Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die beiden Spieler, Slawa Bykow (links) und Andrej Chomutow (rechts), von Fribourg-Gotteron in AKtion, im November 1990. (KEYSTONE/Karl-Heinz Hug)

Als würde Gottéron heute mit Crosby und Owetschkin auflaufen: Bykow (links) und Chomutow. Bild: KEYSTONE

Bykow/Chomutow verzaubern die Schweiz und sorgen für Playoff-Spektakel

Im März 1990 gelang dem HC Fribourg-Gottéron der Transfercoup, der weltweit Schlagzeilen machte. Der Klub aus der hinteren Tabellenhälfte der NLA verpflichtete Wjatscheslaw Bykow und Andrej Chomutow, zwei der besten Spieler der Welt.

Rolf Bichsel / Keystone-sda



Perestroika, Glasnost und «Monsieur 100'000 Volt» Jean Martinet (verstorben 2016) ermöglichten den sensationellen Transfer. Fribourg stach sogar die Québec Nordiques aus der NHL aus. Slawa Bykow und Andrej Chomutow kamen als erste Spieler von Weltformat in die Schweiz; ihre Verpflichtung löste die turbulenteste Zeit in der Klubgeschichte Gottérons aus.

Bild

So stellten die «Freiburger Nachrichten» das Duo damals vor. Finde den Fehler … bild: freiburger nachrichten

Vor der Ankunft von Bykow und Chomutow fand in Freiburg Spektakel primär neben dem Eis statt. Gottéron verschliss in fünf Jahren sechs Trainer und stand finanziell permanent am Abgrund. Anfang 1990 hatten sich die Jung-Internationalen Mario Brodmann, Mario Rottaris und Samuel Balmer eigentlich schon zum Transfer nach Lugano entschieden. Fribourg bat sie inbrünstig um Bedenkzeit. Als das Trio erfuhr, dass die Russen kommen, wollte keiner mehr weg. Paul-André Cadieux entschloss sich zu einem Comeback als Cheftrainer.

Der Präsident auf dem Trottinett

Aber zurück in den Frühling 1990, als sich um Chomutow und Bykow erst Gerüchte rankten. Die Playoffs liefen. Fribourg spielte als krasser Aussenseiter gegen Meister Bern. Im ausverkauften Hexenkessel St-Léonard ging es im zweiten Spiel hoch zu und her. Unvergessen die Prügelei zwischen Stürmer Mario Brodmann und Goalie Renato Tosio. Als Sieger nach Punkten ging Brodmann aus dem Fight heraus, weil er Tosios Handschuhe ins Publikum «verschenkte», was ihm eine Tracht Prügel von Berns Topskorer Alan Haworth eintrug. Die Prügelei verhalf Fribourg zum Sieg: Innerhalb von 183 Sekunden skorte Gottéron bei reduziertem Spielerbestand auf dem Eis drei Goals vom 2:3 zum 5:3 (Schlussresultat 5:4).

Zwei Fahnen an der Hallendecke erinnern an die Zeiten von Bykov und Khomutov waehrend dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen HC Fribourg Gotteron und EHC Biel am Freitag, 17. Februar 2012 in Fribourg. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Schon lange hängen die Trikots der beiden Klublegenden unter Fribourgs Hallendach. Bild: KEYSTONE

Bern gewann später die Serie, an diesem Abend jubelte aber erstmals das «neue Gottéron». Präsident Martinet drehte mit dem Trottinett zum Gaudi der Fans Ehrenrunden auf dem Eis. Direktor, Grossrat und Hauptmann Martinet begriff als einer der ersten, dass Sport primär Show sein muss. Deshalb ging Martinet das finanzielle Wagnis mit Bykow und Chomutow ein.

Die Russen kommen!

Das führte ein Jahr später zum turbulentesten Spiel und zur aufregendsten Playoff-Serie auf Schweizer Eis. Bykow und Chomutow verbuchten schon in der ersten Saison beide über 100 Skorerpunkte. Fribourg (4.) traf im Viertelfinal auf Ambri-Piotta (5.). 60 Tore fielen in den fünf Spielen; Chomutow und Bykow erzielten 20 davon.

Im ersten Match feuerte Freiburg 70 Schüsse aufs Ambri-Tor ab, führte dreimal mit zwei Goals Vorsprung und verlor 5:6 nach Verlängerung. Ambri gewann die ersten zwei Spiele der Serie und besass beim Stand von 2:1 einen «Match-Puck» in der Valascia.

abspielen

Einige Impressionen der beiden Magier. Video: YouTube/raaaaaaaul

Dann folgte jenes Spiel, das noch Jahrzehnte später die Gemüter erhitzte. Ambris Goalie Pauli Jaks wurde schon nach elf Minuten und vier Gegentoren ausgewechselt. Das Schützenfest ging munter weiter. Nach 46 Minuten stand es 7:7. Ambri ging in der 53. Minute erstmals in Führung. 75 Sekunden vor Schluss glich Gottéron zum 8:8 aus. 49 Sekunden vor Schluss gelang Brodmann das 9:8 für Fribourg. Mike Bullard traf tatsächlich noch für Ambri, allerdings Sekundenbruchteile nach der Schlusssirene. Es rächte sich für Ambri, dass die parteiischen Zeitnehmer zuvor bei mehreren Spielunterbrüchen beim Stand von 8:7 die Uhr hatten laufen lassen.

Die Ungekrönten

Nach diesem Drama fehlte Ambri in Spiel 5 die Kraft: Gottéron zog mit einem 7:2-Heimsieg erstmals in die Halbfinals ein, Bykow und Chomutow erzielten sechs der sieben Tore.

Danach war die Luft draussen und Fribourg scheiterte im Halbfinal mit 0:3 am SC Bern. In den folgenden drei Jahren führte der geniale Russen-Sturm Gottéron drei Mal in den Playoff-Final, zwei Mal als Qualifikationssieger. Doch auf den ersten Meistertitel warten sie an der Saane bis heute: Bern (1992) und Kloten (1993 und 1994) waren jeweils zu stark.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Diese NHL-Spieler haben die 600-Tore-Marke geknackt

Coronavirus führt zur #stayhomechallenge

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

22
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jean Vocat 24.03.2020 10:59
    Highlight Highlight Nicht ganz auf deren Höhe, aber dennoch unvergessen sind auch Kelly Glowa und Bob Miller beim HC Sierre
  • Auti Aare 23.03.2020 16:49
    Highlight Highlight Noch als kleiner Junge nahmen mich meine Tante oder mein Onkel jeweils zu den Heimspielen mit. Unvergesslich, was die beiden Russen auf dem Eis zauberten. Ich bin froh, diese zwei Extraklasse-Spieler mehrmals live gesehen zu haben. Und mein Chomutow-Leibchen hab ich immer noch :-)
  • kupus@kombajn 23.03.2020 15:38
    Highlight Highlight „Slawa Bykow und Andrej Chomutow kamen als erste Spieler von Weltformat in die Schweiz“

    Dann waren der im selben Jahr gekommene Anders Eldebrink und 1 Jahr früher gekommene Kent „Magic Man“ Nilsson keine Spieler von Weltformat?
    • Schläfer 23.03.2020 16:46
      Highlight Highlight Nein, die waren nicht mal annähernd mit Bykow und Khomutov vergleichbar 😎💪
    • Basubonus 23.03.2020 17:54
      Highlight Highlight Richtig
    • MARC AUREL 23.03.2020 18:57
      Highlight Highlight Sorry aber ihr habt Reijo Ruotsalainen vergessen!
    Weitere Antworten anzeigen
  • LAZIO1900 23.03.2020 15:12
    Highlight Highlight Was viele nicht wissen, die Beiden wären eigendlich zuerst dem EHC Olten angeboten worden, allerdings wollte der Präsi seinerzeit keine Russen.. 🤪
    • Glenn Quagmire 23.03.2020 16:54
      Highlight Highlight Das hätte dem Blick-Nütteler gefallen 🤪😆
  • UrsK 23.03.2020 15:05
    Highlight Highlight Die Beiden waren schon toll. Aber es gab auch vorher schon absolute Top-Ausländer in der Schweiz, z.B. Ron Wilson oder Rexi Ruotsalainen.
    • atorator 23.03.2020 15:15
      Highlight Highlight Von Rexi konnte man vorzüglich lernen richtig Schlittschuh zu laufen. Aber sonst kam er lange nicht an Bykov/Chomutov heran.
    • das Otzelot 23.03.2020 15:42
      Highlight Highlight @atorator
      Das ist aber eine sehr gewagte Aussage. Rexi gehört, meiner Meinung nach, auch in die Kategorie Bykov/Chomutov.
    • atorator 23.03.2020 15:51
      Highlight Highlight Otzelot: Sehe ich nicht so. Bykov war damals einfach der beste Center der Welt. Krasse Hände, genialer Kopf, kaum von den Beinen zu holen. Und dann einen Vollstrecker wie Chomutov als Satellit dauernd um sich herum haben. Ich war damals bei den Junioren beinharter, rechter Verteidiger mit nicht so wenigen Fähigkeiten. Aber die beiden haben alle wie Vollidioten aussehen lassen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • das Otzelot 23.03.2020 14:30
    Highlight Highlight Auch als SCB Fan kommt man nicht umher, vor Bykow und Chomutow den Hut zu ziehen. Was die beiden aufführten war schlicht Weltklasse.
    Was aber tierisch nervte, waren die beiden Satelliten Brodmann und Schaller.
    Bin fast versucht zu sagen, dass selbst ich neben den beiden gut ausgesehen hätte.
  • Der müde Joe 23.03.2020 13:40
    Highlight Highlight Ja dass war wirklich das beste Duo, das je auf Schweizer Eis gespielt hat!

    Aber es war auch der Grund, warum Fribourg nie einen Titel gewann.
    Zuviel war von den beiden abhängig und mit Stecher im Tor, hatte man hinten zu wenig Rückhalt.
    Das Kader von Bern und Kloten, war damals einfach ausgeglichener.
    Einzelne Spieler können die Spiele entscheiden, aber das Team gewinnt die Meisterschaft.

    Nichtsdestotrotz, waren die beiden eine Bereicherung für das Schweizer Eishockey!😃
    • Basubonus 23.03.2020 17:56
      Highlight Highlight Lasst mir mal den Stecher aus dem Spiel. Wenn die ganze Truppe 60 Minuten lang euphorisch und ausschliesslich nach vorne drückt und regelmässig nach Puckverlust beide Verteidiger den Rückweg von hinter der gegnerischen Goalline starten müssen, kannst auch mit 2 Torhütern spielen und kassierst Tor um Tor. Es war vielmehr die Kaderbreite, die in den Playoffs nicht ausreichte.

Eismeister Zaugg

Joe Thornton kann nächste Saison mit Davos spielen – wenn er will

Am Samstag ist NHL-Star Joe Thornton (41) in Davos eingetroffen. Er kann nächste Saison für den HC Davos spielen. Sofern er das wünscht. Er hat den Schweizer Pass und würde keine Ausländerlizenz beanspruchen.

Seit der Saison 2004/05 ist Joe Thornton ein Teil der HCD-Kultur. Er verbrachte damals die verlorene NHL Saison («Lockout») zusammen mit Rick Nash und Niklas Hagmann bei Davos, feierte den Meistertitel und den Spengler Cup-Triumph. In 40 Partien produzierte er 54 Punkte und in den Playoffs schwebte er über dem Eis: 29 Punkte in 14 Partien. Beim zweiten Lockout (2012/13) kehrte er erneut zum HCD zurück (33 Spiele/36 Punkte).

Seither gehört Joe Thornton sozusagen zum HCD. Jedes Jahr «pilgert» er …

Artikel lesen
Link zum Artikel