der Chefingenieur

Eine zentrale Rolle bei der eher ungewohnten offensiven HCD-Effizienz spielte Samuel Walser. Sozusagen als Chefingenieur der «Tinguely-Maschine». Er brach mit dem 1:1 den Bann und ging am Ende mit einer properen +2-Bilanz vom Eis. Samuel Walser wird den HCD Ende Saison verlassen und künftig für Gottéron stürmen. Das ist inzwischen offiziell unterschrieben und verkündet und darin sieht er durchaus eine befreiende Wirkung. «Eine Belastung ist weg.»

Nun werde er bis Saisonende für den HCD noch einmal alles abrufen. «Es sind ja alles meine Kollegen und wir können zusammen drei Titel holen.» Den nationalen Hattrick mit Meisterschaft, Spengler Cup und Cup. Wunschkandidat für den Ersatz von Samuel Walser ist SCB-Stürmer Luca Hischier, der ältere Bruder von NHL-Wunderkind Nico Hischier. Auch bei den ZSC Lions stehen Verschiebungen hinter den Kulissen an. Sportchef Sven Leuenberger hat es gern gesehen, dass Lukas Flüeler (29) zum besten Spieler der Partie gewählt worden ist. Voraussichtlich muss er nächste Saison ganz und gar seiner aktuellen Nummer 1 vertrauen.

Niklas Schlegel (23), im Frühjahr nach zwei von sechs Viertelfinalpartien zur Nummer 1 erkoren (das Ausscheiden gegen Lugano konnte er allerdings nicht verhindern) und anschliessend WM-Held (Sieg gegen Tschechien), war am Sonntagnachmittag ins Farmteam zu den GCK Lions verbannt worden (4:5 n.P. gegen die EVZ Academy).

Schlegel und die Nummer 1

Niklas Schlegel wird die Rolle der Nummer 2 voraussichtlich nicht mehr länger hinnehmen. Sein Vertrag läuft aus, jener von Lukas Flüeler gilt noch bis 2020. Sein Agent Andy Rufener arbeitet nun an einem Transfer zu Kloten. Dort kann Niklas Schlegel im Falle eines Wegzuges von Luca Boltshauser nächste Saison die neue Nummer 1 werden.

ZSC-Manager Peter Zahner hätte für diesen Schritt sogar Verständnis: «Wenn er die Chance bekommt, bei einem anderen Klub in der NLA die Nummer 1 zu werden, dann muss er sie packen. Wir würden in diesem Falle einen unserer eigenen Goalies als Nummer zwei einsetzen.»

Es würde ihn auch nicht stören, wenn Niklas Schlegel nach Kloten wechseln und dort in einem NLA-Team die Nummer eins würde. Fügt allerdings an: «Falls Kloten nicht absteigt …» Im kleinen innerzürcherischen «Transfer-Grenzverkehr» zwischen den ZSC Lions und Kloten sollte im Gegenzug Klotens Leitwolf Denis Hollenstein ins Hallenstadion wechseln.

Inzwischen gibt es Gewährsleute, die melden, der «Hollenstein-Deal» sei längst gemacht. Der Wahrheitsgehalt dieser Meldung lässt sich nicht zweifelsfrei überprüfen und ein seriöser Chronist hütet sich, in der Sache Falschmeldungen zu verbreiten. Einer der ganz grossen Entscheidungsträger der ZSC Lions flüchtet sich zu dieser hochheiklen Angelegenheit allerdings in eine selten gehörte sibyllinische Aussage (sibyllinisch = rätselhaft, geheimnisvoll, wahrsagerisch): «Ich will dazu nicht einmal in dem Sinne zitiert werden, dass ich nicht zitiert werden will.»

Affaire à suivre.

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