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Ein Mann geht am Dienstag, 9. Juni 2009, in Berlin an einem Geschaeft mit Werbeschildern mit der Aufschrift

Wegen Corona befürchtet der Kanton Zürich eine Konkursflut und schafft deshalb zehn Stellen für Firmenbestatter. Bild: AP

Das Trainingscamp der Firmenbestatter: Jetzt kommt die Konkurs-Schnellbleiche

Um eine Konkursflut abzufangen, bildet der Kanton Zürich momentan eine Spezialeinheit aus. Die Gruppe soll so schnell wie möglich abgebrannte Firmen bestatten, doch die Zeit arbeitet gegen den Projektleiter.



Der Kanton Zürich wappnet sich momentan mit einer Spezialeinheit, um eine coronabedingte Konkursflut abzufangen. Zehn Vollzeitstellen hat das Obergericht für das Projekt «Mobile Equipe+» geschaffen, befristet auf zwei Jahre.

«Wir drücken enorm viel Theorie und Praxis in eine kurze Zeitspanne.»

Marco Lucchinetti, Projektleiter «Mobile Equipe+»

Die Spezialeinheit setze sich aus studierten Juristinnen und Juristen zusammen sowie aus kaufmännisch Ausgebildeten aus den Bereichen Treuhand oder Inkasso, sagt Projektleiter Marco Lucchinetti. Sein neues Team hatte bisher wenig mit Konkursen zu tun. In einem Co-Working-Space in Opfikon pauken sie seit Anfang November Konkursrecht.

Marco Lucchinetti mit schwarzer Maske bei der Ausbildung der neuen Mitarbeitenden für die Mobile Equipe+. Die Fast-Food-Schule der Frimenbestatter.

Marco Lucchinetti (rechts) bei der Ausbildung zweier Mitarbeitenden für die «Mobile Equipe+». bild: zvg

«Wir drücken enorm viel Theorie und Praxis in eine kurze Zeitspanne», sagt Lucchinetti. Möglichst bald soll sein Team helfen, Firmen zu bestatten. Das Ziel sei aber nicht, sie zu vollwertigen Konkursbeamten auszubilden. Dieses Amt setzt im Kanton Zürich eine mehrjährige Ausbildung und das Notarpatent voraus.

Wappnen für Wirtschaftsdepression

Die Mobile Equipe ohne das Plus gibt es schon länger. Es unterstützt die Konkursämter im Kanton Zürich, wenn ihre Arbeitslast zu gross wird. Nach den dunklen Prognosen im Frühling entschied man, das Team aufzustocken.

Der Chef der Schweizer Nationalbank, Thomas Jordan, sprach im Mai vom grössten Wirtschaftseinbruch seit der Depression der 30er-Jahre. Diese würde folglich Firmenkonkurse mit sich bringen. «Zürich ist der grösste Wirtschaftsstandort der Schweiz, jedes sechste KMU hat seinen Sitz in diesem Kanton», sagt der Konkursbeamte Lucchinetti. Würde ein grosses Firmensterben beginnen, wären viele Ämter schnell überlastet.

Bisher blieb die grosse Konkursflut aus. Gemäss dem statistischen Amt des Kantons Zürich waren die monatlichen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt tiefer.

Firmenkonkurse im Kanton Zürich

Bild

Anzahl Konkurse von Firmen, die im Handelsregister eingetragen sind. In den Vorjahren waren sie im Durchschnitt höher. screenshot: Statistisches Amt Kanton Zürich

Konkurszunahme im Oktober

Ein anderes Bild zeichnet die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF). Diese kündigte Anfang November an, dass die Firmenkonkurse im Kanton Zürich den normalen Bereich im Oktober überschritten. In ihrer Medienmitteilung hiess es, dass es mehr Konkurse gab, als aufgrund der Zahlen früherer Jahre maximal zu erwarten gewesen wäre. Gleichzeitig ergab die Analyse, dass im Frühjahr und im Sommer 2020 deutlich weniger Firmenkonkurse angemeldet wurden als in früheren Krisen. Als Grund dafür wurden die Stützungsmassnahmen des Bundes vermutet, die mittlerweile ausgelaufen sind.

Bis die «Mobile Equipe+» eingesetzt werden kann, dauert es noch einige Monate. Projektleiter Lucchinetti geht davon aus, dass das erst im Februar oder März 2021 der Fall sein wird. Und die Zeit arbeitet gegen ihn. Falls in diesen Wochen eine Verschärfung kommt und Geschäfte wie Bars oder Restaurants schliessen müssen, umso mehr.

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