Schweiz
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Globetrotter Schweizer Reiseunternehmen

Weniger Hierarchie, dafür eine soziokratische Organisationsform: Beim Schweizer Reisebüro Globetrotter wird Mitarbeitern per Wahl eine Stelle angeboten – oder gekündigt. Bild: keystone-sda

Bei Globetrotter bestimmen Angestellte, wer gefeuert wird

Wie in der gesamten Tourismusbranche ist auch beim Schweizer Reiseunternehmen Globetrotter der Stellenabbau in der Coronakrise unausweichlich. Doch nicht der Chef schreibt die Kündigungen, sondern die Mitarbeitenden wählen.



In der Coronakrise ist die Tourismusbranche besonders stark von den Massnahmen betroffen: Die Stornierungen überwiegen die Buchungen bei Weitem. Auch das Reiseunternehmen Globetrotter – die Nummer vier der Schweiz – muss sparen. Doch so verbreitet der Stellenabbau, so unüblich die Methode. Nicht der Chef sagt, wer gehen muss, sondern die Wahl liegt beim Team.

Globetrotter hat Ende Juni mitgeteilt, vier von 21 Filialen schliessen zu müssen. Trotzdem soll der Stellenabbau würdevoll geschehen: «Es ist unser festes Ziel, unser Schiff durch den schwersten Sturm zu bringen, einen Grossteil der Crew an Bord zu halten und die anderen würdevoll an Land zu bringen», teilt Gehrig mit.

Moderierte Wahlen statt Kündigungen

Mit dem Begriff «würdevoll» bezeichnet der Chef die neu eingeführte Soziokratie in der Firma. Möchte eine Mitarbeiterin bleiben, kann sie ihren Namen in eine «Nominationsliste» für eine der ausgeschriebenen Stellen eintragen. Anstelle eines klassischen Bewerbungsgespräch gibt es moderierte Wahlgänge, bei denen alle Kandidaten ihre Fähigkeiten bewerben – in Anwesenheit der anderen Mitarbeitenden und der Filialleitung.

Im Anschluss geben alle ihre Stimmen für oder gegen den Kandidaten ab, Einwände können erhoben werden.

Manche kündigen freiwillig

Nicht alle können sich für die soziokratischen Bewerbungs-Wahlen erwärmen. Viele Mitarbeitende seien von der Idee befremdet, gegen ihre Arbeitskollegen stimmen oder antreten zu müssen. In einigen Filialen habe es deshalb so viele freiwillige Kündigungen gegeben, dass alle, die bleiben wollten, ihre Stelle behalten konnten, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Globetrotter verzeichnet im letzten Halbjahr einen Umsatzeinbruch von 80 bis 90 Prozent. Und auch im kommenden Jahr dürfte noch kein Normalbetrieb wie vor der Pandemie möglich sein. Diese Zahlen stehen stellvertretend für die gesamte Branche.

Nebst Globetrotter haben auch andere Schweizer Tourismusunternehmen Abbaupläne bekanntgebenen. So will beispielsweise TUI acht Filialen in der Schweiz schliessen, was 70 Arbeitsplätze kosten wird. Zuvor hatte Hotelplan bereits Ende Juni den Abbau von 170 Stellen in der Schweiz und die Reorganisation des Westschweiz-Geschäftes angekündigt. Auch Knecht Reisen straffen wegen der Corona-Krise ihr Filialnetz und bauen Stellen ab. (adi)

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