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Headcoach Patrick Fischer waehrend dem Training im Prospect Camp der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, am Sonntag, 26. Juli 2020 im Sportzentrum OYM, in Cham.(KEYSTONE/Alexandra Wey)

Patrick Fischer sorgt sich um Schweizer Talente. Bild: keystone

Natitrainer Fischer zu NL-Löhnen: «Nun sind wir bei 800'000 Franken. Wer macht das?»

Die Schweizer Eishockey-Vereine kämpfen ums Überleben. Die Kosten müssen gesenkt werden, weshalb in der National League unter anderem eine Erhöhung der Ausländer von vier auf zehn diskutiert wird. Lars Weibel und Patrick Fischer schlagen Alarm.

Sascha Fey / keystone-SDA



Für Ligadirektor Denis Vaucher befindet sich das Schweizer Eishockey aktuell in der grössten Krise seit jeher. Zwar erhalten die Vereine vom Bund A-fonds-perdu-Beiträge, die helfen, die laufende Saison zu überstehen. Damit sind die Probleme aber nicht gelöst. Deshalb werden Lösungen gesucht, um die Kosten langfristig in den Griff zu bekommen.

Die National League, die sich vom Verband abgekapselt und eine Aktiengesellschaft gegründet hat, diskutiert nun diverse Massnahmen, eine davon ist die Erhöhung der Anzahl Ausländer von vier auf zehn. Die Hoffnung ist, dass durch die Erweiterung des Spielermarktes die Löhne sinken. Sowohl für Nationalmannschaftsdirektor Lars Weibel als auch für Nationaltrainer Patrick Fischer ist das sehr kurzfristig gedacht.

Die zu hohen Löhne seien schon lange ein Thema, sagt Fischer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Dass diese zu hoch sind, hiess es schon zu meiner Zeit als Spieler. Als ich anfing, verdiente ein Nationalspieler 200'000 bis 250'000 Franken. Nun sind wir bei 800'000 Franken. Wer macht das? Müssen nun die jungen Spieler bluten, weil wir die Löhne nicht in den Griff bekommen haben? Sie können nichts dafür, machen die Verträge nicht.»

Für Fischer gebe es deutlich bessere Lösungen, die Löhne zu senken, nämlich klare Regeln aufzustellen, wer wie viel verdient, und die Gehälter wie in der NHL offenzulegen.

Angst vor Zweiklassengesellschaft

Weibel ergänzt: «Wir als Verband glauben nicht, dass die Lohnspirale durch diese Massnahme nach unten drehen würde. Im schlimmsten Fall könnte gar das Gegenteil eintreten.» So denkt Weibel nicht, dass die Top-Klubs billige Ausländer holen würden, sondern die am besten verfügbaren. Dann müssten kleinere Vereine mitziehen, um konkurrenzfähig zu bleiben. «Insofern könnte es gar eine Zweiklassengesellschaft geben.»

Patrick Fischer, links, Schweizer Eishockey Head Coach und Lars Weibel, rechts, General Manager orientieren an einer Medienkonferenz in Zuerich am Donnerstag, 24. Oktober 2019 ueber die Vetragsverlaengerung von Patrick Fischer.   (KEYSTONE/Walter Bieri)

Patrick Fischer und Lars Weibel. Bild: KEYSTONE

Ist es aber nicht so, dass Konkurrenzkampf für die Entwicklung eines Spielers förderlich ist? Insofern könnte sich die Öffnung des Marktes doch positiv auswirken. Weibel sieht das überhaupt nicht so: «Konkurrenz ist sicher nie schlecht. Wir sind aber kein Entwicklungsland, der Schweizer ist weiter als früher und nicht mehr so genügsam. Unser Markt ist dermassen klein, da müssen wir unseren Talenten möglichst viele Plattformen geben. Ansonsten geht die Nachhaltigkeit verloren, das heisst, das Produkt wird ausgeblutet.»

Kein Vergleich zum Fussball

Tatsächlich dürfte es für die Jungen mit einer Erhöhung der Anzahl Ausländer deutlich schwieriger werden, einen Platz in der National League zu ergattern, geschweige denn wichtige Eiszeit zu bekommen, also in den Special Teams oder in den entscheidenden letzten Minuten zu spielen. «Dann geht die Breite in der Nationalmannschaft verloren», ist Fischer überzeugt. «Waren unter Ralph Krueger (Nationaltrainer von 1998 bis 2010, die Red.) immer in etwa die Gleichen dabei, ist die Konkurrenz nun unglaublich gross.» Das wirkte sich auf die Resultate aus, holte doch die Schweiz an den Weltmeisterschaften 2013 und 2018 jeweils die Silbermedaille.

Für Fischer wäre es jedenfalls eine «furchtbare Vorstellung, wenn ich an einem Spiel Kanadier, Schweden, Finnen, Slowaken und nur wenige Schweizer sehen würde.» Die Frage ist auch, ob die Zuschauer so viele Ausländer goutieren würden. Die Befürworter argumentieren diesbezüglich mit dem Fussball, bei dem der Markt offen ist und die Fans dennoch kommen würden. Für Weibel hinkt dieser Vergleich: «Das Publikum und der Markt sind im Fussball und Eishockey nicht 1:1 vergleichbar.»

Was müsste passieren, wenn trotz aller Warnrufe die Erhöhung der Ausländer beschlossen werden würde? «Dann bräuchte es ganz klar eine Mindestanzahl an jungen Spielern, die eingesetzt werden müssten, mindestens vier unter einem gewissen Alter, beispielsweise 22 Jahre», sagt Fischer. Derweil hat Weibel aktuell keinen Plan B: «Es gibt bezüglich dieser Thematik x negative Beispiele, die uns eigentlich die Augen öffnen sollten. Deshalb mache ich mir Sorgen um das Schweizer Eishockey. Es darf unter keinen Umständen so weit kommen, weil es uns weit zurückwerfen würde. Wir müssten unsere Zielsetzungen zwingend nach unten korrigieren. Für mich ist die Faktenlage eindeutig. Wir tragen alle Verantwortung für das Schweizer Eishockey. Unser Produkt funktioniert, und das dürfen wir unter keinen Umständen aufs Spiel setzen.»

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