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Schweiz
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Fortschritt bei den Masken, doch die Disziplin bröckelt: Kann die Schweiz lockern?

Am Montag öffnen in der Schweiz die ersten Geschäfte nach sechs Wochen Lockdown wieder. Damit die Fallzahlen trotz vermehrter Kontakte weiterhin niedrig bleiben, brauchen wir Antikörpertests, Schutzmasken, eine Tracing-App und Disziplin. Das ist der Stand der Dinge.



Den Hammer haben wir hinter uns, der Coronavirus-Lockdown soll nun schrittweise gelockert werden. Nun beginnt eine neue Phase im Kampf gegen das Coronavirus. Ziel ist es, schrittweise zurück zur Normalität zu finden, ohne dass wir eine zweite Infektionswelle starten und wieder von vorne beginnen müssen.

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Dabei helfen besonders diese vier Faktoren: Antikörpertests, Schutzmasken, Contact-Tracing und Disziplin der Bevölkerung. Warum wir diese brauchen und wo wir bei den jeweiligen Punkten stehen, zeigt diese Übersicht:

Antikörpertests

Warum brauchen wir sie? Mit flächendeckenden Antikörpertests kann festgestellt werden, wie der Durchseuchungsgrad in der Bevölkerung aussieht. Experten gehen davon aus, dass sich eine Herdenimmunität einstellt, wenn etwa 60 Prozent der Bevölkerung bereits eine Coronavirus-Ansteckung hinter sich hat.

Wo stehen wir hier? Die Schweiz hat bereits einige Antikörpertests importiert. Nun müssen diese aber auf ihre Validität untersucht werden. In einem weiteren Schritt versucht die «Swiss School of Public Health» (SSPH+) mit ihrer Initiative Corona Immunitas alle Forschungen zu diesen Antikörpertests zu koordinieren.

Roche-Chef Severin Schwan versprach diese Woche, bis Anfang Mai zuverlässige Antikörpertests auf den Markt zu bringen. Bis Juni sollen genügend hergestellt werden können, um massenhaft zu testen. Bisher steht die Validität dieser Tests aber weiter aus.

Was die Schweiz im Kampf gegen das Coronavirus braucht: Schutzmasken, Contact-Tracing, Antikörpertests

Bild: watson

Schutzmasken

Warum brauchen wir sie? Nicht alle Coronavirus-Infizierten leiden an Symptomen der Lungenkrankheit Covid-19. So bewegen sich Menschen in der Öffentlichkeit, die das Virus zwar im Körper tragen, dies jedoch nicht wissen. Wenn also alle Personen im öffentlichen Raum Schutzmasken tragen, wird eine unbewusste Übertragung des Virus erschwert.

Wie viele bräuchten wir? Einer ETH-Studie zufolge bräuchte die Schweiz während drei Monaten etwa 360 Millionen Schutzmasken, um sowohl das Gesundheitspersonal wie auch die Schweizer Bevölkerung zu versorgen. Diese Studie geht davon aus, dass jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, eine Schutzmaske trägt.

Wie viele haben wir? Im Moment können Schweizer Gesundheitsinstitutionen mit genügend Schutzmasken versorgt werden. Doch hier ist längerfristig Nachschub gefragt. Dafür sollen in der Schweiz FFP-Masken der Stufe 2 hergestellt werden. Am Mittwoch sind zwei Maschinen aus Shanghai in der Schweiz eingetroffen. Sie sollen 80'000 bis 100'000 solcher Masken herstellen können – täglich.

Doch für eine Eindämmung braucht nicht nur das Gesundheitspersonal solche Schutzmasken, auch die Bevölkerung kann sich gegenseitig damit schützen, zum Beispiel im ÖV oder beim Einkaufen. Auch hier produziert die Schweiz fleissig Masken.

Der Bundesrat hat aber während seiner Sitzung vom Mittwoch keine allgemeine Maskenpflicht beschlossen. So sollen sie zwar dort eingesetzt werden, wo der Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann, Schweizer dürfen aber weiterhin ohne Maske einkaufen gehen. Während den nächsten zwei Wochen liefert der Bund täglich eine Million Masken an die führenden Detailhändler, um die Versorgung sicherzustellen.

Coronavirus Schweiz: Wie viele Schutzmasken haben wir?

Bild: grafik: watson

Contact-Tracing

Warum brauchen wir das? Um eine zweite Infektionswelle zu verhindern, müssen neue Fälle erkannt und isoliert werden. Mit einem Contact-Tracing können alle Personen, die mit einem Neuinfizierten in Kontakt waren, ermittelt und isoliert werden.

Wann kommt es? Am Osterwochenende wurde bekannt, dass Apple und Google in einer noch nie dagewesenen Zusammenarbeit das automatisierte Contact-Tracing per Smartphone vorantreiben wollen. Schweizer IT-Experten und Wissenschaftler der ETH arbeiten seit Wochen mit Kollegen aus anderen Ländern an einer solchen Lösung.

Auch das BAG will mit Contact-Tracing arbeiten. «Gegenwärtig arbeiten wir zusammen mit der ETH Lausanne und der ETH Zürich daran, bis zum 11. Mai eine App fertigzustellen», sagte Pascal Strupler, Direktor des BAGs zur «NZZ». Trotzdem fehlt noch eine klare Weisung des Bundesamtes. Im Moment müssen die Kantone die Ansteckungsketten noch selbst zurückverfolgen.

Die App freiwillig runterladen müsste aber am Ende immer noch die Bürgerin selbst. Doch die Bereitschaft dazu ist da. Das zeigte ein Pandemie-Monitoring der SRG, das in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle sotomo realisiert wurde. Rund zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung gaben an, dass sie grundsätzlich bereit wären, eine solche App runterzuladen.

Was die Schweiz im Kampf gegen das Coronavirus braucht: Schutzmasken, Contact-Tracing, Antikörpertests

Bild: watson

Disziplin

Warum brauchen wir sie? Auch wenn die Fallzahlen zurückgehen und der Bund seine Massnahmen lockert, muss die Bevölkerung der Schweiz immer noch die Hygienevorschriften und Social-Distancing-Regeln einhalten. Tut sie das nicht, müssen die Massnahmen wieder verschärft werden.

Wie sieht es damit aus? Nach der Verkündung des Lockdowns am 16. März sind die Bewegungsdaten der Schweizer stark zurückgegangen. Dies zeigten Zahlen der ETH Zürich. Mittlerweile bröckelt jedoch diese Disziplin. Jede Woche bewegen sich die Schweizer im Schnitt wieder häufiger und weiter von ihrem Wohnort.

Bilder aus der ganzen Schweiz, in der grosse Gruppen von Menschen dicht an dicht an Gewässern sitzen und die Sonne geniessen, werden immer häufiger. Die Kantonspolizei «stellt eine gewisse Ermüdung beim konsequenten Einhalten der Regeln gegen das Coronavirus fest», wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Coronavirus Schweiz: Die Stay-at-Home-Disziplin bröckelt

Bild: grafik: watson

Hinweis der Redaktion

Dieser Artikel wurde in einer ersten Version am 9. April publiziert und am 15. April ein erstes Mal geupdatet. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wurde er auf den neusten Stand gebracht und erneut publiziert.

(ohe/leo/sda)

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