Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Hptm Fanny Chollet, Berufsmilitaerpilotin, spricht waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates zur Beschaffung neuer Kampfflugzeuge, am Freitag, 26. Juni 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kampfpilotin Fanny Chollet könnte der Politik das eine oder andere in Sachen Fehlerkultur beibringen. Bild: keystone

Offen gesagt

«Liebe Frau Chollet, übernehmen Sie das Pandemie-Management ...»

Die Behörden-Kakophonie im Umgang mit Corona ist unerträglich. Politikerinnen und Politiker haben eine grottenschlechte Fehlerkultur. Sie sollten sich ein Vorbild nehmen an der Luftfahrt.



Liebe Frau Chollet

Sie sind mir kürzlich wieder über den Bildschirm geflattert. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, bewerben Sie in der Öffentlichkeit das umstrittene Kampfjet-Beschaffungsgeschäft? Sie machen das vermutlich nicht ganz uneigennützig, als Kampfpilotin sind Sie ja Ihren Job los, wenn wir keine Flieger mehr haben.

Wir haben aber derzeit ein dringenderes Problem, wo Leute wie Sie ihre Person und ihren beruflichen Background mit grösserem Nutzen für die Allgemeinheit einsetzen könnten: Ich meine natürlich das Pandemie-Management des Bundes und der Kantone.

«Was soll ich da beitragen?», werden Sie sich fragen? Nun, Sie könnten eine Fehlerkultur vorleben, die darauf ausgerichtet ist, schwierige und potentiell lebensbedrohliche Situationen eher zu verhindern, statt sie zu repetieren.

In der Luftfahrt ist man es sich gewohnt, bei Fehlern und Unfällen die Fehlerquellen zu finden, deren Ursachen zu analysieren und die Schlussfolgerungen daraus samt Untersuchung öffentlich zu machen. Damit die ganze Branche daraus lernen kann und sich Fehler nicht wiederholen.

Das bedingt, dass dieser Prozess nicht primär zum Ziel hat, einen Schuldigen verantwortlich zu machen, sondern die Fehlerquelle zu eliminieren.

>> Coronavirus: Alle aktuellen Meldungen im Liveticker

Wie Sie jetzt gesehen haben, funktioniert das in der Politik und der Verwaltung anders. Weil Politikerinnen und Politiker wiedergewählt werden müssen, ist fast nichts so schlimm, wie Fehler zuzugeben und dann schlechte Presse zu kriegen.

Und so macht jetzt die Zürcher Gesundheitsdirektorin den Bundesrat dafür verantwortlich, dass sich in einem Club ein Infektionsherd gebildet hat und tadelt den eigenen Regierungsrat, weil er gegen die Maskenpflicht war. Der Gesundheitsminister macht die Kantonsregierungen verantwortlich, dass sie die Empfehlungen des Bundes nicht durchsetzen. Die Kantonsregierungen kommen mit den steigenden Fallzahlen nicht klar und statt sich mit dem Bundesrat zu koordinieren, bleiben sie beleidigt der entscheidenden Sitzung fern, weil die Einladung zu spät gekommen sei.

Sie sehen, es ist eine einzige grosse Polit-Shitshow.

In der geht es nicht darum, Transparenz und eine Verbesserung der Situation herbeizuführen, um künftige Tote zu verhindern. Es geht nur darum, die Verantwortung für die Fehler, die zur derzeitigen Situation geführt haben, auf jemand anderen zu schieben. Und am Schluss dieser Kakophonie der rückwärtsgewandten Propheten droht der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz den Leuten mit der Polizei.

Nun wissen wir, das wirksamste Mittel im Kampf gegen die Coronapandemie ist die Solidarität in der Bevölkerung. Wenn wir alle ein wenig aufeinander aufpassen, wird es sofort auch für alle viel sicherer.

Aber werden die einzelnen Bevölkerungsgruppen zurückstecken, eine Maske tragen, aufeinander Rücksicht nehmen, wenn schon diejenigen Leute, die sie für die Krisenbewältigung gewählt haben, sich gegenseitig aufs Dach geben und alle anderen verantwortlich statt einen besseren Plan machen?

Ich fürchte nicht. Eher im Gegenteil.

Deshalb rege ich an, Sie rufen mal Alain Berset an und fragen, ob Sie behilflich sein könnten.

Mit freundlichen Grüssen

Maurice Thiriet

Sars-Cov-2, Covid-19, Coronavirus – die wichtigsten Begriffe
Coronaviren sind eine Virusfamilie, die bei verschiedenen Wirbeltieren wie Säugetieren, Vögeln und Fischen sehr unterschiedliche Erkrankungen verursachen.

Sars-Cov-2 ist ein neues Coronavirus, das im Januar 2020 in der chinesischen Stadt Wuhan identifiziert wurde. Zu Beginn trug es auch die Namen 2019-nCoV, neuartiges Coronavirus 2019 sowie Wuhan-Coronavirus.

Covid-19 ist die Atemwegserkrankung, die durch eine Infektion mit Sars-Cov-2 verursacht werden kann. Die Zahl 19 bezieht sich auf den Dezember 2019, in dem die Krankheit erstmals diagnostiziert wurde.

Die wichtigsten Fakten zum Coronavirus: Symptome, Übertragung, Schutz.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Covid-19: «Contact Tracing» einfach erklärt

Coronavirus: So trägst du die Schutzmaske richtig

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, legen Sie morgen ein Wort für die Buben ein ... »

Kinder- und Jugendpsychiater konstatieren eine Zunahme von Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Besonders Jungen leiden unter den Corona-Einschränkungen. Da diese noch lange andauern werden, braucht es Lockerungen für die Jungen.

Liebe Frau Amherd

Morgen ist ja wieder Bundesrats-Sitzung und die generelle epidemiologische Lage ist unbefriedigender denn je. Sie werden also zusammen mit Ihren Kolleginnen und Kollegen weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens verkünden müssen.

Sie werden auch wieder ein voraussichtliches Enddatum der neuen Verordnung angeben. Aber wir beide wissen, dass weder der 22. Januar noch der 23. Februar noch der 24. März der Tag ist, an dem wir grosse Lockerungsschritte machen.

>> …

Artikel lesen
Link zum Artikel