Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wie die SVP mit rechnerischen und grafischen Tricks den Ausländeranteil in der Schweiz hochpuscht



Die Schweizerische Volkspartei ist für ihre prägnanten Grafiken bekannt. Diese stehen im Ruf, die Wirklichkeit nicht immer ganz genau abzubilden. 2014 etwa fragte die SVP auf einem Werbeplakat: «Bald 1 Million Muslime?» Das brachte ihr eine Strafanzeige ein.

Die Tradition ist nun um ein Beispiel reicher: ein Diagramm zur Bevölkerungsentwicklung der nächsten 15 Jahre, über ein Inserat in der Gratiszeitung «20 Minuten» diese Woche 500'000 Mal unter die Leute gebracht.

Bild

Bild: «20 Minuten»

Sieht man sich diese Grafik an, entsteht der Eindruck, dass die Schweizer im eigenen Land im Jahr 2030 in der Unterzahl sein werden. Das ist kein Zufall – denn mit ein paar faulen Tricks soll genau dieser Eindruck erweckt werden.

1. Trick: Einen Teil der Grafik einfach weglassen

Bei genauem Hinsehen merkt man: Den unteren Teil der Grafik hat die SVP einfach weggelassen, denn die Skala beginnt erst bei 4 Millionen. Oder anders gesagt: 4 Millionen Schweizer werden einfach aus der Darstellung gekippt.

Wie die Grafik vollständig dargestellt ungefähr aussehen würde, zeigt dieses Bild, das Reto Schlatter auf Twitter veröffentlicht hat:

Den Vorwurf der Irreführung weist die SVP zurück. «Die Grafik ist nicht irreführend. Es ist klar gekennzeichnet, dass sie bei vier Millionen gebürtigen Schweizern anfängt», sagt Silvia Bär, stellvertretende Generalsekretärin der SVP. Man wolle deutlich machen, dass der Anteil der Ausländer und Eingebürgerten im Jahr 2030 fast die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.

2. Trick: Einen nicht überprüfbaren Zahlensalat anrichten

Um diesen Eindruck hervorzurufen, trickst die SVP mit den Bevölkerungszahlen und der grafischen Darstellung. 

3. Trick: Ausländeranteil praktisch bei Null beginnen lassen

Die SVP unterstellt, dass es 1980 so gut wie keine Ausländer in der Schweiz gab. Sie setzt den Ausländeranteil bei etwa 5 Prozent an. Dadurch wirkt die folgende Entwicklung wesentlich dramatischer. Nur: Das ist schlicht falsch. Der Ausländeranteil lag gemäss BFS 1980 bei knapp 15 Prozent, und damit mindestens dreimal höher, als die Grafik vorgibt.

4. Trick: Einen Teil der Schweizer zu «Papierlischweizern» machen

Um die vermeintlich drohende Überzahl der Ausländer zusätzlich zu dramatisieren, unterscheidet die SVP zwischen «gebürtigen Schweizern» – deren Kurve bleibt in der Grafik seit 1980 immer flach – und «Eingebürgerten».

Die Unterscheidung zwischen richtigen und «Papierlischweizern» ist manipulativ und vermittelt ein falsches Bild. Wer das Schweizer Bürgerrecht erwirbt, ist Schweizer. Punkt. In die Kategorie der Eingebürgerten fallen viele Einwanderer der zweiten Generation. Sie sind hier aufgewachsen, sprechen Schweizerdeutsch und identifizieren sich mit der Schweiz.

08.09.2015; London; Fussball EM Quali - England - Schweiz;
Xherdan Shaqiri (SUI) 
(Matthew Ashton/AMA/freshfocus)

Für die SVP ein «Papierlischweizer»: Xherdan Shaqiri.
Bild: Matthew Ashton/AMA

Dir gefällt diese Story? Dann like uns doch auf Facebook! Vielen Dank! 💕

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Datenaustausch mit Eritrea: «Die Schweiz spielt dem Regime in die Hände»

Die Schweiz teilt dem eritreischen Regime mit, wenn ein abgelehnter Asylsuchender nicht zurückkehren will. Betroffene reagieren auf die watson-Recherche empört.

Die watson-Recherche vom Wochenende löste Erinnerungen an düstere Zeiten aus: Die Schweiz meldet dem eritreischen Regime Namen von Schutzsuchenden, deren Asylgesuch von der Schweiz abgelehnt wurde und die eigentlich zurückreisen müssten, sich dem aber verweigern.

Diese Praxis war bislang unbekannt und stiess bei Politikerinnen und Politikern auf grosses Unverständnis. In den Kommentarspalten wurde sie als «Skandal» bezeichnet, Fragen zur humanitären Tradition wurden gestellt. Grundlage der …

Artikel lesen
Link zum Artikel