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Tiger's Postfinance Top Scorer Ben Maxwell and Ambri's player Dominic Zwerger, right, during the match of National League A (NLA) Swiss Championship 2020/21 between HC Ambri Piotta and SCL Tigers at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Sunday, December 13, 2020.(PostFinance/KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Ausländer Ben Maxwell im Duell mit Lizenz-Schweizer Dominic Zwerger. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

«Bosman on Ice» – fliegt die Hockey-Ausländerregelung bald in die Luft?

Die neue Ausländerregelung enthält einen fatalen Fehler, der gefährliche schlafende Hunde aufgeweckt hat. Bricht jetzt die ganze Ausländer-Hockeyordnung wie ein Kartenhaus zusammen?



Zuerst stark vereinfacht das Grundsatzproblem: Die Gesetze erlauben es nicht, die Anzahl Ausländer aus europäischen Ländern zu begrenzen (Personenfreizügigkeit). Im Eishockey wird es – anders als in den anderen Mannschaftsportarten – doch gemacht. Das Prinzip ist ein sog. Gentlemans-Agreement. Ein Gentlemans-Agreement ist eine rechtlich nicht verbindliche Absprache, basierend auf Treue und Glauben und gegenseitigem Vertrauen.

Auf diesem dünnen juristischen Eis wird die Anzahl Ausländer in unserem Hockey begrenzt: es ist eine Art Selbstbeschränkung, an die sich alle halten. Würde ein Klub vor Gericht gehen, müsste die Beschränkung aufgehoben werden.

Was die Klubgeneräle noch nie bedacht haben: auch ein Spieler kann klagen. Wie Jean-Marc Bosman, der gegen die Beschränkungen bei Vereinswechseln klagte und das Transfersystem im Fussball zerstörte.

Die Gefahr, dass ein Spieler in unserem Eishockey klagt, war ja minim. Nordamerikaner können nicht vor Gericht ziehen. Für sie gilt die EU-Personenfreizügigkeit nicht. Und keinem Schweden, Slowaken, Letten, Finnen oder Tschechen kam es bisher in den Sinn, von Prag, Stockholm, Riga, Bratislava oder Helsinki aus sein Recht auf einen Arbeitsplatz in unserem Hockey einzuklagen.

Aber seit gestern ist alles anders: die «Reformnarren» um Marc Lüthi und Patrick Lengwiler haben eine neue Kategorie von Ausländern geschaffen: die Lizenz-Schweizer – also ausländische Spieler mit einer Schweizer Lizenz – verlieren diesen Status nach dem 22. Geburtstag. Sie dürfen dann ihre Schweizer Lizenz nur noch behalten, wenn sie den Nachweis erbringen können, dass sie ein Gesuch um Einbürgerung gestellt haben.

Diese sorgsam geheim gehaltene Klausel, dass ein Lizenz-Schweizer den Status behalten kann, wenn er ein Einbürgerungsgesuch stellt, begründet Liga-Geschäftsführer Denis Vaucher recht einleuchtend: Die Einbürgerung sorge für Spieler, die auch in der Nationalmannschaft eingesetzt werden können. Denis Vaucher, der Hockey-Schweizermacher.

Denis Vaucher, Direktor National und Swiss League, spricht waehrend einer Medienkonferenz nach einer ausserordentlichen Ligaversammlung ueber die Entscheidungen betreffend dem Schweizermeister sowie den Auf- und Abstiegen fuer die Saison 2019/20, am Freitag, 13. Maerz 2020, in Ittigen. Anlaesslich einer ausserordentlichen Ligaversammlung am Donnerstagvormittag stellte die Ligaleitung und saemtliche Clubvertreter der National League und Swiss League fest, dass der Spieltrieb wegen der Coronavirus-Epidemie nicht mehr aufrechterhalten werden. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Liga-Geschäftsführer Denis Vaucher. Bild: KEYSTONE

Die neue Regelung der Lizenz-Schweizer bedeutet: Sie werden, sofern sie nicht eine Einbürgerung über die Bühne bringen, im Hockey nach ihrem 22. Geburtstag von einem Tag auf den anderen zu Ausländern. Nur ganz wenige (wie Langnaus Ivars Punnenovs oder Ambris Dominic Zwerger) sind gut genug, um auch aus Ausländer noch einen Job zu bekommen. Die anderen verlieren ihre Arbeit und ihre Karriere.

Die meisten Lizenz-Schweizer kommen im Juniorenalter in die Schweiz. Ihre Familien nehmen mit dem Umzug ihres Sohnes in unser Land oft grosse finanzielle Anstrengungen und sonstige Mühsal in Kauf. Aber es lohnt sich: Der Bub kann eine Profikarriere in der Schweiz machen. Die meisten werden keine Stars (weil sie eben nicht gut genug sind) – aber es reicht für eine ordentliche Karriere im dritten oder vierten Block. Diese Chance ist nun durch die neue Regelung stark vermindert oder sogar ganz verbaut.

Ambri's Top Scorer Dominic Zwerger disappointed after the 0-6 defeat, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship between HC Ambri Piotta and HC Lausanne at the ice stadium Valascia in Ambri, on Friday, January 22, 2021. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Lizenz-Schweizer wie Ambri Dominic Zwerger wären auch als «Ausländer» gut genug für einen Job in der Schweiz. Bild: keystone

Was, wenn einer dieser Lizenz-Schweizer aus einem EU-Land (Österreich, Italien, Frankreich oder Lettland) den freien Zugang zu unserem Hockey-Arbeitsmarkt auf der Basis der EU-Personenfreizügigkeit vor Gericht einklagt? Dann bricht das ganze Kartenhaus unserer Eishockey-Ausländerregelung zusammen wie ein Kartenhaus. Wir haben dann sozusagen «Bosman on Ice». Es wäre das Ende eines hockeyweltweit bestaunten Erfolgsmodells.

Aus dem richtigen Leben und der Geschichte wissen wir: es waren noch nie die Gutverdienenden und Privilegierten, die Revolutionen angefacht und ein System zum Einsturz gebracht haben. Es waren schon immer die «Desperados», die nichts mehr zu verlieren haben. Jean-Marc Bosman war auch so ein Desperado.

Nun haben die «Reformnarren» durch die Aufhebung der Lizenzschweizer ohne jede Not eine ganze Gruppe von «Desperados» geschaffen.

Anfrage an Denis Vaucher, Ligageschäftsführer und Fürsprecher (das ist die bernische Bezeichnung für einen Anwalt).

Was passiert, wenn einer klagt?
«Ich weiss es nicht, ich bin Jurist, nicht Richter.»

Aber die Gefahr ist gross, dass so eine Klage durchkommt? «Das sind wir uns bewusst.»

Ohne jede Not haben die «Reformnarren» um Marc Lüthi und Patrick Lengwiler mit dem Schrauben an der Ausländerbegrenzung schlafende Hunde geweckt. Auch das wissen wir aus dem richtigen Leben: Es braucht mehr Zeit, einen Hund wieder in den Schlaf zu wiegen als ihn aufzuwecken.

Der CEO des EV Zug Patrick Lengwiler waehrend der Saison Medienkonferenz des EV Zug vom Montag 10. September 2018 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Zug-CEO Patrick Lengwiler. Bild: KEYSTONE

Die Wahrscheinlichkeit einer Klage eines Lizenz-Schweizers ist sehr hoch. Bereits gestern Abend ist mein Telefon in dieser Sache heissgelaufen. Die Gefahr ist gross, dass in unserem Hockey den Klubs die ganze Ausländer-Beschränkung um die Ohren fliegen wird. Unsere «Reformnarren» sind drauf und daran, die Liga, ein einmaliges Erfolgsmodell, durch Dummheit und Arroganz zu zerstören.

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