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Gastrosuisse Präsident Casimir Platzer. bild: chmedia/ Martin Toengi

Restaurant-Lockdown: Berset-Departement lädt Gastro-Präsident zu Gesprächen ein

Der Bundesrat hat bis jetzt keinen Fahrplan für die Wiedereröffnung von Restaurants und Bars präsentiert. Der Branchenverband zeigte sich verärgert.

Lorenz Honegger / ch media



«Im Grunde genommen ist es schlicht eine Frechheit.» Casimir Platzer, Präsident des Branchenverbandes der Hotellerie und Gastronomie, gab sich nach der Pressekonferenz des Bundesrates vom Donnerstag keine Mühe, seinen Ärger über die Landesregierung in schöne Worte zu verpacken. Diese hatte angekündigt, die Massnahmen zum Schutz vor dem neuen Coronavirus schrittweise lockern zu wollen, gab aber keine Anhaltspunkte dafür, ab welchem Zeitpunkt die Schweizer Gastrobetriebe voraussichtlich ihre Türen wieder offenen dürfen. «Diese Null-Information ist absolut ungenügend. Ich würde dem Bundesrat eine sehr schlechte Note geben. Aufgabe nicht erfüllt», sagte Platzer im Interview mit dieser Zeitung.

«Null-Information zu Restaurants ist absolut ungenügend. »

Casimir Platzer

Recherchen von CH Media zeigen nun: Am Tag nach der Pressekonferenz meldete sich der Generalsekretär von Gesundheitsminister Alain Berset telefonisch bei Platzer. Bei dem Gespräch wiederholte der Gastropräsident seine Kritik am Vorgehen der Landesregierung: Es sei unverständlich, dass diese der Branche kein Signal gegeben habe, wie es weitergehen könnte.

Als Gesundheitsminister an vorderster Stelle im Bundesrat, wenn es um Coronavirus-Massnahmen geht: Alain Berset.

Berset gerät wegen dem Beizen-Lockdown unter Druck. Bild: KEYSTONE

Das Innendepartement hat Casimir Platzer nun zu einem Treffen nach Bern eingeladen. Ein Sprecher Alain Bersets bestätigt die Einladung auf Anfrage, betont allerdings, man sei mit verschiedensten Akteuren im Gespräch.

Gastrosuisse hat dem Innen- und dem Wirtschaftsdepartement laut eigenen Angaben mehrere Tage vor der Bundesratssitzung am Donnerstag einen Entwurf für ein Schutzkonzept übermittelt, mit dem die Branche die Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit einhalten will, erhielt darauf aber keine Reaktion aus Bundesbern.

Das Konzept der Gastrobranche sieht eine beschränkte Anzahl Gäste pro Quadratmeter, einen Mindestabstand zwischen den Tischen und eine Schutzmaskenpflicht «hinter den Kulissen» vor.

Wiedereröffnung von Restaurants in den nächsten Wochen?

Positive Signale an die Adresse der Gastrobranche sendete Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Wochenende in einem Interview mit der «SonntagsZeitung aus. Der SVP-Bundesrat betonte, die Landesregierung evaluiere die Situation laufend. «Ich schliesse nicht aus, dass die Restaurants in den nächsten Wochen ebenfalls öffnen können.» Dies hänge davon ab, wie sich die Pandemie entwickle. Der Bundesrat könne an seinen Sitzungen jede Woche eine neue Lagebeurteilung vornehmen.

Zurückhaltender äusserte sich Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Vortag in der «NZZ». Sie rief die Wirte dazu auf, Überlegungen anzustellen, wie die Distanz- und Hygieneregeln in Restaurants und Gartenbeizen sichergestellt werden könnten. «Der Bundesrat ist offen, aber die Konzepte der Branche müssen überzeugend sein.» Denkbar seien auch differenzierte Lösungen, in einem Restaurant präsentiere sich die Situation schon heute anders als in einer Bar.

Es gilt der gesunde Menschenverstand

Gastrosuisse-Präsident Platzer sagt, es sei sicher so, dass in einem Restaurant mit Terrasse die Distanzregeln einfacher einzuhalten seien als in einem Club oder einer Bar. Er sei offen für eine etappenweise Wiedereröffnung der Gastrobetriebe.

Wie auch alle anderen Wirtschaftszweige wird die Gastrobranche bei der Umsetzung der Distanz- und Hygienevorschriften nicht völlig frei sein. Der Bund will noch diese Woche grobe Schutzkonzepte für verschiedene Tätigkeiten publizieren, zum Beispiel Regeln für personenbezogene Dienstleistungen. Die Aufgabe der Branchenverbände wird es sein, die Grobkonzepte zu verfeinern und in die Praxis umzusetzen. Kantonale Arbeitsinspektorate überprüfen die Einhaltung.

Eine eigentliche Bewilligung von Branchenkonzepten wird es aber nicht geben. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern, sagte vor einigen Tagen: «Es geht um den gesunden Menschenverstand.» (aargauerzeitung.ch)

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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pollo Loco 20.04.2020 11:16
    Highlight Highlight Personalkantinen haben bereits offen resp. mussten nie zu machen und haben ein Sicherheitskonzept. Kann auch für den allg. Markt umgesetzt werden. Die Mitarbeiter sind dankbar, dass sie noch arbeiten dürfen auch wenn der Umsatz nicht wie normal ist.

  • Magnum 20.04.2020 10:03
    Highlight Highlight «Im Grunde genommen ist es schlicht eine Frechheit.»

    Mal schauen, ob Casimir Platzer seinen eigenen Satz zur Begrüssung um die Ohren gehauen bekommt, für seine miese Intrigantenaktion mit den fünf Briefen an die lieben bürgerlichen Mitglieder des Bundesrats.

    Dieser Herr hat zuerst einmal etwas zu erklären im Departement Berset, bevor er Forderungenzu stellen hat. Auch in Sachen Sicherheitskonzept bzw Einhaltung von Distanz- und Hygienevorgaben im Betrieb gäbe es eine Bringschuld, wie für jede Branche. Liefere statt lafere, falscher Casimir.
  • SJ_California 20.04.2020 07:39
    Highlight Highlight Die Lockerung soll kein Wunschkonzept der Branchen sein, sondern epidemiologisch und gesundheitlich sinnvoll und wirksam sein.
    Gespräche mit Branchenvertreter sind ok, aber dann bitte alle berücksichtigen.
  • Hierundjetzt 20.04.2020 07:17
    Highlight Highlight Platzer ist ein sehr unsympathischer und arroganter Hotelier, der tatsächlich meint er sei als Verbandsheini auf Augenhöhe mit dem BR.

    Dann schaut man sein billig gehaltenes Hotel und seine Bewertungen an und bäm alles heisse Luft
    • jjjj 20.04.2020 07:48
      Highlight Highlight Also das mit der auf Augenhöhe sein wollen finde ich auch etwas arrogant.
      aber das Hotel hat ganz gute Bewertungen?
  • Locutus70 20.04.2020 03:21
    Highlight Highlight Also wenn Restaurants bis in den Juni oder Juli geschlossen bleiben sollen, dann muss der Bund finanziell aber kräftig nachlegen. Diese maximal 10 % vom Jahresumsatz als Kredit, das ist ja ein schlechter Witz.
  • malu 64 19.04.2020 22:33
    Highlight Highlight Es gibt viele Möglichkeiten, Tische und Sitzplätze abzutrennen, für Raumtrenner, Plexiglasscheiben usw. nach jedem Gast muss der Platz, Tisch, Karten, desinfiziert werden. Durch die Distanzvorschriften hat man weniger Gästeplätze, das Personal und die Gäste brauchen ausreichende Schutzmittel, die Toiletten und Küchen müssen regelmäßig desinfiziert werden.
    Ob sich das für alle rechnet, ist die zweite Frage. Ein freiwilliger Corona Beitrag sollte selbstverständlich sein.
  • Arneis 19.04.2020 21:39
    Highlight Highlight Wenn es so einfach wäre.

    Der BR hat stets betont, das man die Mobilität, aus guten Gründen, möglichst tief halten möchte.
    Aber nein, dutzende abgewiesene Gäste vor den Beizen sind natürlich besser.

    Man muss mit den Immobilienbesitzern und mit den dahinterhängenden Banken Lösungen finden.
    Nur Spinner glauben die Mär von "Morgen geht alles auf"?
  • Eisvogel 19.04.2020 21:32
    Highlight Highlight Ist doch ganz einfach: das Personal schlenzt mir den Espresso von der Bar direkt auf den Tisch, das Glas Wasser folgt im gleichen Modus 😁
  • COVID-19 ist Evolution 19.04.2020 21:26
    Highlight Highlight Beobachtet man was am Wochenende an den Tankstellen der Freizeitgebiete als einzigste Verpflegungsmöglichkeit los ist, dann wäre eine schnelle Öffnung der Restaurants und Beizen ein Gewinn für die Covid-19 Hygienemassnahmen.
    • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 20.04.2020 00:31
      Highlight Highlight Oder alternativ konsequenter Bussen verteilen bei diesen Tankstellen. 😉
    • ghawdex 20.04.2020 00:49
      Highlight Highlight Ich dachte es gelte immer noch das Motto "stay@home". Wie kann es da also zu Problemen mit der Verpflegung in Freizeitgebieten kommen?
    • Magnum 20.04.2020 10:07
      Highlight Highlight @ghawdex
      Weil ein Motto oder Hashtag kein Befehl ist, dessen Missachtung per Bussgeld geahndet wird.
      Und weil wir keine Aussgangssperre in der Schweiz haben - und auch nie hatten,
      Wer in einer kleinen Wohnung im Homeoffice arbeitet, der muss irgendwann raus, damit ihm die Decke nicht auf den Kopf fällt.

      Alles klar? Dann ist ja gut. Und brav drinnen bleiben und über andere motzen, mkey?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Milhouse 19.04.2020 21:12
    Highlight Highlight Die Beizen bleiben geschlossen, weil die Leute zuhause bleiben sollen. Ist doch nicht schwer zu verstehen - aber schwer zu akzeptieren.
    • lilie 19.04.2020 22:12
      Highlight Highlight @Panna cotta: Klaro, jetzt schon. Aber die Restaurants sollen ja nicht auf alle Zeiten geschlossen bleiben. Je nach dem, welche Konzepte sie vorlegen, können sie früher oder eben vorerst weiterhin nicht öffnen.

      Aber besonders dann, wenn wieder mehr Leute arbeiten gehen, muss man sich schon auch wieder auswärts verpflegen können.
  • soulpower 19.04.2020 20:54
    Highlight Highlight Bei den Restaurants sehe ich schon eher Möglichkeiten für eine baldige Lockerung bei Tischabständen. Viele werden da am Anfang sowiso nicht hingehen. Bei den Bars ist jedoch alles ziemlich eng, da sollte man wohl noch ein wenig länger zuwarten. Im Uebrigen finde ich es gut wie der Bundesrat den verschiedenen Anliegen aus dem Gastro-Bereich zuhört und darüber nachdenkt. Einfache Entscheidungen sind dies nicht, aber bisher haben sie das recht gut gemeistert. Wir sind dann nämlich alle froh, wenn keine zweite grosse Welle auf uns zukommt.
  • AmongThieves 19.04.2020 20:30
    Highlight Highlight Wenn die Margen schon eh beschissen klein sind, die Sitzplätze halbiert werden, die Leute eh zu Hause bleiben und die Fixkosten gleich bleiben wie vor Corona.. weshalb forciert dieser selbsternannte Vollchecker die Öffnung?
    • Pukelsheim 19.04.2020 21:33
      Highlight Highlight unter dem strich: weil es sein job ist...
    • Unicron 19.04.2020 22:06
      Highlight Highlight Auch "zuwenig" Umsatz ist besser als gar kein Umsatz. Darum nimmt man in harten Zeiten als Firma manchmal sogar Aufträge an mit denen man Minus macht, einfach damit die Produktion ausgelastet ist.
    • Pollo Loco 20.04.2020 07:07
      Highlight Highlight schön das du keine existenzängste haben musst. Dann wäre deine reaktion sicher auch anderst. Aber eben solange man nicht betroffen ist, ist es immer einfach pauschal ein ufteil zu fällen.
  • Lowend 19.04.2020 19:47
    Highlight Highlight Ich habe immer gedacht, dass man mit Erpressern nicht verhandeln soll, aber zum Glück ist Hr. Berset und Frau Sommaruga nicht nachtragend.

    Ich verlange aber vom Bundestat auch ein Konzept, damit es nicht zu überfüllten Gassen und ÖV‘s zu Feierabend und zu platzbedingten „Beizentouren“ von Gästen kommt, die auf der Suche nach einem Restaurant mit freien Plätzen sind
    • Vintage 20.04.2020 09:43
      Highlight Highlight Man kann die Restaurants, Bars etc. erst wieder öffnen wenn wir einen Impfstoff haben, alles andere funktioniert nicht. Ich möchte in ein Restaurant, das auch so aussieht wie eines. Und nicht in eine Krankenabteilung wo alle mit einer Maske rumlaufen. Die ganze Aura, das Lachen der Kellner, das klirren der Gläser, der Austausch der Gäste, alles nicht mehr möglich wenn nur noch die Hälfte der Tische belegt sind. Ich gehe meistens aus emotionalen Gründen in ein Restaurant und geniesse es in vollen Zügen.
    • Lowend 20.04.2020 12:18
      Highlight Highlight Auch wenn ihre Ansichten Vintage klingen, gebe ich Ihnen zu 100% recht.

      Der einzige Grund, Restaurants sonst zu öffnen wäre es, dass Arbeiter und Angestellte irgendwo essen können.

      Da würde es meiner Meinung nach reichen, wenn in einem ersten Schritt nur Restaurants tagsüber geöffnet werden, die eine Küche und eine Speisekarte haben.
  • Illuminati 19.04.2020 19:47
    Highlight Highlight Schutzmaskenplicht im Restaurant, grosses Kino! 😂😂😂

    Und jetzt mal im Ernst, wenn dann bei jedem Schluck/Bissen an der Maske herumgefingert wird ist das doch kontraproduktiv? Also dieser Vorschlag kann nicht ernst gemeint sein 🤦‍♂️
    • Faktenchecker 19.04.2020 20:06
      Highlight Highlight Lesen würde helfen. Die Gäste müssen selbstverständlich keine Masken anhaben. Nur die Angestellten.
    • Caturix⸮ 19.04.2020 20:15
      Highlight Highlight Es geht um die Angestellten. 🤦‍♂️
    • baesae 19.04.2020 20:20
      Highlight Highlight "Hinter den Kulissen" steht doch da :-) Also der Koch und so nehme ich mal an.
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