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Rapperswils Michael Loosli, links, gegen Davos' Benjamin Baumgartner, im Eishockeyspiel der National League zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Davos, am Samstag, 28. November 2020, in der St. Galler Kantonalbank Arena, in Rapperswil-Jona. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Hat Michael Loosli (rot) in Langnau eine Zukunft? Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Brunner, Cunti, Loosli oder die zweite Chance bei der «Ährenlese»

Wer kein Geld hat für Stars, muss auf den abgeernteten Transferfeldern aufsammeln, was liegengeblieben ist. Wird Michael Loosli der nächste Damien Brunner oder Luca Cunti?



Früher, als die Welt auch nicht besser, aber anders war, gab es die Ährenlese. Wenn die reichen Bauern die Ernte eingebracht hatten, erlaubten sie den Armen und den Tagelöhnern, die liegengebliebenen Ähren aufzulesen.

Wer fleissig Ähren aufsammelte, konnte später sein Brot backen. Diesen schönen Brauch gibt es in der Agrarindustrie des 21. Jahrhunderts schon lange nicht mehr. Aber er wird im Hockey-Transfergeschäft weitergeführt.

Wenn die Grossen ihre Transfers gemacht haben, dann dürfen die armen Sportchefs zusammentragen, was vergessen worden ist. Auf dem Transferwühltisch. Oder der Transfer-Brockenstube.

Wer klug und fleissig ist, kann bei der «Transfer-Ährenlese» erfolgreich sein. Ja, das aktuell an einem guten Abend wahrscheinlich immer noch beste helvetische Sturmduo der Liga ist eigentlich aus einer «Ährenlese» entstanden.

Luca Cunti fällt durch alle Raster. Obwohl sein Talent früh erkannt worden ist (U 18-WM-Teilnehmer). Als längst alle Felder abgeerntet sind, bleibt ihm im Alter von 22 Jahren nur noch das Farmteam der GCK Lions. Sozusagen als Ähre, die bei den grossen Transferernten liegengeblieben ist.

Kazakhstan's Kevin Dallman, left, vies for the puck with Switzerland's Luca Cunti, right, during the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round game Switzerland vs Kazakhstan, at the Minsk Arena, in Minsk, Belarus, Saturday, May 17, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Luca Cunti schafft es vom Transfer-Wühltisch bis zum WM-Silberhelden. Bild: KEYSTONE

Beim traditionellen Vorsaison-Testspiel im Herbst 2011 zwischen den GCK Lions und den ZSC Lions wird ZSC-Trainer Bob Hartley auf Luca Cunti aufmerksam. Er besteht darauf, diesen Spieler in die Mannschaft zu holen. Obwohl ihm davon abgeraten wird.

Es ist der Beginn einer Karriere, die Luca Cunti in Zürich zu meisterlichen Ehren und bis hinauf in den WM-Final 2013 führt. Der sensible Künstler wird zwar zwischendurch unglücklich. Aber nach einer Irrfahrt von Zürich über Kloten und Lugano spielt er in Biel mit 31 wieder sein bestes Hockey. Diese Dominanz! Diese Eleganz! Diese Spielintelligenz!

An seiner Seite stürmt in Biel ein anderer «verlorener Sohn» unseres Hockeys. Die Klotener haben einst Damien Brunner als untauglich eingestuft. «Ich war eine ganze Saison lang nur 13. Stürmer» hat er einmal erzählt. «Sozusagen mit null Eiszeit.»

Kloten schiebt den 22-jährigen Flügelstürmer im Herbst 2008 erst nach Thurgau ab und tauscht ihn dann gegen Zugs Thomas Walser ein. «Nach etwa zehn Spielen sagte mit Trainer Doug Shedden, er erwarte von mir, dass ich einmal Liga- Topskorer werde. Sonst sei er nicht zufrieden. Was für eine Verrücktheit: Soeben hatte man mir in Kloten noch gesagt, ich sei für die NLA nicht gut genug …»

Damien Brunner wird 2012 tatsächlich Liga-Topskorer. Er bringt es sogar bis in die NHL. Wie Luca Cunti ist er später in Lugano nicht glücklich geworden und hat nun in Biel eine neue Heimat gefunden. Wenn er fit ist und an der Seite von Luca Cunti stürmen darf, dann rocken die beiden jede Abwehr.

Nun sind Zug und die ZSC Lions ja nicht Arme-Leute-Klubs, die auf den abgeernteten Transferfelder nach liegengebliebenen Ähren sperbern. Aber Luca Cunti (31) und Damien Brunner (34) sind Beispiele, die zeigen, dass Spieler, die andere abgeschrieben, übersehen, falsch eingeschätzt oder ignoriert haben, sehr wohl doch noch Karriere machen können.

«Ich hoffe, dass Loosli in Langnau noch einmal eine Chance bekommt.»

Den SCL Tigers bleibt nicht viel mehr als auf den längst abgeernteten Transfer-Felder nach Ähren zu suchen. Und Sportchef Marc Eichmann ist tatsächlich fündig geworden. Er überlegt sich, ob er Michael Loosli eine zweite Chance geben soll.

Michael Loosli steht bei den Lakers auf der Lohnliste, ist aber nach Thurgau abgeschoben worden. «Wir planen nicht mehr mit ihm» sagt Lakers-Sportchef Janick Steinmann. «Ich hoffe, dass er in Langnau noch einmal eine Chance bekommt.»

Michael Loosli war Junior in Langnau und beim SCB. In der Organisation der Lakers versuchte er die höchste Liga zu erobern – und ist gescheitert. Bei Thurgau spielte er sich im Frühjahr 2019 in den Playoffs mit 15 Punkten aus 12 Partien ins Notizbuch von Lakers-Sportchef Janick Steinmann. Warum hat es dann doch nicht geklappt? «Er war vor der letzten Saison noch nicht robust genug für die National League» sagt Steinmann. «Auf diese Saison hat er sein Training noch einmal intensiviert. Sein Pech ist es, dass ihm nun eine ganze Reihe von jüngeren Spielern den Platz im Team streitig gemacht haben.»

Michael Loosli ist mehr Künstler als Fräser. Darin ähnelt er Luca Cunti und Damien Brunner. Er kann dann sein Potenzial am ehesten umsetzen, wenn er neben guten Mitspielern in den ersten zwei Linien zum Zuge kommt. Aber er ist nicht so gut, dass er gleich diesen Platz bekommt – er müsste sich über den vierten und dritten Sturm in der Hierarchie nach oben kämpfen. Aber dieses Fräsen in defensiven Linien ist eben nicht sein Stil.

So ist er bei den Lakers zwischen den Welten, zwischen den Lakers und Thurgau stecken geblieben und hat in der höchsten Liga in 34 Spielen nicht mehr als fünf Punkte gebucht: eigentlich zu gut für die Swiss League, aber nicht gut genug für die zwei ersten Linien in der National League. «Er ist ein Musterprofi» sagt Janick Steinmann. «Aber wir haben keinen Platz mehr für ihn und es würde mich sehr freuen, wenn er es in Langnau packt.»

Schafft es Michael Loosli im zweiten Anlauf? Sein Gegner ist die Zeit. Luca Cunti und Damien Brunner bekamen mit 22 doch noch ihre Chance. Michael Loosli wird im Februar 26. Immerhin hat er – im Gegensatz zu Damien Brunner – einst ein paar Junioren-Länderspiele bestritten.

Wenn Michael Loosli eine zweite Chance bekommt und der nächste Damien Brunner oder Luca Cunti wird, dann werden sie in Langnau eine Strasse nach Sportchef Marc Eichmann benennen.

Manchmal findet ein Sportchef auf eine abgeernteten Transferfeld eine Ähre – und bekommt sie nicht. Marc Eichmann hat versucht, Langenthals Dario Kummer (26) für nächste Saison zu verpflichten.

Auch Dario Kummer ist ein «vergessenes» Talent. Ein Center, der die Swiss League dominiert und mit ziemlicher Sicherheit in der National League den dritten oder vierten Sturm führen könnte. Aber niemand wollte ihm eine Chance geben. Der ehemalige Langenthal-Junior spielte in Ajoies Meisterteam von 2016 eine zentrale Rolle und kehrte dann nach Langenthal zurück. Diese Saison produziert er pro Spiel mehr als einen Punkt.

Langenthals Pierrick Pivron, links, und Langenthals Dario Kummer, jubeln, im fuenften Playoff-Halbfinalspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und dem HC Ajoie, am Dienstag, 14. Maerz 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Dario Kummer bleibt beim SC Langenthal. Bild: KEYSTONE

Aber er hat Langnaus Offerte ausgeschlagen und kürzlich für drei Jahre in Langenthal verlängert. «Ja, er könnte in der National League spielen» sagt Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer. «Aber er ist lieber bei uns ein Führungsspieler als in Langnau ein Mitläufer im dritten und vierten Sturm. Das ist für uns ein Glücksfall.»

Lieber ein König in Langenthal als ein «Knecht» in Langnau. Kevin Schläpfer geht davon aus, dass Dario Kummer von Stefan Tschannen (36) einmal die Captain-Binde übernehmen wird.

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