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St. Gallens Jordi Quintilla trifft zum 4:0 Penalty Tor gegen Luzerns Torhueter Marius Mueller im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Luzern, am Donnerstag, 16. Juli 2020, im Kybunpark in St. Gallen.  (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Das i-Tüpfelchen: Quintilla vernascht FCL-Goalie Müller mittels Panenka-Penalty zum 4:0. Bild: keystone

Analyse

Die nächste St.Galler Ansage – viele Spiele bleiben YB nicht mehr

Was für eine Darbietung! Der FC St.Gallen fegt über den FC Luzern wie ein heftiges Sommergewitter, schlägt ihn 4:1 und verteidigt seine Tabellenführung. Nur noch fünf Runden trennen die Ostschweizer vom Meistertitel.



Das Duell um den Meistertitel spitzt sich zu. Fünf Runden vor Schluss scheint klar, dass es dem FC Basel nicht mehr reicht, die sieben Punkte Rückstand auf St.Gallen noch wettzumachen und den Meisterpokal zu gewinnen. Weil dafür ja nicht nur der FCSG schwächeln müsste, sondern auch Titelverteidiger YB.

Einen Abend nach dem 4:2-Sieg der Berner gegen Servette zog St.Gallen nach. War zuletzt nach zwei Auswärts-Unentschieden (3:3 in Lugano, 1:1 in Genf) da und dort die Befürchtung geäussert worden, dass die Kräfte der Grün-Weissen zur Neige gehen, war gegen Luzern gar nichts davon zu sehen. Für das «St.Galler Tagblatt» war das, was Peter Zeidlers Mannschaft beim 4:1-Sieg von der ersten Minute an zeigte, «vielleicht sogar die beste Halbzeit der Saison.» Auch der Trainer selber war voll des Lobes:

«Wir haben phasenweise sehr guten Fussball gezeigt. Das war zum Teil hohe Schule, was meine Jungs gezeigt haben.»

Peter Zeidler

Die St. Galler jubeln zum 4:0 Tor im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Luzern, am Donnerstag, 16. Juli 2020, im Kybunpark in St. Gallen.  (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Doppelt bitter für St.Gallen und seine Fans, dass derzeit nur 1000 Menschen im Stadion sein dürfen. Es wäre in diesen Wochen bestimmt immer proppenvoll. Bild: keystone

Es gibt nur eine Richtung: Vorwärts

Das Fussballfest gegen das an sich formstarke Luzern war ein Beweis dafür, dass die St.Galler trotz ihrer intensiven Spielweise und dem dichtgedrängten Spielplan noch Saft in den Beinen haben. Es war auch ein Beleg dafür, dass jugendliche Unbekümmertheit manchmal mit Naivität einhergeht. Captain Silvan Hefti – 22-jährig erst, aber gestern bereits mit seinem 150. Super-League-Spiel – hätte auch Kraft sparen können in der Schlussphase der Partie, die schon längst entschieden war. Stattdessen legte er einen Rush nach dem anderen hin, traf in der 86. Minute nach einem schönen Angriff nur den Innenpfosten.

Es zeichnet den FC St.Gallen aus, dass er sich diese Sorglosigkeit leistet. Die junge Mannschaft kann gar nicht anders, sie scheint nur den Vorwärtsgang zu kennen. In 14 der 31 Saisonspiele schoss sie drei oder mehr Tore. Das kompensiert die für einen Leader ungewöhnliche Tatsache, dass gleich fünf Teams weniger Gegentore erhalten haben.

Startelf-Debütant gleich Torschütze

Zeidler konnte gestern auch die Behauptung widerlegen, wonach Titelkonkurrent YB über die bessere Bank, den breiteren Kader verfügt. Er musste den gesperrten zwölffachen Saisontorschützen Ermedin Demirovic ersetzen und stellte deshalb erstmals überhaupt André Ribeiro in die Startelf. Der Portugiese war sofort bereit, er erzielte nach zehn Minuten das brillant kombinierte Führungstor.

St.Gallens 1:0 – was für ein wunderschönes Tor. Video: SRF

Ribeiro ist 23-jährig, gestern war bei St.Gallen nur ein Mittelfeldtrio älter: Lukas Görtler und die Spanier Jordi Quintilla und Victor Ruiz sind 26 Jahre alt. 23,4 Jahre alt war die Startelf gegen Luzern im Schnitt – und damit ein Jahr jünger als die vermeintliche U21-Mannschaft, die der FC Zürich am Dienstag beim 0:4 in Basel aufstellen musste, weil sich die Profis in der Corona-Quarantäne befanden.

Und nun? Hat St.Gallen weiterhin einen Punkt Vorsprung auf YB. Noch fünf Runden sind zu absolvieren, das ist das Restprogramm:

FC St.Gallen
19.7. Thun (A)
22.7. Basel (H)
25.7. Zürich (A)
31.7. Xamax (H)
3.8. YB (A)

YB
18.7. Zürich (A)
23.7. Xamax (A)
26.7. Luzern (H)
31.7. Sion (A)
3.8. St.Gallen (H)

St.Gallen hat es in den eigenen Füssen

Geht es nach der Papierform, kommt es in der letzten Runde am 3. August, einem Montagabend, zur grossen Finalissima im Berner Wankdorf-Stadion. Doch selbst wenn dieses an der Papiermühlestrasse liegt, wird Fussball nicht auf Papier gespielt. Eine seriöse Prognose ist nicht möglich. Der St.Galler Bonus: Es kann sich selbst bei vier Berner Siegen eine Niederlage in den nächsten vier Spielen erlauben und hat dennoch die Chance, mit einem Erfolg im Direktduell den Titel zu holen.

Fakt ist: Der FC St.Gallen hat es in den eigenen Füssen, 20 Jahre nach der Sensation 1999/2000 wieder Schweizer Meister zu werden. Fünf Runden vor Schluss ist das für die Ostschweizer eine Aussage, die vor der Saison wohl niemand für möglich gehalten hätte.

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 17.07.2020 15:52
    Highlight Highlight Super wie fair hier alle YB-Fans sind 👍🏻
  • rburri38 17.07.2020 14:32
    Highlight Highlight "viele Spiele bleiben YB nicht mehr", für was? YB hat es ebenso komplett selber in der Hand, absolut egal wie viele Spiele YB noch bleiben.
  • Lowend 17.07.2020 14:31
    Highlight Highlight Als YBler darf ich sagen, dass St. Gallen die Mannschaft ist, der ich den Titel gönnen würde.

    Das Finalspiel in Bern wird jedenfalls der Hammer und jeder der ein Ticket zugelost bekommt, kann sich echt glücklich schätzen, dabei sein zu dürfen!

    Mal schauen, welche Stadt dann am Montag den 3.8.2020 Freinacht feiern darf? Ich hoffe natürlich es ist Bern! 💛🖤
    • McStem 17.07.2020 15:31
      Highlight Highlight Da bin ich diametral anderer Meinung 💚🤍
    • TanookiStormtrooper 17.07.2020 16:24
      Highlight Highlight Ich hoffe doch sehr, dass es aufgrund der Corona-Situation keine Freinacht geben wird. Das klingt nämlich nach einem ziemlichen Super-Spreader-Event. 🤷‍♂️
      Ich gönne sonst (fast) jedem eine Meisterfeier, aber dieses Jahr ist der falsche Zeitpunkt, auch wenn es dann seit 20 Jahren der erste Titel ist.
    • Lowend 17.07.2020 16:40
      Highlight Highlight Ich kann die Befürchtungen der Stormtrooper gut nachvollziehen, aber alleine Meisterschaft zu feiern ist echt nur langweilig.

      Zum Glück gibt's aber in Bern einige grosse Plätze wie die Allmend und die St. Galler haben ja eh die OLMA und brauchen darum eigentlich gar kein anderes Fest, nicht wahr McStem? 😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • DJf 17.07.2020 12:44
    Highlight Highlight Meister wird wer das letzte Spiel gewinnt !
    • rburri38 17.07.2020 14:36
      Highlight Highlight Und YB hat seit 29 Spielen (!) zuhause nicht mehr verloren und seit 49 Spielen (!!) hat YB immer mindestens ein Tor zuhause geschossen. Ja, jede Serie geht mal zu ende. Aber ob jetzt, das ist die grosse Frage.
  • c-bra 17.07.2020 12:38
    Highlight Highlight Ich weiss wirklich nicht, ob mein Herz eine Finalissima aushalten würde, aber das Risiko nehme ich in Kauf.
  • Elpampa 17.07.2020 11:50
    Highlight Highlight Meine optimistische Meinung:

    St. Gallen wird in der 35. Runde zuhause gegen Xamax Meister.

    Alle reden von der geschwächten FCZ-Mannschaft vom kommenden Samstag, denkt ihr denn wirklich alle, diese sitzen nur faul zuhause rum? Der Fitnesswert wird sicherlich gleich sein wie vorher, dazu das Plus der Ausgeruhtheit. Bei einer Natipause hat man auch 3-4 Tage jeweils Pause... klar hier länger aber nach so einem Programm wie bis anhin...

    Dementsprechend FCZ - YB Heimsieg Z und dann packt es Sg mit der Vorfreude und Lust gegen die anderen Teams.
  • Therealmonti 17.07.2020 11:31
    Highlight Highlight Gefällt mir, wie St. Gallen Fussball spielt. Wenn die St. Galler dies durchziehen, sind sie verdient Meister.
  • Nocciolo 17.07.2020 10:50
    Highlight Highlight Als YB-Fan muss ich sagen, dass ich den St. Gallern diesen Titel gönnen mag. Sie spielen sehr attraktiv und engagiert. Bei der aktuellen Form von FCSG und der Auswärtsschwäche der Berner, sollten sie den Titel eigentlich auf sicher haben. Ausser sie werden noch nervös...
    • d10 17.07.2020 14:14
      Highlight Highlight Bin auch YB-Fan und sehe den ersten Teil genauso, wenn SG das durchziehen kann, dann ist ihnen dieser Titel sehr zu gönnen, sie spielen so oder so eine unglaublich gute Saison mit tollem Fussball!

      Aber der Titel ist ihnen alles andere als auf sicher, es ist noch völlig offen. SG hat jetzt drei Nervenspiele auswärts in Thun, zuhause gegen den FCB und auswärts gegen den FCZ. YB hat schwierige Auswärtsspiele bei den Abstiegskandidaten Xamax und Sion.

      Hoffentlich wird die Meisterschaft in einer offenen und fairen Finalissima am 2.8. entschieden! Der Bessere möge gewinnen, hopp YB :)
    • Kyle C. 17.07.2020 14:46
      Highlight Highlight Sehr schön, wie sportlich v.a. viele YB-Anhänger die Sache sehen. Das erlebt man bei Fussballdiskussionen nicht so oft.

      Ich bin da auch eher auf d10's Linie. Die Sache ist noch lange nicht gegessen. Ich bin mir sicher, dass der Titel nur nach SG geht, wenn YB vor dem letzten Match noch Federn lässt. Ansonsten sehe ich der Finalissima eher skeptisch entgegen. Auswärts, Kunstrasen, routinierter und heimstarker Gegner...da wird Zeidler sein ganzes Können aufbieten müssen, um das junge Team auf ein solches Finalspiel vorzubereiten.
    • Nocciolo 17.07.2020 16:07
      Highlight Highlight Natürlich ist noch alles möglich, aber die Formkurve spricht eher für FCSG. Und auch bei einem potentielles Finalissima würde ich eher auf den FCSG setzen, da YB in den letzten Jahren in Entscheidungsspielen eher schlecht abgeschnitten hat. Wir werden sehen und ich freue mich auf eine spannende Schlussphase der Meisterschaft.
  • McStem 17.07.2020 10:49
    Highlight Highlight Ein paar Anmerkungen:

    1. Das Alter der FCZ-U21+ ist sekundär. Fakt ist sie bestand (im Gegensatz zu SG) zur Hälfte aus Spielern, welche noch nicht oder nicht mehr gut genug für die SL sind. Dass das Alter sekundär ist bewies Ajax 2018/19.

    2. YB hat die breitere Bank. St. Gallen musste nur 1 Spieler (Im Vergleich zur bestmöglichen 11) ersetzen, während YB besser durchrotieren kann.

    3. YB hat das etwas leichtere Restprogramm, was im Idealfall aber keine Rolle spielt.

    4. Selbst wenn es nicht klappt: Beste Saison, welche ich bis jetzt erleben durfte (2000 war ich knapp zu jung).
    • Kyle C. 17.07.2020 10:57
      Highlight Highlight Nr. 3 wird m.M.n. der entscheidende Faktor sein, weshalb es für SG wohl knapp nicht reichen wird. Streng genommen muss YB noch 4 Spiele absolvieren, jenes gegen ZH dürfte geschenkt sein. SG kann nur hoffen, dass die ZH-Stammelf ausser Form sein wird. Tja, und dann halt noch die Finalissima auswärts. Auf jenem Rasen... Wenn also YB nicht noch gehörig Punkte liegen lässt, sehe ich YB eher als Favoriten. Leider.
    • McStem 17.07.2020 11:19
      Highlight Highlight Übertreiben muss man es auch nicht. Alle Gegner sind für St. Gallen schlagbar. Irgendwann muss der erste Sieg gegen Zürich ja kommen und alle anderen hat man ja schon geschlagen. Und auch die Gegner von YB sind nicht zu unterschätzen.

      Xamax und Sion spielen mit dem Rücken zu Wand ums Überleben und Luzern hatte sich gestern auch unter Wert verkauft. Zudem sind die Resultate tw. auch etwas Lotterie.
    • Kyle C. 17.07.2020 11:53
      Highlight Highlight Ich hoffe ja sehr, dass ich übertreibe... ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Apfel Birne 17.07.2020 10:46
    Highlight Highlight Weil einmal ein St.Galler Reservespieler ein Tor schiesst verfügen sie also jetzt um das bessere Kader und die bessere Bank als YB? Sehr interessante These wenn man bedenkt, wie viele Jokertore YB bisher gemacht hat und dass im Gegensatz zu St.Gallen in jedem Spiel 3-5 neue Spieler in der Startelf stehen.
    • Elpampa 17.07.2020 11:46
      Highlight Highlight Wenn es läuft kannst du noch so viele Wechsel machen, solange das Spielprinzip übernommen wird!
    • Apfel Birne 17.07.2020 15:55
      Highlight Highlight Wenn du viel wechselst, können die Automatismen nicht so gut sein, wie wenn man immer mit den gleichen 14 Spielern spielt
  • Staedy 17.07.2020 10:45
    Highlight Highlight Es ist einfach gute Unterhaltung dieser Mannschaft zuzusehen. Ob Fan oder nicht. Gehöre zu der zweiten Gruppe. Wenn nur alle in der SFL so erfrischend und nicht nur von Vorsicht geprägt spielen würden. So macht Fussball einfach Spass, für alle.
  • Kyle C. 17.07.2020 10:44
    Highlight Highlight Als FCSG-Anhänger bin auch ich voll des Lobes, egal was noch kommt. Allerdings befürchte ich angesichts des Restprogramms, dass es wohl knapp nicht reichen wird (hoffentlich täusche ich mich). SG muss zum Angstgegner ZH, hat Basel und dann YB auswärts. Mit Thun und Xamax zudem 2 Abstiegskandidaten, die zwingend auf Punkte angewiesen sind. YB seinerseits kann gegen die U21 von ZH antreten und geniesst in der möglichen Finalissima Heimvorteil. Als routiniertere Mannschaft dürfte die Direktbegegnung somit auch in nervlicher Hinsicht eher für YB sprechen. Aber alles nur Theorie...
    • Licorne 17.07.2020 12:27
      Highlight Highlight Als neutraler Beobachter drücke ich dem FCSG die Daumen.
      Was für ein tolles, junges Team und was für eine sympathische Führung. Ich würde es euch wirklich gönnen.
    • easy skanking 17.07.2020 12:47
      Highlight Highlight als züri anhänger, kann ich dir versichern, dass ihr gewinnen werdet.. denn sobald züri so etwas wie favorit ist, vergeigt ers gerne mal
    • pun 17.07.2020 12:48
      Highlight Highlight Bin auch Zweckpessimist, kann man glaube ich nicht ablegen als langjähriger SG-Fan. :-)

      Aber YB hat auch ein schweres Programm, der FCZ darf glaub ich wieder die Profis spielen lassen und das auswärtsschwache YB muss noch in Neuchatel und Sion ran.

      Aber egal was YB macht, wenn der zweite Anzug der St. Galler so gut sitzt wie gestern, dann haben sie wirklich alle Chancen in der eigenen Hand!
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