Schweiz
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Nicherwan aus Kurdistan arbeitet anlaesslich des Pilotprojekts Beschaeftigung Asylsuchende der Stadt Aarau, um die Akzeptanz der Asylsuchenden in der Bevoelkerung zu erhoehen, am Donnerstag, 12. Mai 2016, in Aarau. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Nicherwan aus Kurdistan arbeitet in einer Velowerkstatt anlässlich eines Pilotprojekts der Stadt Aarau, um die Akzeptanz der Asylsuchenden in der Bevölkerung zu erhöhen.  Bild: KEYSTONE

«Asyl-Algorithmus»: Ein Programm soll Flüchtlinge vor der Arbeitslosigkeit bewahren

Forscher der ETH-Zürich entwickelten einen Algorithmus, der die Arbeitslosigkeit bei Asylsuchenden drastisch senken soll. Neu sollen Flüchtlinge nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern anhand von Faktoren wie Alter, Herkunft und Sprache auf die Kantone verteilt werden.



Wer in der Schweiz einen Asylantrag stellt, wird vom Bund einem Kanton zugewiesen. Die Verteilung findet computergesteuert und nach Zufall statt. Das heisst, es kann gut sein, dass ein Asylsuchender, der fliessend Französisch spricht, in ein Asylheim in der Deutschschweiz kommt.

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Der Bund verteilt neuankommende Flüchtlinge bislang nach einem genau festgelegten Verteilschlüssel. Die Zuteilung findet elektronisch und nach Zufallsprinzip statt.  bild: watson

Grund für die zufällige Verteilung: Asylsuchende sollen möglichst gleichmässig auf die verschiedenen Kantone verteilt werden und es soll keine ethnische Gruppe überproportional häufig in einem Kanton vorkommen.

Kritisiert wird der aktuelle Verteilschlüssel von vielen Seiten. Denn er hat einen grossen Einfluss auf die berufliche und gesellschaftliche Integration der Asylsuchenden. Stefan Gribi, Pressesprecher von Caritas Schweiz, sagte gegenüber SRF: «Die Praxis nimmt viel zu wenig Rücksicht auf das, was die Leute an Hintergrund und Kompetenzen mitbringen.»

Eine Gruppe von Forschern an der ETH hat womöglich die Lösung für dieses Problem gefunden. Zusammen mit der amerikanischen Stanford-Universität haben sie einen Algorithmus entwickelt, der vor allem die Arbeitsintegration der Asylsuchenden revolutionieren soll. Das Ziel hinter dem Algorithmus ist es, alle Asylsuchenden genau dem Kanton zuzuteilen, in dem sie am schnellsten einen Job finden.

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Der von den ETH-Forschern entwickelte Algorithmus achtet bei der Zuteilung auf Faktoren wie Sprache, Alter und Herkunft der Asylsuchenden.  bild: watson

Mithilfe von Daten sämtlicher Flüchtlinge, die zwischen 1999 und 2012 in der Schweiz Asyl beantragten, analysierten die Forscher, wer wo die besten Erwerbschancen hatte. Dabei berücksichtigte das Programm zahlreiche Faktoren wie die Herkunft, das Alter oder die Sprachkenntnisse der Flüchtlinge.

«Die Methode besticht vor allem durch Kosteneffizienz. Denn sie wird bereits vor der Ankunft der Asylsuchenden angewandt. So erhalten sie die bestmögliche Grundlage, um sich in das Gastland zu integrieren», schreiben die Forscher im renommierten Wissenschaftsmagazin «Science». Mit der algorithmischen Verteilung soll die Erwerbstätigkeit bei Asylsuchenden um rund 73 Prozent ansteigen.

Blick in den Schulrungsraum, in der Zivilschutzanlage Weier, am Dienstag, 14. Oktober 2014, in Alt St. Johann. Die Zivilschutzanlage wird befristet bis 31. Januar 2015 als Notunterkunft fuer bis zu 80 Asylsuchende genutzt. Derzeit leben 22 Personen in der Unterkunft. Wie der Kanton St. Gallen mitteilt, seien die kantonalen Zentren fuer Asylsuchende voellig ausgelastet. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Besonders die Sprache ist für viele Flüchtlinge eine grosse Hürde.  Bild: KEYSTONE

Michael Flückiger, Kommunikationsleiter der Flüchtlingshilfe Schweiz, begrüsst die Erkenntnisse der ETH. «Meist wird bei diesem Thema mit sehr viel Polemik diskutiert. Diese Studie schafft Fakten und fordert zum Handeln auf, um die Integration von Flüchtlingen besser an die Hand zu nehmen. Die Resultate zeigen, dass es sehr viel bringt, wenn man sich möglichst früh mit den Flüchtlingen und deren Hintergründe auseinandersetzt.»

Einen Haken hat der Asyl-Algorithmus jedoch. Durch den neuen Verteilschlüssel besteht die Gefahr einer Ghettoisierung. So könnten beispielsweise alle Westafrikaner in die Romandie eingeteilt werden, weil sie bereits Französisch sprechen. Doch auch hierfür haben die Forscher eine Lösung. Der Algorithmus kann auch modifiziert werden und Kantone können eigene Parameter oder Prioritäten anwenden. So soll verhindert werden, dass nicht alle Asylsuchenden mit gleicher Herkunft in den gleichen Kanton kommen.

Ob der Asyl-Algorithmus in der Praxis tatsächlich bald angewendet wird, wird sich zeigen. Das Staatssekretariat für Migration SEM will die Idee prüfen. «Wir werden die Vorschläge der ETH für eine optimierte Integration mit Interesse prüfen und stehen mit den Verantwortlichen in Kontakt», sagte das SEM gegenüber SRF.

Sommaruga auf der griechischen Flüchtlingsinsel Lesbos

Video: srf

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