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Von Fassbrüdern und Schnapsschreinern – so schräg (und cool) ist die CH-Drinks-Szene

Bild: hometender.ch



Lange schien sich wenig bis gar nichts zu tun in der altehrwürdigen Welt der Schweizer Spirituosen. Ja, da waren traditionsbewährte Brennereien, die feinen Schnaps produzierten – doch Innovation suchte man vergebens. Heute blüht und gedeiht es im ganzen Land: Im Val de Travers brennt man (wieder ganz legal) vorzüglichen Absinthe, im Berner Matte-Quartier gibt's Bio-Gin, im Appenzellischen macht man Malt Whisky. Vermouth, Wodka, Cocktails – immer mehr wird gebrannt und gemixt und getüftelt. watson musste nur schon in der unmittelbaren Gegend herumschauen und stiess auf Innovation noch und nöcher.

Wir alle mögen Cocktails. Offenbar immer mehr, wenn man den gegenwärtig boomenden Markt beobachtet. Bloss, so fein ein Old Fashioned auch sein mag, nicht jeder mag zuhause den Zuckerwürfel mit Angostura betränken und mit einem Stössel vermantschen und dergleichen. Da kommt das Konzept der vorgemischten Cocktails doch sehr gelegen: Nur noch auf Eis servieren!

Das Marktpotential erkannt haben mittlerweile grosse Marken wie Campari, die einen Negroni aus der Flasche anbieten, aber auch kleinere Manufakturen wie Hometender aus der Schweiz. Diese kleine Manufaktur an der Zürcher Langstrasse bietet 9 klassische Cocktails an: Old Fashioned, Bobby Burns, Martinez und Konsorten. Fertig gemixt. In Flaschen. Die kleinen 2,5dl-Dinger sind nicht nur hübsch, sondern auch noch stapelbar.

Und dann gibt es die Barrel Aged Brothers – die sind dann Next Level Shit. Auch sie bieten vorgemixte Drinks an. Doch sie gehen noch einen Schritt weiter: Sie mixen ihre Cocktails nicht nur vor, sondern lagern sie in Holzfässern – was freilich Auswirkungen auf den Geschmack hat. Ihre im Fass gereiften Cocktails gewinnen an dunkleren, süsseren Geschmacksnoten, die man beim gängigen Mixvorgang nicht hinbekäme. «Darf ich dir einen fassgereiften Sazerac anbieten?», ist vielleicht ein Satz, den man sich noch vor Kurzem schlicht nicht hätte vorstellen können, ist aber zugleich eine geschmackliche Alternative, die Seinesgleichen sucht.

Die Barrel Aged Brothers sind übrigens keine Blutsverwandte sondern die Jugendfreunde Mathias Beeler, Marcel Fuchs und Rafael Ogg. Drei Tüftler aus Bonstetten-Wettswil, die irgendwann mal beschlossen, gängige Vorstellungen über Bord zu werfen und mit Eichenfässern und anderen Hölzern zu experimentieren. Man heuerte dazu eigens einen Küfner an und testete drauf los. Mittlerweile bieten sie sechs verschiedene Cocktails an – unter anderem einen Vesper (yeah). Geliefert wird auch gleich im Fass, wenn man will.

Und woher beziehen die Barrel Aged Brothers ihren Schnapps? Nun, unter anderem von dieser Möbelschreinerei:

Ja, eine Möbelschreinerei und -restauration ist das. Aber eine, die nebenbei auch Schnaps brennt. Als gelernter Landwirt interessierte sich Max Helbling weniger für Kuhhaltung und mehr für Forstwirtschaft. Und Gartenbau. Und danach Beerenproduktion, dann noch Hoch- und Tiefbau und schliesslich Möbelrestauration. Letzteres betreibt er bis heute unter den wachsamen Augen seiner Tochter, die inzwischen als Betriebsleiterin seine Chefin ist. Ach ja, das mit dem Destillieren:

«Ich habe noch Tausend andere Interessen. Irgendwelche an der Vielfalt der Destillation und die passenden Gelegenheiten machten mich zum ‹Brandstifter›. Eine Brennerei und die nötigen Brennrechte machten mir den Einstieg leicht. Anzunehmen ist, dass der Ausstieg einmal happiger sein wird.»

Das Holzwurmsanatorium in Benken SG ist eben auch eine amtliche Lohn- und Gewerbebrennerei, ausgestattet mit einer leistungsfähigen 150-Liter-Kolonnenbrennerei (direkter Abbrand der Maische in einem einzigen Brennvorgang, falls euch das was sagt).

Gebrannt wird im Auftrag für Kunden jeglicher Couleur: Eingetragene Winzer, Landwirte, Privatkunden, Hausfassadenwinzer, kurlige Zürcher, die Cocktails in Holzfässern lagern. Nein, eigener Schnapps wird hier nicht verkauft. Aber degustieren kann man vor Ort – in einem Beichtstuhl.

«In einem Beichtstuhl aus einem Frauenkloster (da die Menschen nicht mehr so sündhaft sind wie einst) degustieren wir mit den Ideenvermittelnden oder den Kollegen mit etwas spezieller, feiner Zunge. [...] Im Beichtstuhl separieren sich die guten und weniger Feinen Schnäpse durch die Degustanten und Käufer.»

Zurück zu Negroni, Manhattan und Co.: Dazu braucht's Vermouth. Und zwar einen guten. Auch das gibt's locally:

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Bild: watson/obi

Ja, das ist die Skyline von Zürich auf der Etikette. Die von 1899, nämlich, weil damals wurde erstmals der Jsotta-Vermouth lanciert. Zu der Zeit des Vermouth-Booms in den 50er- und 60er-Jahren war Jsotta gar die Nummer eins im Land. Irgendwann einmal war aber Schluss; Vermouth war aus der Mode gekommen. Umso erfreulicher, dass der Familienbetrieb Lateltin vor gut zwei Jahren beschloss, diesen Likörwein wieder herzustellen.

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Bild: obi/watson

Vermouth Svizzero – der einzige Likörwein weltweit mit rein Schweizer Zutaten: Schweizer Wein, Schweizer Kräutern. Es gibt ihn in den Varianten bianco, rosso und – neuerdings – rosé. Dazu kommen noch Cocktail-Rezepte aus einem wiederentdeckten Schweizer Cocktailbuch der 50er und – hey, retro war selten derart sexy.

Kommen wir noch zu Turicum Gin, die zwar erst seit knapp drei Jahren dabei sind, aber einen beachtlichen Erfolg schon hingelegt haben. Wenn ein Hersteller die Aufzählung der Botanicals mit «Lindenblüten vom Lindenhof» beginnt, hat er eigentlich schon gewonnen. Doch die vier Turicum-Jungs ruhen sich längst nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern experimentieren munter weiter. Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Turicum Wood Barreled Gin Zürich Schweiz drinks cocktail alkohol trinken wodka

Bild: obi/watson

Wood Barreled nennt sich das. Hier wird der London Dry Gin zwar nicht im Fass, sondern für mehrere Wochen mit einer Auswahl von Zedern-, Sandel- und Eichenholz eingeweicht und gelagert – eine Vorgehensweise, notabene, die in konservativeren Gin-Kreisen durchaus argwöhnisch beäugt wird. Doch Konventionen können uns alle easy gestohlen bleiben, wenn das hiesige bernsteinfarbene Resultat derart obsiegt: Würzige Aromen wie Kardamom, Muskat und Pfeffer, die – ja, klar – von einer holzigen Note begleitet werden. Leute, dies ist kein gewöhnlicher Gin (wie ich bei meinem ersten Martini damit feststellen musste), aber ein grosser. Dazu eignet er sich auch perfekt für Longdrinks – mit Ginger Ale, etwa, das kommt gut.

Liebe Schweizer Cocktail-Trinker, vielleicht leben wir in der bestmöglichen Ära. Guets Neus allerseits!

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Video: watson/Oliver Baroni, Emily Engkent

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