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Der Preasident des Verwaltungsrates des Fleischhaendlers Carna Grischa, Ettore Weilenmann aeussert sich an einer Medienkonferenz am Mittwoch, 26. November, 2014, in Landquart zur Anzeige wegen Falschdeklaration. Der ''SonntagBlick'' hatte am 23. November publik gemacht, der Buendner Fleischhaendler Carna Grischa habe Fleischprodukte nicht richtig deklariert. Pferde- sei als Rindfleisch verkauft worden, ungarisches Poulet als schweizerisches oder Gefrier- als Frischfleisch. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspräsident von Carna Grischa beantwortet in Landquart die Fragen der Medien. Bild: KEYSTONE

Firma nimmt Stellung

Fleisch-Skandal bei Carna Grischa: Zwei Mitarbeiter freigestellt



Der Bündner Fleischhändler Carna Grischa garantiert ab sofort, dass «Kunden das Fleisch erhalten, das sie auch bestellt haben». Gewährleisten sollen das mehrere Massnahmen, die der fünftgrösste Fleischlieferant der Schweiz ergriffen hat. 

Er macht zwei Mitarbeiter für die Falschdeklarationen von Fleisch verantwortlich. Ein systematischer Missbrauch habe nach aktuellem Wissenstand nicht vorgelegen. Es handle sich um bedauerliche Einzelfälle. 

Bei den meisten Massnahmen handelt es sich um externe Qualitätssicherung, wie Carna Grischa am Mittwoch mitteilte. So wurde ein Lebensmittel-Labor damit beauftragt, bei zufälligen Stichproben zu prüfen, ob Inhalt und Deklaration identisch sind. Und ein externer Qualitätsprüfer soll sicherstellen, dass Bestellung und Lieferung übereinstimmen. 

Zudem werden externe Berater engagiert, um die Prozesse im Unternehmen zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für weitere Massnahmen sein. 

Schliesslich führt das Unternehmen eine Plattform ein, auf der die Mitarbeiter anonym Beschwerden und Kritik äussern können. Laut Carna Grischa war es ein entlassener Mitarbeiter, der den Fleischskandal «über die Medien» publik machte. 

«Wir hätten es vorgezogen, wenn er sich mit seiner Kritik beim Geschäftsführer oder beim Verwaltungsrat gemeldet hätte«, wird Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann in der Mitteilung zitiert. 

Völlig unakzeptable Vorkommnisse

Die reihenweisen Falschdeklarationen von Fleischlieferungen - Pferdefleisch als Rindfleisch, ungarisches Poulet als schweizerisches, Gefrierfleisch als Frischfleisch - bezeichnet Weilenmann als unakzeptabel. Sie stünden im vollständigem Widerspruch zu den geltenden Qualitäts- und Verhaltensrichtlinien des Unternehmens. 

Carna Grischa habe 2013 unter einer neuen Geschäftsführung neue Qualitätstandards eingeführt. Zu «Unregelmässigkeiten» sei es aber auch danach gekommen. 

Der Bündner Bauernverband zeigte sich derweil »entsetzt« über die Falschdeklarationen. Die Bündner Landwirtschaft sei in den Skandal «in keiner Art und Weise involviert», teilte der Verband mit. Der Imageschaden sei dennoch für die gesamte Fleischbranche und für die Landwirtschaft gross. 

Der Bauernverband fordert nun bessere Kontrollen und harte Sanktionen bei Verstössen. Der Skandal bei Carna Grischa habe gezeigt, dass in der Fleischbranche in der Verarbeitung und im Handel Schlupflöcher bestünden. (sda) 

Lesen Sie hier den Live-ticker zur PK vom Nachmittag:

Liveticker: Medienkonferenz Carna Grischa

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SGS soll Qualitätssicherung übernehmen
Ettore Weilenmann führt aus, dass das externe Lebensmittel-Labor, das künftig die Etikettierungen kontrollieren soll, eng mit dem kantonalen Lebensmittelinspektorat zusammenarbeitet. Für die externe Qualitätssicherung der Abläufe wolle er die Zürcher Firma SGS beauftragen. Weilenmann sagt weiter, dass auch der Geschäftsführer beteuere, nichts von den Fehlleistungen gewusst zu haben.
Hat Konkurrenz Insider eingeschleust?
Weilenmann gibt der Theorie aufschub, dass ein Konkurrenzbetrieb den Whistleblower des «SonntagsBlicks» bei Carna Grischa eingeschleust habe. Dieser hat nur 4 Monate bei Carna Grischa gearbeitet und ist danach laut Weilenmann wegen «mangelnder Leistungsfähigkeit» entlassen worden. Weilenmann sagt wörtlich: «Die jetzige Zeit, die Vorweihnachtszeit, ist unsere Hauptsaison und zufälligerweise werden wir genau jetzt mit diesen Vorwürfen konfrontiert.»
«Dann werden wir nicht lange durchhalten können...»
«Wenn wir 20 bis 30 Prozent Umsatzrückgang haben und uns die Lieferanten abspringen, dann können wir nicht sehr lange durchhalten, ohne dass wir Mitarbeiter entlassen müssen», sagt Weilenmann. Insbesondere sei problematisch, wenn die Lieferkette unterbrochen sei und Lieferanten kein Fleisch mehr liefern. Deshalb sei es wichtig, den öffentlichen Druck wegzunehmen, damit diese kein Imagproblem von Carna Grischa erben. «Ansonsten ist es eine Frage von Tagen, bis wir den Betrieb einstellen müssen», sagt Weilenmann.
Streit mit SonntagsBlick-Journalist
Die Dokumentenfälschung des Whistleblowers sei aufgeflogen, weil davon ein Screenshot im «SonntagsBlick» abgebildet gewesen sei. Inwiefern das Dokument sich selbst als Fälschung entlarve, darauf will Weilenmann keine Auskunft geben auch nicht dazu, wieviele Manipulationen bei Fleischetikettierungen dem einen Whistleblower vorgeworfen werden. Weilenmann giftet nun den «SonntagsBlick»-Journalisten an, der die Geschichte aufgedeckt hatte. Der «SonntagsBlick» habe sich auf eine fragwürdige Quelle abgestützt.
Zwei Verkäufer übriggeblieben von früher
Weilenmann sagt, er habe sich gefragt, warum die zwei Mitarbeiter, die entlassen worden sind, das Fleisch falsch deklariert haben. «Die beiden haben keinen Bonus gehabt, oder sonstigen Druck mehr zu verkaufen oder mehr Gewinn zu erwirtschaften», sagt Weilenmann. Die beiden seien Verkäufer gewesen, die aus der Zeit von vor dem Führungswechsel übernommen worden seien. Der Grund für die Fehl-Etikettierungen sei in der Vergangenheit zu suchen, allenfalls mit der Firmenkultur, die früher bei Carna Grischa geherrscht habe.
«Das Pouletgeschäft macht bei uns zwei Prozent aus und die meisten Falschbelege betreffen das Pouletgeschäft», sagt Weilenmann. Deswegen gehe er insgesamt von Fehlleistungen im Promillebereich des gesamten Geschäftes aus.
20 bis 30 Prozent Umsatzeinbruch
In einer solchen Situation sei es eigentlich unvermeidlich, dass die Grosskunden mit einem sofortigen Abbruch der Geschäftsbeziehungen reagieren. «Wir rechnen deswegen mit einem Umsatzeinbruch von 20 bis 30 Prozent», sagt Weilenmann. Die Kunden hätten ihm aber auch zu verstehen gegeben, dass sie wieder bei Carna Grischa bestellen würden, sobald die Hausaufgaben gemacht seien. Denn es sei vielen Leuten ein Anliegen, dass der mittelgrosse Betrieb Carna Grischa erhalten bliebe.
«Schwierige Recherchen»
Weilenmann wird gefragt, warum er davon ausgehe, dass die Falschdeklarierungen nur im Promille-Bereich der gesamten Bestellmenge liegen. Er schildert, das Vorgehen, dass man hunderttausende von Belegen in einem veralteten IT-System habe suchen müssen, was sehr mühsam gewesen sei. «Es sind dabei für die Zeit vor 2013 Dutzende von Belegen für Falschdeklarationen ans Licht gekommen, aber es waren nicht tausende», sagt Weilenmann.
Massnahmen gegen die frühere Führung von Carna Grischa?
Auf die Frage, ob Carna Grischa gegen die frühere Führung aktiv wird, sagt Weilenmann, dass diese im Rahmen der Untersuchung der Staatsanwaltschaft Graubünden für allfällige strafbare Handlung zur Rechenschaft gezogen werden müssten.
Ruhige Weihnachten für Mitarbeiter
Die rund 60 Mitarbeiter von Carna Grischa sollen sich keine Sorgen machen müssen, über die Zukunft des Unternehmens. Er vertraue diesen zu hundert Prozent, sagt Weilenmann. Er werde alles daran setzen, dass diese «loyalen Mitarbeiter» ruhige Weihnachten feiern können.
Erneute Entschuldigung
Weilenmann entschuldigt sich erneut bei allen Kunden und sagt, dass er die Untersuchung der Staatsanwaltschaft begrüsse und Carna Grischa aktiv mitarbeiten werde. Weiter dankt Weilenmann den Mitarbeitern, «dass sie in dieser schwierigen Zeit zum Unternehmen halten».
Lebensmittel-Labor mit Qualitätsprüfungen beauftragt
Laut Weilenmann sind per sofort externe Stellen für die Qualitätsprüfung verantwortlich. Ein externes Lebensmittel-Labor soll die Qualität der Lebensmittel und die richtige Etikettierung künftig sicherstellen. Zusätzlich wird ein externer Qualitätsmanager eingestellt und eine Plattform eingerichtet, über die Mitarbeiter Kritik anonym anbringen können, damit sie nicht mehr über die Medien gehen müssen.
Mitarbeiter hat sich wegen Kündigung gerächt
Weiter führt Weilenmann aus, dass ein Mitarbeiter per Ende Oktober wegen mangelnder Leistungsfähigkeit entlassen worden sei. Dieser sei mit den fraglichen Unterlagen an die Medien gelangt. Er habe mindestens eines der Dokumente jedoch manipuliert. «Dafür haben wir einen Beweis», sagt Weilenmann. Er hätte es lieber gesehen, wenn der frustrierte Mitarbeiter sich direkt an den Verwaltungsrat oder den CEO gewandt hätte.
Die Aufarbeitung braucht Zeit
Weilenmann erklärt, dass die Fälle bis Mai 2013 dem alten Management um den alten Besitzer zuzuordnen sind. Die Massnahmen aus der internen Untersuchung haben sich deshalb auf zwei Mitarbeiter konzentriert, die für Manipulationen verantwortlich gewesen seien. Die beiden sind laut Weilenmann letzte Woche sofort freigestellt und entlassen worden.
«Komplett überrascht worden»
«Ich bin tief betroffen und erschüttert von den Vorfällen, von denen ich keine Kenntnisse hatte», sagt Weilenmann. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass die meisten Fälle vor 2013 passiert seien. Leider seien aber auch mit dem neuen Qualitätsmanagments-Regime unter dem neuen CEO einzelne Fälle vorgekommen.
«Unsere Sicht der Dinge»
VR-Präsident Weilenmann bedauert die Vorfälle, die in der Presse dargestellt worden sind und möchte sich bei den Kunden für die Vorfälle entschuldigen. Die Vorfälle seien unakzeptabel und stünden im Widerspruch zu den geltenden Qualitätsrichtlinien von «Carna Grischa».
Ettore Weilenmann begrüsst die Medienschaffenden
Jürg Wildberger als Krisenkommunikator geholt
An der Seite von Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann wird der PR-Berater Jürg Wildberger von Hirzel.Nef.Schmid.Konsulenten die Medienkonferenz begleiten. Der ehemalige Chefredaktor von «Facts» und «Weltwoche» ist einer der teuersten PR-Berater der Schweiz. Er begleitete schon den Abstimmungskampf um den Gripen für Saab in der Schweiz.
Portrait von Juerg Wildberger, Chefredaktor der Weltwoche, aufgenommen am 13. Dezember 2005 auf der Redaktion der Weltwoche in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally) === ,  ===
14:55
Die Medienkonferenz von Carna Grischa beginnt in wenigen Minuten
watson berichtet live von den Ausführungen des Carna Grischa-CEO Ettore Weilenmann.
Der Fleischpansch-Skandal um Carna Grischa
Wie der «SonntagsBlick» in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, hat der Bündner Fleisch-Grosshändler Carna Grischa, im Schweizer Markt die Nummer 4, während Jahren vorsätzlich falsch deklariertes Fleisch ausgeliefert.

Wie den Medien zugespielte Unterlagen zeigen, sind die Metzger schriftlich angewiesen worden, ausländisches Fleisch zu Schweizer Fleisch umzuetikettieren. Zudem lieferte Carna Grischa gefrorenes und aufgetautes Fleisch als frisches Fleisch aus und deklarierte günstige Fleischsorten wie Schweins- oder Pferdefleisch als Rindfleisch.

Von den Falschlieferungen betroffen sind Grossabnehmer wie die Kantinen-Betreiberin ZFV oder Grossverteiler wie die Migros. Die Krisenkommunikation der Carna Grischa-Führung seit Sonntag war unglücklich. So behauptete Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann zunächst, die betrügerischen Praktiken seien Einzelfälle, die bereits Jahre zurücklägen. Das ist nicht der Fall, wie der «Blick» heute berichtet, lieferte Carna Grischa noch bis im Oktober falsch deklariertes Fleisch aus.
Vernichtende Schlagzeilen
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