Schweiz
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epa07382697 Britain's Camilla, Duchess of Cornwall (C) attends the opening of a new facility of Medical Detection Dogs in Milton Keynes, Britain, 20 February 2019. The facility will train dogs as future assistance dogs and bio-detection dogs.  EPA/WILL OLIVER

In Grossbritannien unterstützt die Regierung die Ausbildung der Spürhunde. Bild: EPA/EPA

Warum wir künftig an Flughäfen und Bahnhöfen beschnüffelt werden könnten

In mehreren Ländern werden derzeit Hunde auf das Erkennen des Covid-19-Geruchs trainiert. Sie sollen künftig Infizierte an Flughäfen und Bahnhöfen oder beim Einlass zum Fussballmatch aussortieren. Doch Schweizer Fachleute sind zurückhaltend.

Niklaus Salzmann / ch media



Die Ergebnisse aus Frankreich versprechen viel: Acht Hunde wurden dort zu Covid-19-Schnüfflern ausgebildet, und ihre Erfolgsquote war spitzenmässig. Im Schnitt erkannten die Belgischen Schäferhunde die Achselschweissproben von Covid-19-Patienten zu über 90 Prozent. Vier der Hunde erreichten gar saubere hundert Prozent Trefferquote.

Gegenüber Labortests hat die Hundenase einen gewichtigen Vorteil: Sie liefert ihre Ergebnisse sofort. Mit den Hunden könnten vor einem Konzert oder einem Fussballmatch beim Einlass die Infizierten aussortiert werden, damit sie die Viren nicht weitergeben. Sie könnten auch die Ankömmlinge an einem Bahnhof oder Flughafen beschnuppern und sich neben diejenigen setzen, die verdächtig riechen. Diese würden dann zum Labortest überwiesen.

Mit Krebs und Malaria klappt es bereits

Das sind spannende Perspektiven, wenn es darum geht, eine zweite Welle zu verhindern. Nebst Frankreich wird auch in den USA und Finnland wird daran geforscht, die deutsche Bundeswehr hat ein Projekt gestartet und die britische Regierung unterstützt ein Pilotprojekt mit einer halben Million Pfund (rund 600'000 Franken).

Trainiert werden die sechs Hunde in Grossbritannien vom Verein «Medical Detection Dogs», der bereits mit dem Erschnüffeln anderer Krankheiten wie Krebs und Malaria Erfahrung hat. Für die Ausbildung wird ein Hund immer wieder an einer Reihe von Proben vorbeigeführt, zum Beispiel Gesichtsmasken. Einige davon stammen tatsächlich von an Covid-19 Erkrankten, die anderen von gesunden Menschen. Jedes Mal, wenn der Hund an einer positiven Probe geschnüffelt hat, erhält er ein Biscuit, nicht aber nach den negativen Proben. So lernt er den gefragten Geruch kennen. In einer späteren Phase soll er dann selbständig den gelernten Geruch anzeigen, zum Beispiel indem er sich bei den positiven Proben hinsetzt.

Eine zuverlässige Ausbildung dauert Monate

Gelingen kann dies nur, wenn Covid-19 einen spezifischen Geruch hat. Die Erfolgsmeldung aus Frankreich deutet in diese Richtung, und auch aus Finnland liegen bereits ermutigende Ergebnisse vor. Doch das sind erst Pilotstudien mit beschränkter Aussagekraft.

«Einen zuverlässigen Spürhund auszubilden, dauert mindestens ein halbes Jahr», sagt Rudolf Muggli, der als Geschäftsführer der Firma SK-9 in Luzern die Ausbildung von Sprengstoff- und Bettwanzen-Spürhunden leitet. Er sei bereits aus Spanien angefragt worden, ob er Hunde für das Erkennen von Covid-19 ausbilden könnte. Doch aus seiner Sicht spricht zu vieles dagegen. Es wäre schon schwierig, die für das Training nötigen Proben zu erhalten. Und vor allem würde er sich bei der Arbeit mit diesem ansteckenden Virus um die Gesundheit von Tier und Mensch sorgen. «Das Risiko wäre mir zu gross», sagt er.

Vermutlich ist es aber gar nicht das Virus selber, das einen für Hunde erkennbaren Geruch hat. Doch die Infektion wirkt sich auf den Stoffwechsel des Menschen aus und verändern dadurch die Ausscheidungen. Die Gruppe in Frankreich hat mit Achselschweiss gearbeitet, der kaum Viren erhält. Auch von den Urinproben, mit denen in Finnland Hunde trainiert wurden, geht wenig Gefahr aus. An der Universität Pennsylvania werden Schweissproben vor dem Training so behandelt, dass das Virus nicht mehr ansteckend ist. Und im Vereinigten Königreich wird mit sterilisierten Socken und Gesichtsmasken gearbeitet.

Ein Hund soll pro Stunde 250 Menschen testen

Doch die Infektionsgefahr ist nicht die einzige Schwierigkeit beim Besorgen von Proben. Die Biologinnen Jelena Mausbach und Denise Karp von Artenspürhunde Schweiz, die Hunde auf das Erkennen bestimmter Wildtierarten trainieren, sagen: «Man bräuchte eine Vielzahl von Proben von Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien, verschiedenen Alters, verschiedenen Geschlechts und von verschiedenen Tageszeiten.» Von der Arbeitsweise der Gruppe in Frankreich distanzieren sie sich ausdrücklich. «In einem Video in den sozialen Medien war zu sehen, wie die Hunde unter Druck gesetzt wurden», sagt Denise Karp. «Das ist nicht gut für den Hund und liefert auch keine nachhaltigen Resultate.» Für seriös halten die Biologinnen dagegen die Projekte in Deutschland und in Grossbritannien.

Bei letzterem wird erwartet, dass ein Hund mit abgeschlossener Ausbildung bis zu 250 Menschen pro Stunde testen kann. Für breite Screenings reicht dies nicht, an einem Flughafen könnten höchstens die Passagiere von ausgewählten Flügen untersucht werden. Doch möglicherweise nehmen sich die Hunde ohnehin bald selber ausser Dienst. Denn wenn es mit ihrer Hilfe gelingt, die spezifischen Komponenten des Covid-19-Geruchs zu identifizieren, soll der nächste Schritt folgen: Sensoren sollen lernen, Covid-19 an der Konzentration bestimmter Gase zu erkennen. Falls dies gelingt, könnten die Flughafenpassagiere in ein Röhrchen blasen, statt sich von einem Hund beschnüffeln zu lassen. (aargauerzeitung.ch)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hans Jürg 01.07.2020 11:34
    Highlight Highlight Eigentlich ist es ja eine der grössten Ehren, wenn man von Trump beleidigt wird. Denn das zeigt, dass er grossen Respekt, wenn nicht gar Angst vor dieser Person hat.

    Panik sollte man nur bekommen, wenn man von Trump gelobt wird und somit als Mitglied des Trump-Kosmos deklariert wird. So jemand ist ja verloren für sein ganzes Leben.
  • jopa 30.06.2020 14:40
    Highlight Highlight Solange sich die täglichen Zahlen unter 100 bewegen ist dies überhaupt kein Grund zur Panik. Bis jetzt ist nichts von einem exponentiellen Anstieg zu sehen, demnach kann auch der R Wert nicht viel über 1 sein.
  • Ricardo Santiago 30.06.2020 11:31
    Highlight Highlight Eine andere Methode wäre Gambia Riesenhamsterratten auf Covid-19 zu prägen.

    In Afrika wird das bereits erfolgreich für Tuberkulose angewendet, eine Ratte kann 150 Proben pro Stunde verarbeiten, während im Labor nur 20 Proben pro Tag untersucht werden können.
    Sie werden ebenfalls zum Sprengstoff suchen bei Landminen eingesetzt.

    Eine Ratte ist günstiger im Ankauf, Ausbildung und Unterhalt und da kleiner als ein Hund, kann sie vielseitiger und einfacher eingesetzt werden.
    Um "Wääh" Reaktionen zu vermeiden, kann sie auch versteckt in einem Käfig bleiben wo man z.B. das Handgelenk präsentiert.
  • what's on? 30.06.2020 10:16
    Highlight Highlight Covid-19 ist der Name der Pandemie. Seit wann hat die Pandemie einen Geruch? Sind wir in der Deppenecke gelandet? Das Virus heisst immer noch SARS-CoV-2
    • Ricardo Santiago 01.07.2020 15:36
      Highlight Highlight Danke für die Erläuterung!

      Obwohl wahrscheinlich 8'573'836 Schweizer das schon richtig Verstanden haben, auf der anderen Seite steht 1, nämlich Du.

      Und Du bist wohl auch einer der 3.57% die bei Mohrenkopf an einen schwarzen Afrikaner denken, die anderen 96.43% denken an was Süsses zum Essen.

      Das gesagt, schmeisse ich meine Maske in die Ecke und esse einen feinen Dubler Mohrenkopf und dann desinfizieren wie das Ganze mit einem eiskalten Wodka.
    • what's on? 01.07.2020 22:59
      Highlight Highlight Hi Ricardo Santiago
      Es geht mir bei meinem Votum eher um die journalistische Qualität. Dass die einen irgendwas schreiben und die anderen es irgendwie verstehen kann ja nicht zur Norm werden. Auch ich liebe Dubler Mohrenköpfe oder Richterich Negerküsse. Zweiteres liebe ich noch mehr, vor allem die Namensvariante des Süssgebäcks. Heute hab ich zum ersten Mal eine Einwegmaske gekauft, wegen geplantem Auslandaufenthalt. Ansonsten geht mir die Panik am Arsch vorbei. Wobei das Desinfizieren mit Hochprozentigen pflege ich auch - und nicht erst seit März 2020! Hochachtungsvoll - und so.
  • Ylene 30.06.2020 08:52
    Highlight Highlight Eventuell in absehbarer Zeit von einem süssen Hund 🐶 beschnüffelt zu werden, der sich dabei hoffentlich ja nicht ansteckt und das auch richtig erschnüffeln kann - momou, in 2020 gilt das für mich bereits als absolute Good News. Sch...jahr aber auch
  • Padcat 30.06.2020 08:10
    Highlight Highlight Ich lasse mich ehrlich gesagt lieber von einem Hund beschnüffeln als in ein Röhrchen zu pusten :sweat_smile:
  • Ökonometriker 30.06.2020 07:49
    Highlight Highlight Uhm... aber die denken schon daran, dass Hunde das Corona-Virus von Menschen kriegen können? Solche Fälle sind bereits mehrfach dokumentiert, inkl. DNS-Analyse.

    Kenne mich da nicht aus, aber könnte man keine technische Erkennung der Aerosole entwickeln?
    • Dario4Play 30.06.2020 07:57
      Highlight Highlight Was ich auch gerade gedacht habe.
      Ist es erwiesen dass Hunde es dann auch wieder an uns zurückgeben können?
      Wenn nein sind die spürhunde sowas von genial 😍
    • Saraina 30.06.2020 08:08
      Highlight Highlight Hast du den Beitrag gelesen? Weil dort nämlich die Antwort auf deine Fragen steht.
    • Padcat 30.06.2020 08:11
      Highlight Highlight Steht ja im Text, es wird mit Proben gearbeitet, die fast keine bis gar keien Viren enthalten:
      Die Gruppe in Frankreich hat mit Achselschweiss gearbeitet, der kaum Viren erhält. Auch von den Urinproben, mit denen in Finnland Hunde trainiert wurden, geht wenig Gefahr aus. An der Universität Pennsylvania werden Schweissproben vor dem Training so behandelt, dass das Virus nicht mehr ansteckend ist. Und im Vereinigten Königreich wird mit sterilisierten Socken und Gesichtsmasken gearbeitet.
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 30.06.2020 07:27
    Highlight Highlight Das sind ja recht interessante Aussichten! 👍

    Klar ist, dass es unser Leben massiv erleichtern würde, wenn man einen Corona-Infekt schnell und einfach entdecken könnte. Und das alles auch noch massentauglich. Das würde Reisen, Grossveranstaltungen und sonstige Menschenmassenbewegungen sicherer machen. Dazu wären (hoffentlich) auch Früherkennungen möglich.

    Aber eben: Zuerst muss ein zuverlässiger Weg entwickelt werden. Drücken wir die Daumen, dass es gelingt. 👍

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