Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Barbara Lüthi (Mitte) diskutiert mit sechs Frauen (v. l. n. r. Tamara Wernli, Caroline Fux, Manuela Barmettler, Stéphanie Berger, Ina Praetorius und Vera Dillier über die Männer in der Krise.  bild: screenshot srf 

Kaputte Wasserhähne und nach aussen gestülpte Geschlechtsteile – so war der Frauen-«Club»

Im SRF-«Club» diskutierten am späten Dienstagabend sieben Frauen über «toxische Männlichkeit» – und entgifteten dabei die Geschlechterdebatte.



«Er gewinnt, er strahlt, er erobert alle.»

«Jetset-Lady» Vera Dillier hell begeistert über James Bond 

Wie letzte Woche im Männer-«Club» wird auch an diesem Abend erstmal James Bond auf der Schlachtbank der Geschlechterdebatte geopfert. Für den gelungenen Einstieg. Und als Exempel für die toxische Männlichkeit

Toxische Männlichkeit. Was für ein Begriff! Und wie viele männliche Gefühle er verletzt hat. Wieder einer dieser «feministischen Kampfbegriffe», meint «Weltwoche»-Kolumnistin Tamara Wernli. Immer diese negative Stimmung gegen die Männer überall, das liege ja derzeit voll im Trend – der Hashtag #menaretrash, der «Mahnfinger» der Gillette-Werbung, etc.

Und während sie sich zur Verteidigerin der «meisten Männer» aufschwingt, die eben keine Arschlöcher, sondern «geile Typen» seien, berichtigt Sexologin Fux mal schnell die Sachlage:

Bild

Die für die Diskussion enorm wertvolle Caroline Fux, Psychologin und Sex-Beraterin beim «Blick». bild: screenshot srf

Der Ausdruckt toxische Männlichkeit stammt aus einem Ratgeber, herausgegeben von US-amerikanischen Psychiatern (American Psychological Association) für US-amerikanische Psychiater. Bisher existierten solche Guidelines nur für den Umgang mit Homosexuellen, ethnischen Minderheiten, Transpersonen, Mädchen und Frauen. Nun ist einer für Buben und Männer erschienen.

Denn so viel haben diese noch nicht über ihr Rollenbild nachdenken müssen, meint auch die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach. Weil der Mann eben immer das Allgemeine, das Normale war und nie die Abweichung. Er ist der Mensch, «L'homme», Mann. Er spielt Fussball, während sie Frauenfussball spielt. 

Oder wie es Fux ausdrückte: 

«S'Gschlechtsteil vo de Männer goht noch use, das vo de Fraue noch inne, mir sind üs d'Introspektion gwöhnt.»

Die klare Sicht einer Sexologin

Bild

So gross ist Tamara Wernlis Verständnis für die Männer, die «die Schnauze voll» haben von der vergifteten Geschlechterdebatte. bild: screenshot srf

Der Ratgeber sei kein «Feminismus-Manifest» (Wernli), das jegliche Traditionen in der Geschlechterordnung als schädlich verurteile, sondern darin würden psychologische Konstrukte – wie zum Beispiel männliche Tapferkeit – abgehandelt und aufgebrochen, sagt Fux.

Das Männerbild soll geöffnet werden. Es will den Mann also nicht herunterputzen, sondern ihn von alten Männlichkeits-Vorstellungen befreien, die ihn in der Entfaltung seines wahren Wesens hindern mögen.

Bild

Der wahre James Bond für Zwischendurch. 

Waaas!?! Der wahre James Bond ist sicher nicht Roger Moore, sondern ...

Er muss also fortan keinen Wasserhahn mehr flicken können. Aber Wernli schätzt es, wenn er es kann. Weil sie alles schätze, was ihr im Alltag hilft. 

«Aber was machsch mit därä Fähigkeit Wasserhahn-Flickä, wenn er nöd kabutt isch?»

Ja, was?!? Theologin und Autorin Ina Praetorius (und ja, sie spricht etwas Ostschweizerisch)

Auch die Bäuerin Manuela Barmettler erzählt von ihrem Alltag. Bei ihr zuhause guckt der Mann zu den Tieren und sie zu den Kindern, die beiden teilen sich die Verantwortung, die sich durchaus auch verlagern könne, sodass er mal zu den Kindern und sie zu den Tieren schaut. Hauptsächlich aber scheinen sie zueinander zu schauen, da muss nicht viel ausgehandelt werden, da wird sich einfach ergänzt, das funktioniert. 

Bild

Bäuerin Manuela Barmettler ficht keinen Geschlechterkampf aus, sie hat drängendere Probleme. bild: screenshot srf

«Wüsset Sie denn, dass d'Frau gschichtlich gseh mol dä Bsitztum vom Maa gsi isch?», fragt daraufhin überaus überheblich die Frau Praetorius. Wenn es mal nicht funktioniert hatte, dann sei die Frau mit nichts dagestanden, jetzt, nach dem Kampf der Frauenbewegung aber, sähe das anders aus und darum fände sie es von Barmettler naiv zu sagen, «es isch alles wunderbar.»

Bild

Ina Praetorius, Theologin und Autorin, erinnert gern in intellektueller Überheblichkeitsmanier an den Kampf der Frauen. bild: screenshot srf

Vielleicht sei sie für das alles «z'eifach gschtrickt oder z'blöd», meint Barmettler, aber sie habe weiss Gott andere Probleme. 

Der Mahnfinger von Frau Praetorius ist allerdings noch nichts gegen die Gehässigkeit, die gemeinhin die Geschlechterdebatte bestimmt. Diese wiederum wird tatsächlich hauptsächlich in den (sozialen) Medien geführt, wo am Ende jegliche Verständigungsbemühungen in den tosenden Fluten der Hass-Kommentare untergehen. Was dort geschieht, dürfe man allerdings nicht als Abbild der Realität sehen, meint Fux.

In der Realität nämlich, «do schaffed d'Mensche und diskutiere nid über toxischi Männligkeit» (Wernli), da gibt's auch eigentlich gar keinen James Bond – «Isch da eigentlich no niemertem i däre Rundi ufgfalle?» (Fux)

Bild

Verdammt, jetzt, wo Fux es sagt ... Da könnte was dran sein.

Die Realität ist aber auch der Ort, wo Vera Dillier nach ihrer Scheidung tatsächlich mit nichts dagestanden ist. Nichts ausser ihrer Eigentumswohnung, und selbst die habe sie sich gewaltsam zurückholen müssen. Man müsse halt selbst etwas machen, findet die «Jetset-Lady».

Lange habe sie zugeschaut, wie die Männer in der Gesellschaft hochkommen, wie sie mutig durchs Leben gehen. Erst habe sie sie kopiert, dann übertroffen. Auf dem Weg an die Spitze habe sie von gewissen Männern auch eindeutige Angebote erhalten, sie habe aber immer nein gesagt, während die #metoo-Frauen ja selbst mitgemacht hätten. Man könne nicht im Nachhinein, quasi von der Karriereleiter hinunter, «metoo» schreien.

Bild

Vera Dillier, die «Jetset-Lady» denkt, wenn man keine Angst hat vor männlicher Gewalt, widerfährt einem auch keine männliche Gewalt. bild: screenshot srf

«Aber wieso müend denn d'Frauä immer über d'Männer go?»

Ina Praetorius erkennt den Kern des Problems

Dann will es Moderatorin Barbara Lüthi endlich wissen: «Was wünscht ihr euch von den Männern?»

Bild

Stéphanie Berger, Komikerin und Moderatorin, wünscht sich den Abbau des Geltungsdrangs gewisser Männer herbei, sie sollten vermehrt in ihr Inneres investieren. bild: screenshot srf

Praetorius fand es erstmal falsch, dass man hier das Männerbild von der Frau abhängig machen will. Sie dürfe ihm nicht vorschreiben, wie er zu sein habe. Vorschreiben vielleicht nicht, aber ihn sich ein bisschen zurechtwünschen allemal, meint da Lüthi und wirft ihre Frage abermals in die Runde:

«Puh», lautet da die Antwort der Geschlechterforscherin Schutzbach, während die «Jetset-Lady» klarere Worte findet:

«Er muess mich amüsiere, egal was er macht.»

«Jetset-Lady» Vera Dillier

Die ganze Sendung hier: 

53 Bilder, die zeigen, warum Frauen länger leben als Männer

Frauen der Geschichte:

Wie Faye Schulman als jüdische Partisanin den Holocaust überlebte

Link zum Artikel

Macht, Mord und Monobrauen: Im Harem des persischen Schahs

Link zum Artikel

Gebär du mal 16 Kinder wie Maria Theresia und verteidige gleichzeitig dein Reich

Link zum Artikel

Wie diese 9 Pionierinnen typische Männerdomänen aufmischten

Link zum Artikel

Kaiserin Agrippina: Das herrschsüchtige Teufelsweib, das ganz Rom verführte und die Männer zu Sklaven machte

Link zum Artikel

Frida Kahlo: Die Frau, die den Tod auslachte

Link zum Artikel

Lucrezia Borgia: Die päpstliche Bastardbrut der Renaissance

Link zum Artikel

Katharina die Grosse war so viel mehr als nur ihre vielen Liebhaber

Link zum Artikel

Von geliebten Männern weggesperrt: Das traurige Schicksal von Johanna der Wahnsinnigen

Link zum Artikel

Wie sich die indische Banditenkönigin an den Männern rächte

Link zum Artikel

Die Kroatin, die im Schatten eines zwielichtigen Gottesmannes unterging

Link zum Artikel

Wie Hannah Arendt die Welt vor der Banalität des Bösen retten wollte

Link zum Artikel

Isabelle Eberhardt, die Schweizerin, die als Mann durch die Wüsten Nordafrikas zog

Link zum Artikel

Die Journalistin Nellie Bly war undercover im Irrenhaus und als einzige Frau an der Front

Link zum Artikel

Die keltische Kriegerkönigin Boudica, die tausende Römer niedermetzelte

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Freddie verführte und erschoss Nazis vom Velo-Gepäckträger aus

Link zum Artikel

Blutgräfin Báthory, die ungarische Serienmörderin

Link zum Artikel

Kaiserin Theodora von Byzanz: Die Frau, die ihre Vagina mitten im Gesicht trug

Link zum Artikel

Sabina Spielrein: Die Frau, die viel mehr war als C.G. Jungs Patientin im Burghölzli

Link zum Artikel

Marija kaufte einen Panzer und rächte ihren getöteten Ehemann

Link zum Artikel

Das bittere Ende der Frau, die den «Vater des Gaskriegs» nicht stoppen konnte

Link zum Artikel

Die irische Rebellin, die lieber stirbt, als auf die britische Krone zu schwören

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Sagt der Bundespräsident die Wahrheit? 4 Aussagen von Guy Parmelin im Faktencheck

Mit einem seiner ersten Interviews als neuer Bundespräsident sorgte Guy Parmelin am Wochenende für Aufmerksamkeit. Einige Aussagen sorgten besonders bei Epidemiologen für rote Köpfe. 4 Zitate Parmelins im Faktencheck.

Die folgenden vier Aussagen sind Auszüge aus dem Interview, das der Sonntagsblick am 3. Januar 2021 mit Guy Parmelin geführt hat.

Bundespräsident Parmelin bezieht sich mit dieser Aussage auf die ansteigenden Corona-Fälle im Herbst. Zuvor räumt er zwar ein, dass man die Lage im Juli bis September unterschätzt habe. Das Virus sei im Sommer aber nicht nur für die Politik, sondern auch für die Wissenschaft weit weg gewesen.

Wen Parmelin genau mit «Spezialisten» meint, führt er nicht weiter aus. …

Artikel lesen
Link zum Artikel