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Dominique Aegerter SWI 
Technomag Carxpert 
Suter
Moto2
 GP Italie (Circuit Mugello)
01.06.2014
PSP/Lukasz Swiderek
www.photoPSP.com

Bild: PSP/LukaszSwiderek

Er hat den falschen Töff

Dominique Aegerter und der verschenkte WM-Titel

Dominique Aegerter könnte in dieser Saison Weltmeister werden – wenn er nur den richtigen Töff hätte. Nach dem GP von Italien in Mugello ist die Diskussion über seine Maschine berechtigter denn je.



Was wäre wenn? Was wäre, wenn Dominique Aegerter die Moto2-WM 2014 nicht mit einer Suter fahren würde. Sondern mit einer Kalex?

Die Frage ist deshalb 2014 berechtigt, weil alle Suter-Piloten in dieser Saison Probleme haben. Keiner hat bisher ein Rennen gewonnen. Und nur einer hält sich tapfer in der Weltspitze: Dominique Aegerter. Der «Rohrbach-Rossi» behauptete sich beim GP von Italien in Mugello als bester Suter-Pilot auf dem 5. Platz und in der WM steht er auf dem 4. Zwischenrang. Ebenfalls als bester Suter-Fahrer.

Bisher nur Suter-Feuerstühle

Ein Markenwechsel ist heikel. Dominique Aegerter hat seit dem Einstieg in die Moto2-WM 2010 nie etwas anderes als die Boliden des Schweizer Renntöffherstellers Eskil Suter gefahren. Mit diesen Höllenmaschinen hat er sich an die Weltspitze vorgearbeitet. Ein Rennen hat er zwar noch nicht gewonnen. Aber diese Saison in Jerez (2.) sein bisher bestes Karriereresultat herausgefahren.

31.05.2014; Mugello; Motorrad - Qualifying GP Italien 2014; Dominique Aegerter (L, SUI) mit seinem Cheftechniker Gilles Bigot (Waldemar Da Rin/freshfocus)

Auf kommende Saison einen Materialwechsel wagen? Dominique Aegerter im Gespräch mit Teamtechniker Gilles Bigot. Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Der deutsche Ex-Rennfahrer und aktuelle TV-Kommentator Alex Hofmann ist Berater von Dominique Aegerter. Er kann zwar dem Schweizer nicht erklären, wie er schneller fahren kann. Denn er ist selber nie so schnell gefahren wie Aegerter. Aber er ist als Gesprächspartner enorm wichtig. Mit Alex Hofmann kann sich Dominique Aegerter auf Augenhöhe über Rennsport unterhalten.

«Ich kann nicht beurteilen, wie es mit einer Kalex wäre»

Alex Hofmann hat einen Satz gesagt, der zu denken gibt: «Stefan Bradl musste von Suter auf Kalex umsteigen, um Weltmeister zu werden.» Ja, so ist es. So einfach ist es. Erst als Stefan Bradl von der so heikel abzustimmenden Suter auf die benutzerfreundliche Kalex umstieg, war er in der Lage, im Showdown gegen Marc Marquez 2011 die Moto2-WM zu gewinnen.

Wir können dagegen halten, dass Marc Marquez 2012 die Moto2-WM auf einer Suter gewonnen hat. Aber Tom Lüthis Teamkoordinator Terrell Thien gibt zu bedenken: «Marquez ist ein Jahrhunderttalent. Trotzdem hatte er grösste Mühe, auf der Suter Weltmeister zu werden. Er hat in seiner Weltmeistersaison mindestens sechs Maschinen bei Stürzen verschrottet.»

Bisher ist es nur Marc Marquez gelungen, auf einer Suter die Moto2-WM zu gewinnen. Die Frage ist also: Könnte Dominique Aegerter Weltmeister werden, wenn er eine Kalex statt eine Suter einsetzen würde? Auf diese Frage findet er eine diplomatische Antwort: «Seit meinem Einstieg in die Moto2-WM fahre ich Suter. Ich kann also nicht beurteilen wie es mit einer Kalex wäre.»

German rider Jonas Folger of AGR Moto2 team drives his bike during the first free practice session of the Italian Grand Prix, at the Mugello racetrack, on May 30, 2014. AFP PHOTO / ANDREAS SOLARO

Dominierte (mit anderen Kalex-Fahrern) in Mugello das Renngeschehen: Jonas Folger. Bild: AFP

Aber inzwischen neigen sehr viele internationale Beobachter zur Ansicht, dass Dominique Aegerter 2014 auf einer Kalex ein Titelkandidat wäre. Die benutzerfreundlichere deutsche Maschine würde es dem kampfstarken Emmentaler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ermöglichen, in jedem Rennen um den Sieg zu fahren. Zumal Dominique Aegerter selbst auf der «bockigen» Suter seit 2010 im Rennen nie gestürzt, beziehungsweise nie durch Sturz ausgefallen ist.

Wie schwierig die Suter abzustimmen ist, erfährt ja zurzeit Tom Lüthi. Er steckt in der grössten Krise seiner Karriere. Weil er diese Maschine einfach nicht bändigen kann. Dazu ist inzwischen nur noch Dominique Aegerter in der Lage.

Tom Lüthi fährt 2015 wohl auf Kalex

Was auch dafür spricht, dass die Abstimmung der Kalex einfacher ist: Am Sonntag klassierten sich in Mugello mit Luis Salom (2.) und Jonas Folger (3.) zwei Klassenneulinge unerreichbar vor Dominique Aegerter. Zwei Piloten, die er eigentlich aufgrund seiner Erfahrung und seines Talentes im Griff haben müsste. Der Rohrbacher ist mit 74 Rennen zusammen mit Simone Corsi und vor Tom Lüthi der routinierteste Fahrer in der zweitwichtigsten Töff-WM.

31.05.2014; Mugello; Motorrad - Qualifying GP Italien 2014; Thomas Luethi (SUI) (Lukasz Swiderek/PSP/freshfocus)

Tom Lüthi ersetzt 2015 seine 130 Kilogramm Suter mutmasslich mit Kalex. Bild: Lukasz Swiderek/freshfocus

Tom Lüthi wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 2015 auf Kalex wechseln. Bei Dominique Aegerter ist die Maschinenwahl für 2015 offen. Er kann ohnehin darüber befinden, welcher Töff im Team eingesetzt wird. Am Ende des Tages liegt diese Entscheidung beim Westschweizer Unternehmer Olivier Métraux, der das Team über seine Firma als Hauptsponsor finanziert. 

Die Unkonstanz als grosse Unbekannte

Dabei spielen verschiedensten Faktoren eine Rolle. Nicht nur sportliche, auch wirtschaftliche. Die Kalex und die Suter kosten zwar ungefähr gleich viel (als Gesamtpaket inkl. Ersatzteile rund 200 000 Franken im Jahr). Aber die Frage ist auch, wie viele Spitzenfahrer von der entsprechenden Marke betreut werden, ob es eine Vorzugsbehandlung gibt und wie die Möglichkeiten der Weiterentwicklung während der Saison sind. Die Maschine eines Schweizer Herstellers zu fahren, kann auch Vorteile haben.

Second-placed Suter Moto2 rider Dominique Aegerter of Switzerland (L) and third-placed Kalex Moto2 rider Jonas Folger of Germany spray champagne on podium after the Spanish Grand Prix at Jerez racetrack in Jerez de la Frontera, southern Spain, May 4, 2014.    REUTERS/Marcelo Del Pozo (SPAIN - Tags: SPORT MOTORSPORT)

Mit Kalex sogar den Gewinnerchampagner herumgespritzt? Dominique Aegerter nach seinem zweiten Platz in Jerez de la Frontera. Bild: Marcelo del Pozo/REUTERS

Teammanager Fred Corminboeuf sagt, die Markenwahl werde erst in der zweiten Saisonhälfte ein Thema. Dabei gilt es eine Besonderheit des Motorradrennsportes zu berücksichtigen. Sehr oft ist in einer Saison eine Marke der anderen klar überlegen und dann versuchen alle, für die darauf folgende Saison auf diese Marke umzusteigen. Die unterlegene Konkurrenz arbeitet dann im Winter fieberhaft an Verbesserungen – und ist im nächsten Jahr der Konkurrenz überlegen. Was wir daraus lernen: Es kommt darauf an, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Marke zu wählen. Es kann sein, dass Suter 2015 die Siegermarke sein wird.

Womit ich wieder zur Eingangs gestellten Frage zurückkehre. Die Antwort lautet: Ja, wahrscheinlich hat Dominique Aegerter 2014 den WM-Titel verschenkt.

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