Schweiz
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Thomas Gottstein, the new CEO of the Swiss bank Credit Suisse, speaks to the media after the press conference of the full-year results of 2019 in Zurich, Switzerland, Thursday, Feburary 13, 2020. (KEYSTONE/Ennio Leanza).

Thomas Gottstein, neuer CEO der Credit Suisse Group, mischte bei der Gestaltung des Rettungspakets des Bundes mit. Bild: KEYSTONE

Offen gesagt

«Lieber Herr Gottstein, jetzt ist Payback-Time... »

Der neue CEO der Grossbank Credit Suisse ist eine der zentralen Figuren hinter dem Finanzhilfs-Paket des Bundes. Er kann zum Helden werden, wenn er für die Abwicklung der Darlehenszahlungen nicht zu viel Zinsen verlangt.



Lieber Herr Gottstein

Sie sind weitherum eher als der hemdsärmlige Manager-Typ bekannt. Hier mal einen Riesenmerger improvisiert an Land bluffen, da mal kräftig auf den Tisch hauen, dort mal eine Beförderung ablehnen, weil Geld auch nicht alles ist im Leben.

Die Bühne Ihres jüngsten denkwürdigen Auftrittes war das Zürcher Restaurant Kronenhalle. Dort sollen Sie dem PR-Berater Ihres Intimfeindes Iqbal Khan dermassen lautstark und in einer Wortwahl die Meinung gegeigt haben, dass man das Spektakel lieber live erlebt, als davon in der Zeitung gelesen hätte.

Trotz – oder vielleicht gerade deswegen – sind Sie nun zum Nachfolger von Tidjane Thiam als CEO der Credit-Suisse auserkoren worden.

Und jetzt das: Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit haben Sie die Chance, aus einer der monumentalsten Krisen, die dieses Land je gesehen hat, als strahlender Held hervorzugehen.

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Was haben wir uns jahrelang über das Gebaren und die Kompensationen der Grossbankenbosse aufgeregt! Aktien für 70 Millionen hier, 15 Millionen Cash für sinkende Aktienkurse da und zum Dank Steuererlasse und Rettungskredite vom Steuerzahler, nachdem die Subprime-Wetten an der Börse schiefgegangen waren.

Nun müssen die Schweizer Banken in der Corona-Krise der Wirtschaft im Land helfen. Kredite von einer halben bis 20 Millionen soll es für Firmen mit Liquiditätsproblemen unkompliziert und innert einer halben Stunde an Ihren Bank-Schaltern geben. Die Banken bürgen für 15 Prozent der Kreditsumme, für den Rest bürgt der Bund.

Das war Ihre Idee, die Bankiervereinigung und Ueli Maurers Finanzdepartement haben sie tel quel übernommen. Natürlich ist sofort die Frage aufgetaucht, wie hoch denn die Zinsen für diese Darlehen seien. «Bescheiden» fielen diese aus, meinte Maurer, aber die Abwicklung koste etwas, die Banken seien «auch nicht Pestalozzi».

Natürlich nicht. Natürlich greifen Sie dem Bund und der Wirtschaft nicht nur aus reiner Nächstenliebe unter die Arme. Natürlich wissen Sie, dass die Banken auf Verlusten sitzenbleiben, wenn ihre Kundschaft massenweise pleite geht. Und natürlich haben Sie auch berechnet, wie hoch Ihr Mehraufwand ist, der anfällt. Die Frau- und Mannstunden, die das kostet. Wie viel Geld bei den Banken und Ihrer Credit Suisse hängen bleiben muss, damit die Risiken der 15-Prozent-Bürgschaften tragbar sind.

Ich kenne mich im Banken- und Buchhaltungswesen nicht sehr gut aus. Aber ich kann ein bisschen Managersprech und ich weiss, dass «kostenneutral» und «Goodwill» da beliebte Begriffe sind. Kostenneutral heisst, dass etwas nicht mehr oder weniger kosten darf, als man damit verdient. Und unter Goodwill verbucht man das Image beziehungsweise das öffentliche Wohlwollen eines Unternehmens.

Ich hoffe, Sie haben versucht, alles kostenneutral durchzuziehen. So, dass Sie aus der Corona-Not der Unternehmen und der Schweiz kein Geschäft machen. Ich hoffe auch, Sie haben nicht vergessen, den Goodwill zu berechnen, der Ihnen und Ihrer Branche daraus erwachsen würde, wenn Sie dem Land in dieser schweren Zeit etwas zurückgäben.

Denn ich hoffe auch, dass Sie, wenn das alles vorbei ist, wieder in der Kronenhalle essen gehen können und dann nicht Sie der sind, der zusammengestaucht wird.

Liebe Grüsse

Maurice Thiriet

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