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Der Klotener Trainer Felix Hollenstein gibt seinen Spielern Anweisungen, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Davos, am Sonntag, 7. Dezember 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

«Mister Kloten» Felix Hollenstein ist ab sofort für die Nati verantwortlich.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Felix Hollenstein übernimmt die Eishockey-Nati – ein Artist unter Clowns

Der Mann, der gar nie hätte angestellt werden dürfen, ist endlich weg. Natitrainer Glen Hanlon wird ab sofort durch Felix Hollenstein ersetzt. Eine Polemik.



Was dürfen wir von einem Zirkus erwarten, wenn nur Clowns in der Chefetage sitzen? Richtig: eine grandiose Lachnummer. Und genau das ist die Führung von Swiss Ice Hockey, dem Dachverband unseres Hockeys.

Im Frühling 2014 geht das Gerücht um, Glen Hanlon werde neuer Nationaltrainer. Niemand kann es glauben. Es ist, wie wenn das Gerücht gestreut würde, die SP wolle Jimmy Hofer, den Berner Kultrocker, als Bundesratskandidat lancieren.

Aber das Gerücht wird Wahrheit. Der freundliche Kanadier, der Mann, der noch nie irgendetwas gewonnen hat, der Mann, der nur im autoritären Regime von Weissrusslands Diktator Alex Lukaschenko als Nationaltrainer keine Lachnummer war, wird Nachfolger von Sean Simpson.

*** ARCHIV *** Genf, 08.04.2015, Eishockey Laenderspiel, Schweiz - Russland, Trainer Glen Hanlon (SUI) (Pascal Muller/EQ Images)

Hanlons Amtszeit wird nicht als Erfolg in die Annalen eingehen.
Bild: EQ Images

Die Verbandspolitik wird von den grossen Klubs gemacht

Zu verantworten hat diese absurde Wahl der inzwischen abgesetzte Verbands-Sportdirektor Ueli Schwarz. Aber Achtung! Wir tun dem tüchtigen, braven Ueli Unrecht, wenn wir ihm die ganze Schuld in die Schuhe schieben.

Noch vor ein paar Wochen hat Peter Zahner, der grosse ZSC-Zampano und Schattenpräsident unseres Verbandes, die Wahl von Glen Hanlon vehement verteidigt. «Er war zu diesem Zeitpunkt die bestmögliche Wahl.» Was natürlich ein Witz ist. Es gab viele sehr viel bessere Kandidaten.

Aber Peter Zahner verantwortet nicht nur als Mitglied der Verbands-Sportkommission diese Wahl. Zusammen mit SCB-Manager Marc Lüthi verantwortet er zu einem schönen Teil die ganze Besetzung in der Verbandsführung. Auf der Achse Bern–Zürich wird die Verbandspolitik gemacht. Verbandspräsident Marc Furrer ist Marc Lüthis Freund, Verbands-CEO Florian Kohler war Lüthis und Zahners Kandidat.

27.08.2014; Ittigen; Eishockey - National League; Praesident Marc Furrer  rechts und CEO SIHF Florian Kohler an der Medienkonferenz. (Christian Pfander/freshfocus)

Die Verbandsspitze: CEO Florian Kohler und Präsident Marc Furrer.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Mit Hanlon hätte der Abstieg gedroht

Wie kommt das? Die Klubs, angeführt von Zahner und Lüthi, wollen eine schwache Verbandsführung und einen schwachen Nationaltrainer. Dann können die Klubs frei schalten und walten. Selbst Gaudenz Domenig, der kluge Vorsitzende des HC Davos, hat kürzlich süffisant gesagt: «Ja, es ist natürlich leichter, mit Herrn Hanlon einen Kompromiss zu finden als vorher mit Herrn Simpson.»

Unter Glen Hanlon haben die Klubs bestimmt, wer wann für die Nationalmannschaft aufgeboten werden darf. Mit mehr Glück als Verstand hat die Schweiz bei der letzten WM die Viertelfinals erreicht und den Abstieg vermieden. Wir hatten 2015 in Prag eine der besten Nationalmannschaften der Neuzeit. Gut gecoacht und gut gemanagt hätten wir um eine Medaille spielen können.

Inzwischen ist die Position von Glen Hanlon unhaltbar geworden. Die Nationalspieler haben ihn nur noch als Clown wahrgenommen. Hätte man ihm jetzt nicht das Handwerk gelegt, wäre bei der WM im Mai in Moskau der Abstieg wahrscheinlicher geworden als die Viertelfinals.

Wird sich unter «Fige» etwas ändern?

Felix Hollenstein ist die logische Wahl. Bereits vor ein paar Tagen fragte watson, ob Hollenstein Hanlons Assistent werde. Ich wusste, dass «Fige» ein Angebot vom Verband hatte – hatte aber nicht erwartet, dass er gleich neuer Chef werden wird.

Wird sich unter Felix Hollenstein etwas ändern? Dass er, anders als sein Vorgänger, das Charisma, die Akzeptanz und die Fachkompetenz hat, um eine Nationalmannschaft zu führen, steht ausser Frage. Aber auch er wird keine Rückendeckung durch die Verbandsführung haben. Auch er muss nach der Pfeife der Klubs tanzen.

Wenn ein noch so begabter Artist von einem Zirkus engagiert wird, den Clowns führen, dann hat er nichts zu lachen. Viel Glück, Felix Hollenstein!

Die Eishockeyspieler Felix Hollenstein, rechts, und Roman Waeger des EHC Kloten feiern am 1. April 1995 im Stadion Schluefweg in Kloten, Schweiz, den Sieg der Eishockey Meisterschaft. (KEYSTONE/Str)

Klotener Legenden: Roman Wäger (links) und Felix Hollenstein mit dem Meisterpokal 1995.
Bild: KEYSTONE

Die besten Bilder der WM 2015

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
goldmandli
09.10.2015 17:15registriert November 2014
Gut so. ob holenstein der richtige Nachfolger ist, wage ich zu bezweifeln. Viel absurder als unter Hanlon wirds aber schon nicht werden.
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Wip84
09.10.2015 20:20registriert February 2014
Alles daran setzen, dass wir Slawa Bykow als Nati-Coach empfangen dürfen!
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Schreiberling
09.10.2015 16:40registriert February 2014
Das nenn ich mal einen Knall. Dass man beim Verband nicht gerade glücklich war über Hanlons Leistung an der WM war ja bekannt. Dennoch hätte ich nicht so schnell mit einer Entlassung gerechnet.
Fige ist sicherlich keine schlechte Wahl. Er kennt unser Eishockey so gut wie sonst selten einer. Er gilt allerdings auch nicht als sonderlich autoritär. Aber vielleicht hilft gerade das bei der Zusammenarbeit mit dem Verband.
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Eismeister Zaugg

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