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Fussball Manuel Akanji Schweiz Basel, 06.09.2020, Fussball, UEFA Nations League, Gruppenphase, Schweiz - Deutschland 1:1 Basel Johan Cruijff ArenA Schweiz *** Football Manuel Akanji Switzerland Basel, 06 09 2020, Football, UEFA Nations League, Group stage, Switzerland Germany 1 1 Basel Johan Cruijff ArenA Switzerland Poolfoto Witters/Witters/Pool/Witters ,EDITORIAL USE ONLY

Das Klischee des tätowierten Fussballers erfülle ich wohl. Bild: Witters GmbH

Akanjis Revier

9 Klischees über Fussballer – und ob sie wahr sind oder nicht

Als Fussballer wird man immer wieder mit den gleichen Klischees konfrontiert. Die watson-Redaktion hat mir 9 häufige Stereotypen vorgelegt und ich sage euch, wie viele davon stimmen – oder eben nicht.

Manuel Akanji
Manuel Akanji



Fussballer sind dumm

Das stimmt nicht.

Ich finde ehrlich gesagt, dass diese Aussage ziemlich voreingenommen ist. Klar gibt es Fussballer, die sich nicht so gut ausdrücken können oder keine Ausbildung abgeschlossen haben. Das heisst aber nicht, dass sie deswegen dumm sind. Was bedeutet überhaupt Dummsein? Fussballer, denen vorgeworfen wird, dumm zu sein, haben dafür oftmals stärkere Sozialkompetenzen.

Ich habe schon oft gemerkt, dass Leute das Gefühl haben, ich sei dumm, weil ich Fussballer bin. Viele waren zum Beispiel überrascht, als ich im «sportpanorama» mal gezeigt habe, dass ich kopfrechnen kann. Man traut einem Fussballer halt einfach viel weniger zu.

Fussballer tragen teure Kleidung und fahren teure Autos

Das trifft teilweise zu.

Es hängt immer auch vom Lohn ab. Ein Profi in der Bundesliga hat schon eher teure Kleider an und fährt ein etwas teureres Auto als einer aus der Super League. Es gibt grosse Unterschiede, aber grundsätzlich kann man sich selbsterklärend mehr leisten, wenn man besser verdient.

Aber gerade bezüglich der Autos täuscht das oftmals. Viele Fussballer haben durch Sponsorenverträge oder Deals über die Vereine sehr gute Konditionen für ihre Autos – oftmals auch durch Leasing.

Fussballer können nicht mit Geld umgehen

Das stimmt nicht.

Natürlich gibt es Fussballer, die nicht mit dem Geld umgehen können, aber in welchem Teil der Gesellschaft gibt es das nicht? Ich denke, die meisten Fussballer haben das gut im Griff, investieren in Immobilien oder Aktien. Oftmals wird Fussballern auch vorgeworfen, dass sie teure Uhren tragen, dabei können Uhren, wenn man die richtige Marke wählt, ebenfalls ein tolles Investment sein.

Ich persönlich habe den Umgang mit Geld schon früh durch meinen Vater gelernt. Wir bekamen nicht so viel Sackgeld und mussten sparen, wenn wir etwas wollten. Das hat schon geholfen, ein Bewusstsein für Geld zu entwickeln. Wenn ich jetzt Fragen habe, steht mir auch mein Berater zur Seite.

Die Frisur ist Fussballern besonders wichtig

Das stimmt.

Ich muss zwar sagen, dass ich meine Haare sicher seit einem Monat nicht mehr habe schneiden lassen können, aber grundsätzlich stimmt das schon. Wir stehen oft im Rampenlicht, haben unzählige Kameras auf uns gerichtet, da will man schon gepflegt aussehen.

Sie haben die Haare schön: Besonders schräge Fussballer-Frisuren

Ich lasse mir die Haare oft von einem Friseur aus London schneiden. Ich habe ihn 2018 während der WM in Russland kennengelernt. Er hat mittlerweile sehr viele Kunden von Bundesliga-Vereinen, alleine bei uns in Dortmund sind es etwa fünf Spieler. Die Sache ist die: Die meisten Friseure wissen nicht, wie man Afro-Haare schneiden muss und er macht das wirklich hervorragend.

Fussballer verbringen viel Zeit vor der Spielkonsole

Das stimmt teilweise.

Bei uns gibt es schon viele, die regelmässig zocken. Ich würde mal sagen, die Hälfte spielt täglich, die andere Hälfte nicht. Ich habe in meinem Freundeskreis sowieso viele Leute, die zocken, deshalb finde ich nicht, dass Fussballprofis überproportional vertreten sind.

Dass dennoch viele Fussballer regelmässig zocken, hängt wohl auch damit zusammen, dass wir sehr viel Zeit in Hotels verbringen. Dazu kommt, dass wir auch eingeschränkt sind in unserer Freizeitgestaltung. Wir haben zum Beispiel polysportiv nicht so viele Freiheiten, weil wir auf die körperliche Belastung achten müssen und bei vielen Sportarten das Verletzungsrisiko zu hoch wäre.

Fussballer sind Weicheier

Das stimmt nicht, aber ich verstehe, warum das Leute sagen.

Man sieht leider regelmässig Spieler, die Schwalben machen oder simulieren. Das Problem ist halt: Wenn du hart gefoult wirst und einfach weiterspielst, kannst du sicher sein, dass der Gegner die Karte nicht sieht und ein paar Minuten später wieder so einsteigt. Es ist aber schade, hat sich der Fussball in diese Richtung entwickelt.

Oftmals täuschen die Szenen aber in der Wiederholung sehr stark. Wenn dir jemand bei einem Kopfballduell einen Ellbogen mitgibt oder dir unabsichtlich mit der Hand ins Gesicht schlägt, schmerzt das schon. Und wenn dir jemand mit Stollen auf den Fuss steht, tut das auch mehr weh, als es aussieht.

Dazu kommt, dass viele Fussballer auch mit Schmerzen spielen, da zähle ich mich auch dazu. Aber das sieht der Zuschauer natürlich nicht, sondern meist bleibt nur in Erinnerung, dass halt eben jemand am Boden liegt und sich wälzt.

Fast jeder Fussballer hat Tattoos

Das trifft eher zu.

Viele Fussballer haben Tattoos, das ist richtig. Vielleicht hat es damit zu tun, dass viele ihren eigenen Stil haben möchten, da sie oft in der Öffentlichkeit stehen. Ich selbst habe ja auch Tätowierungen. Mein erstes Tattoo war der Spruch «Prove them wrong», er hat so gut zu mir gepasst, dass ich ihn verewigen wollte. Generell haben alle Tätowierungen für mich eine Bedeutung, ich habe sie nicht einfach aus einer Laune heraus stechen lassen.

Es ist gut möglich, dass sich die Fussballer gegenseitig mit ihren Tattoos inspirieren und deshalb so viele tätowiert sind. Bei mir war das wahrscheinlich auch so.

v.li., Mahmoud Dahoud Borussia Dortmund, Jadon Sancho Borussia Dortmund, Manuel Akanji Borussia Dortmund, Marco Reus Borussia Dortmund 14.09.2020, Fussball GER, DFB Pokal, 1. Runde, Saison 2020 2021, MSV Duisburg - Borussia Dortmund 0:5 Foto: TEAM2sportphoto Duisburg Nordrhein Westfalen Deutschland *** from left to right , Mahmoud Dahoud Borussia Dortmund , Jadon Sancho Borussia Dortmund , Manuel Akanji Borussia Dortmund , Marco Reus Borussia Dortmund 14 09 2020, Fussball GER, DFB Pokal, 1 round, season 2020 2021, MSV Duisburg Borussia Dortmund 0 5 Photo TEAM2sportphoto Duisburg Nordrhein Westfalen Germany Team2

Viele meiner Teamkollegen sind, wie ich auch, tätowiert. Bild: www.imago-images.de

Fussballer schlafen viel

Das stimmt.

Wenn man ein Baby zuhause hat allerdings nicht :-)
Aber grundsätzlich ist Schlaf für Profisportler so grundlegend wichtig, dass man schon bewusst darauf achtet. Speziell vor Spielen schaue ich jeweils, dass ich zu viel Schlaf komme, um ausgeruht zu sein. Genügend zu schlafen ist auch wichtig zur Vorbeugung von Verletzungen.

Fussballer rennen dem Geld nach, statt ihrem Klub treu zu sein

Das stimmt teilweise.

Das ist sehr unterschiedlich von Typ zu Typ. Für mich persönlich gibt es allerdings deutlich wichtigere Dinge als Geld. Werde ich bei meinem Verein glücklich? Bekomme ich genügend Spielpraxis?

Ich könnte mir nicht vorstellen mit 25 Jahren nach China zu wechseln. Ich verurteile aber auch niemanden, der das macht. Die Frage kann eigentlich jeder für sich selbst beantworten: Stell dir mal vor, du bekommst für einen identischen Job mit den gleichen Rahmenbedingungen plötzlich 30% mehr Lohn. Dann überlegst du auch zwei Mal, ob du nicht wechselst. Oder ist deine Treue zu deinem Arbeitgeber so hoch?

Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm am wichtigsten ist. Das Geld, die Lebensqualität – vielleicht wohnst du lieber in einer wärmeren Gegend – oder auch die Nähe zu deiner Familie und Freunden.

Grundsätzlich denke ich aber schon, dass Fussballer ihrem Klub nicht unbedingt treu sind und das Geld schon ein grosse Rolle spielt. Es geht ja auch darum, die Familie zu versorgen. Nicht nur heute, sondern auch für die Zeit nach der Karriere.

Unser Captain Marco Reus ist nicht nur eine treue Seele, sondern auch eine Identifikationsfigur.

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bild: sven germann

Akanjis Revier

Von Wiesendangen auf die grosse Fussballbühne: Manuel Akanji hat sich als Bundesligaspieler und in der Schweizer Nati etabliert.

In seinem Blog auf watson erzählt der 25-Jährige aus dem Leben eines Profifussballers. Unverblümt, authentisch, anekdotenreich – mit einem spannenden Einblick auf und neben das Spielfeld.

Mehr von Manuel Akanji gibt's hier:
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