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Die Spieler des EHC Arosa feiern nach ihrem 7:2-Auswaertssieg ueber Erzrivale Davos am 24. Februar 1982 in Davos den soeben gewonnenen Schweizer Meistertitel. (KEYSTONE/Str)

24. Februar 1982: Der EHC Arosa feiert nach dem 7:2-Auswärtssieg über Erzrivale Davos den soeben gewonnenen Schweizer Meistertitel. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Die «ärmsten Kerle unseres Hockeys» – was alles im Vertrag eines Arosa-Spielers steht

Welche Rechte und Pflichten haben eigentlich unsere Hockey-Stars? Ein seltenes Dokument erlaubt einen tiefen Einblick in die Mechanismen unseres Profihockeys und zeigt zugleich, wie hart das Leben in unserer höchsten Amateurliga sein kann.



Die Rechte und Pflichten eines Hockey-Profis sind im Arbeitsvertrag festgeschrieben. Jeder Arbeitsvertrag hat eine Geheimhaltungsklausel. Deshalb gab es bisher nur bruchstückhafte Einblicke in die wahre Arbeitswelt der Hockeystars. Doch nun können wir mit dem Original eines Hockey-Arbeitsvertrags aufzeigen, wie streng das Leben der Profis geregelt ist. Dieses Papier ist auf einem interessanten, legalen und offiziellen Weg an die Öffentlichkeit gelangt.

Die «MySports League» ist unsere dritthöchste Spielklasse und dürfte eine der besten dritten Ligen der Welt sein. Sie ist die national ausgerichtete höchste Amateurliga. Das Niveau ist sehr hoch. Aus dieser Liga heraus ist es nicht unmöglich, den Sprung in die Swiss League oder gar die National League zu schaffen. Praktisch jeder Spieler ist mindestens auf dem Niveau der Elite-Junioren ausgebildet worden. Bei 32 Qualifikationsrunden plus Playoffs kommt der Aufwand für Trainings und Spiele nahe an die Swiss League heran. Acht der zwölf Teams spielten einst in einer der beiden höchsten Ligen oder sind ihre juristischen Nachfolgeorganisationen. Mit dem EHC Arosa ist auf diese Saison sogar ein mehrfacher Schweizer Meister (letzter Titel 1982) in die «MySports League» aufgestiegen. Arosa hatte sich im Frühjahr 1986 aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig aus der NLA ins Amateurhockey (1. Liga) zurückgezogen.

Weil auch in der «MySports League» Geld verdient wird, verwenden die Klubs in der Regel die Standard-Arbeitsverträge wie sie auch in der National League für Profis üblich sind. Arosas tüchtiger Geschäftsführer Adrian Fetscherin hat soeben den Vertrag mit seinem Stürmer Patrick Bandiera (24) verlängert. Der erfahrene Kommunikations-Profi – er war unter anderem Medienchef bei Fussball-GC – hat nicht nur die sonst übliche, eigentlich ja langweilige Medienmitteilung über die Weiterverpflichtung per Mail verschickt. Er hat auch gleich den vollständigen Vertrag im Original mitgeliefert. Das ist wahrlich moderne, transparente, vorbildliche Kommunikation und es ist sehr und mit allem Nachdruck zu wünschen, dass dieses Beispiel künftig auch in der höchsten Liga Schule machen wird.

Patrick Bandiera produziert nicht ganz einen Punkt pro Spiel. Der ehemalige Elite-Junior, Junioren-Internationale und U18-WM-Teilnehmer ist ein typischer Spieler der «MySports League». Es reicht nicht ganz für eine grosse Profi-Karriere in der höchsten Liga. Aber er ist viel zu gut, um bloss ein Amateur zu sein. Und so ist er eben in Arosa oben gelandet und hat dort einen Arbeitsvertrag, der in der Form jenen in der National League entspricht und für die «MySports League» repräsentativ ist. Das elf-seitige Dokument listet unter anderem eine interessante Fülle von Pflichten auf. Sie sind auf drei A-4-Seiten bis ins Absurde detailliert aufgeführt.

So ist es dem Spieler unter anderem ausdrücklich verboten

Adrian Fetscherin, links, posiert an einer Medienkonferenz am Freitag, 10. Februar 2012 in der Kolping Arena in Kloten. Adrian Fetscherin wird ab dem 1. Mai 2012 Geschaeftsfuehrer und Delegierter des Verwaltungsrates der EHC Kloten Sport AG. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Mit gutem Beispiel voran: EHC Arosa-Geschäftsführer Adrian Fetscherin. Bild: KEYSTONE

Der Spieler ist verpflichtet

Schriftlich ist auch gleich geregelt, was zu einer vorzeitigen Vertragsauflösung führt:

Patrick Bandiera wird natürlich auch bezahlt. Sein Vertrag entspricht zwar den Grundzügen der Profiverträge in der höchsten Liga. Aber nicht sein Lohn. Er verdient in Arosa für die ganze Saison 11'500 Franken. 5000 Franken als Bruttogehalt, 5000 Franken als Spesen für die Ausrüstungskoten und 1500 Franken Reisespesen. Dieser Betrag wird ihm nächste Saison vom August 2020 bis zum März 2021 in acht Monats-Raten ausbezahlt.

Beim EHC Arosa gibt es zudem Klauseln, die in der National League in der Regel in den Verträgen nicht enthalten sind:

Allerdings kann sich Patrick Bandiera etwas dazuverdienen und so das karge Salär aufbessern. Wenn er einen neuen Sponsor bringt (es dürfen aber keine bestehenden Sponsoren angegangen werden), erhält er eine einmalige Provision von 10 Prozent des Sponsorenbetrages. Er kann mit dieser Möglichkeit seine jährliche Entschädigung maximal verdoppeln.

Der EHC Arosa war einst einer der berühmtesten Vereine Europas und gewann zwischen 1951 und 1957 sieben Mal in Serie die Meisterschaft und dann weitere zwei Titel 1980 und 1982. Die Erben dieses wahrlich grossen Ruhmes sind heute die ärmsten Kerle unseres Eishockeys. Mit den gleichen Pflichten (und noch einigen mehr) wie die Profis in der höchsten Liga. Aber nur mit einem Bruchteil der Profisaläre. Was uns zeigt: wer in der «MySports League» spielt, tut dies aus Leidenschaft für das Spiel. Oder wie die Kanadier sagen: «For the Love of Hockey». Auch deshalb ist die «MySports League» eine der besten dritten Ligen der Welt.

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44Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • vingt-cinq zero deux 27.01.2020 09:22
    Highlight Highlight Knebelvertrag 😂😂
  • Lumina 26.01.2020 13:19
    Highlight Highlight Vorzeitige Vertragsauflösung im Falle eines Abstiegs - dafuq?

    So wundert es mich nicht, dass der EHC Arosa, kaum noch Spieler findet. 🙈

    Die Mannschaft ist und bleibt mir aber trotzdem sympathisch. 🏒 🌞
    • chnobli1896 26.01.2020 19:35
      Highlight Highlight Im Falle eines Abstieges gehts in eine Amateurliga. Da ist klar, dass nicht jeder weiterhin (so "viel") Lohn erhält
  • tr3 26.01.2020 09:39
    Highlight Highlight Pünktlich zur Arbeit erscheinen und den Arbeitgeber nicht öffentlich schlechtreden sind absurde Details?
  • Pax Mauer 26.01.2020 09:08
    Highlight Highlight Da hat der Schnorri Fetscherin wohl einfach vergessen, den Anhang im Mail zu löschen...

    Ah ja, „lustig“ ist: Kaum ist der Trainer (Marc Haueter) mit einigen Nebengeräuschen zurückgetreten worden, flattern im Tagestakt die Vertragsverlängerungen über den Pult. Schon interessanter Zeitpunkt.

    Vielleicht doch nicht so heile Welt am Obersee, Herr Zaugg?
  • Nelson Muntz 25.01.2020 23:49
    Highlight Highlight Nichts über Langnau...?😉
    • sidthekid 26.01.2020 21:49
      Highlight Highlight Doch, aber versteckt. Bandiera ist ehemaliger Langnaue-Junior 😉
  • bullygoal45 25.01.2020 21:52
    Highlight Highlight Die MySports League ist eine der besten dritten Ligen der Welt und gleichtzeitig macht ein Eric Faille gegen Biasca im B 1 Tor und 6 Assist!

    7 Scorerpunkte!! Und es ist nicht wert darüber zu schreiben, weil es keine Kunst ist gegen solche Teams.. 🙄 Die Liga B ist vor dem Untergang..
    • feuseltier 26.01.2020 01:30
      Highlight Highlight ist halt kein Berner Club?
    • dechloisu 26.01.2020 20:56
      Highlight Highlight Langsam mache ich mir Sorgen um dich.
      in den letzten x Beiträgen schreibst du so positiv über Kloten.

      nicht dass ich plötzlich einen "Kommentargegner" verliere.

      Aber natürlich hast du absolut recht.
    • bullygoal45 26.01.2020 22:46
      Highlight Highlight Ich kann dir nur sagen. Mein erstes Hockeyspiel war Kloten gegen den EVZ im Schluefweg. Mein erstes Trikot und mein ersten Schal war von den Kloten Flyers um 2004 herum. 😉

      Ich wünsche mir Kloten zurück, wenn wieder gut und ehrlich geschäftet wird. Die letzte Frage ist nur, wer ausser Rappi könnte/müsste tauchen?

      Wäre super wieder NLA gegen euch zu sehen! Dann verspreche ich, bin ich auch nicht mehr so lieb 😜
      🔴🔴🔴
    Weitere Antworten anzeigen
  • reaper54 25.01.2020 21:05
    Highlight Highlight Der Snus verzicht gilt hoffentlich nur während der offiziellen Anlässe 🙊
    Wobei auch das ist bereits unmenschlich 😢
  • BernensisU 25.01.2020 20:53
    Highlight Highlight Naja...die MySports League hat in der Quali ohne Playoffs einen Zuschauerschnitt von ca. 550. Das reicht halt einfach nicht für einen Profibetrieb. So geht es schliesslich auch vielen Handball, Basketball oder Unihockeyclubs in der Schweiz. Ist doch auch gut, wenn die Clubs nur das Geld ausgeben, das sie auch haben. Da gab es in den höheren Ligen schon viele die dies nicht begriffen haben.
  • Joe Smith 25.01.2020 19:45
    Highlight Highlight Wenigstens ist er nicht auch noch vertraglich verpflichtet, die Pfütze des Hauptsponsors zu trinken.
  • Devante 25.01.2020 18:09
    Highlight Highlight Auf Snus verzichten 😂 ja genau
  • Resche G 25.01.2020 16:53
    Highlight Highlight Sponsorenlauf und Spielergöti 😂 Wie hab ich diese Bätlerei geshasst...
  • Eidi 25.01.2020 16:44
    Highlight Highlight Eine der besten 3.Ligen der Welt. Echt jetzt Klaus?
    • Sverige 25.01.2020 16:56
      Highlight Highlight Welche dritte Miga soll besder sein? Höchstens noch die Deutsche Oberliga, wo im Durchschnitt 5 bis 6 Ausländer spielen können. Wenn das dem Deutschen Eishockey was nutzen soll, verstehe ich nichts mehr
    • Lotti Karotti 25.01.2020 17:09
      Highlight Highlight @Eidi: Ist definitiv so.
    • tr3 26.01.2020 12:09
      Highlight Highlight Randsport halt, da bist du schnell on top.
  • aglio e olio 25.01.2020 16:36
    Highlight Highlight "Dieser «Spielergötti» erhält zwei Saisonabi. "
    Saisonabi?
    • Bär73 25.01.2020 16:42
      Highlight Highlight Saison-Dauerkarten
    • aglio e olio 25.01.2020 17:03
      Highlight Highlight Danke Bär73.
      Ist Abi eine dialektische Variante?
    • satyros 25.01.2020 17:17
      Highlight Highlight Abi ist die Kurzform von Abonnement.
    Weitere Antworten anzeigen
  • aglio e olio 25.01.2020 16:33
    Highlight Highlight "...übermässigen Alkoholgenuss zu unterlassen und gänzlich auf sämtliche Arten von Suchtmitteln (Tabak, Snus usw.) zu verzichten."
    Ja wie denn nun? :)
    • Snakeman 25.01.2020 16:41
      Highlight Highlight Alkohol hat bei Fetscherin wohl einen Sonderstatus...
    • maylander 25.01.2020 17:26
      Highlight Highlight Eine Brauerei ist Sponsor. Da ist wohl massvoller Bierkonsum erwünscht.
    • feuseltier 26.01.2020 01:31
      Highlight Highlight Ist Abi nicht Abitur?!? :)
  • qolume 25.01.2020 16:19
    Highlight Highlight Wäre noch interessant zu wissen, wie viele Trainingseinheiten pro Woche anstehen und wie dies mit dem übrigen Berufsleben in Einklang zu bringen ist. Tönt aber allgemein ziemlich nach Ausbeutung.
    • Bär73 25.01.2020 16:26
      Highlight Highlight Arosa ist kein Klub wo man reich wird als Eishockeyspieler. Wir bieten andere Qualitäten. 😉
    • _zauberlehrling 25.01.2020 16:35
      Highlight Highlight Ja, der Verein sollte 24 Vollprofis engagieren. Ist ja auch kein Problem bei 400 Zuschauern gegen Düdingen. Und den Rest holt man ja dann über die TV-Rechte wieder rein. Ja, bravo, super aufgepasst im BWL-Unterricht...
    • Sverige 25.01.2020 17:00
      Highlight Highlight Arosa hat einen Schnitt von fast 800 Zuschauer. Da mus GCK Lions, Ticino Rockets oder die EVZ Academie fast alle Heimspiele in der Saison spielen, um auf diese Zahl zu kommen. Arosa gg Chur im zweiten Heimspiel gegeneinander gut 2000 Zuschauer. In Chur fast 3000.
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Eismeister Zaugg

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