Schweiz
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James Foley, Sprecher Republican Overseas Switzerland, in der Rassismus-«Arena». screenshot: srf

Trump-Fan entlarvt sich in der Rassismus-«Arena» selbst – und lässt alle ratlos zurück

«Jetzt reden wir Schwarzen» – der Titel der SRF-«Arena» brachte Moderator Sandro Brotz bereits vor der Sendung viel Kritik ein. Nicht etwa wegen des Themas, sondern aufgrund der Auswahl der Gäste. Einer eckte besonders an.



Treffen sich eine SP-Nationalrätin, ein Trump-Anhänger, eine Polizistin und ein Comedian zu einer Diskussion über Rassismus … Was ein bisschen klingt wie der Anfang eines Witzes, trug sich am Freitagabend so im Fernsehstudio im Leutschenbach in Zürich zu. Schon Stunden vor der «Arena»-Sendung war mächtig Feuer unter dem Dach.

SRF-Moderator Sandro Brotz wollte das Thema der Sendung dem Rassismus in unserer Gesellschaft widmen. Unter dem Titel «Jetzt reden wir Schwarzen» lud er Samira Marti, James Foley, Andrea Geissbühler und Kiko in seine «Arena» ein. Das Problem dabei: Drei dieser Hauptgäste sind weiss, einer schwarz.

Das kam bei Vertreterinnen und Vertretern der schwarzen Community in der Schweiz nicht gut an. Auf den sozialen Medien und in Chats riefen sie zum Boykott der Sendung auf. Die Künstlerin und Aktivistin Brandy Butler empörte sich auf Instagram: «Der einzige schwarze Hauptrepräsentant in der Runde ist ein unpolitischer Komiker.»

Auf Twitter verteidigte sich Brotz: «In der «Arena» sind drei Schwarze eingeladen. Hinzu kommen zugeschaltet Manuel Akanji und ein weiterer Schwarzer. Es ist nicht so, dass drei der vier geladenen Gäste weiss sind. Als Moderator garantiere ich für eine faire Debatte.» Ein hohes Versprechen, dass Brotz da machte. Und es heisst zwar, im Nachhinein ist man immer klüger, aber eigentlich hätte schon da klar sein sollen: In dieser Konstellation ist eine gewinnbringende Debatte über dieses eigentlich so wichtige Thema zum Scheitern verurteilt.

Warum, zeigte sich bereits nach wenigen Minuten. Die SVP-Nationalrätin und Polizistin Andrea Geissbühler fand, die Schweiz habe kein Problem mit Rassismus. Vielmehr gebe es verschiedene Gruppen, die gleichermassen von Diskriminierung betroffen seien. Dazu gehören auch SVP-Politiker und Polizisten. Sie habe schon viele schlimme Erfahrungen machen müssen, nur weil sie SVP-Politikerin sei. Das Problem seien die respektlosen Menschen in diesem Land und dagegen müsse man vorgehen. «Ich nenne das nicht Rassismus, sondern Respektlosigkeit.»

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Auch James Foley, der Sprecher der US-Republikaner in der Schweiz, wartete mit einer eigenen Vorstellung davon auf, was Rassismus ist und was dieser für schwarze Leute bedeutet. Er erklärte, Schwarze seien nicht die einzigen, die von Rassismus betroffen seien. Es gebe auch asiatische, türkische und andere Personen, die diskriminiert würden. Doch mit ihren «Black Lives Matter»-Demonstrationen würden Schwarze nun das Thema kapern, aufblasen und so tun, als gehe es nur um sie.

Dieses Statement machte SP-Nationalrätin Samira Marti wütend: «Hier vorne stehen drei von vier Leute ohne Rassismus-Erfahrungen. Was wollen jetzt Sie eine eigene Rassismus-Definition aufbringen und relativieren?» Sie habe sich schwer damit getan, in diese Sendung zu kommen, so Marti. «Aber ich bin hier, weil ich als weisse Schweizerin selbstreflektiert und selbstkritisch über Rassismus nachdenken muss.» Das sei aber nicht möglich, wenn man rassistische Erfahrungen ständig kleinreden wolle.

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Damit traf Marti den wunden Punkt dieser Sendung. Dass es strukturellen Rassismus in der Schweiz gibt, das ist unbestritten, dazu gibt es unzählige Studien und Forschungsberichte. Das betonte auch Moderator Brotz in seiner Sendung. Und doch ist der Umgang damit, gerade der Umgang von weissen Personen, nach wie vor sehr unbeholfen. Es wird negiert, abgestritten, beschwichtigt. Marti brachte es auf den Punkt:

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Doch die Studiogäste diskutierten weiter am Thema vorbei. Da halfen auch die Voten von Comedian Kiko wenig. Er widersprach sich, seine Aussagen blieben oft diffus, gar etwas wirr. Als schwarzer Mann in der Schweiz wisse er, was Rassismus bedeute, er habe es selbst erlebt. Aber er wolle nicht demonstrieren gehen für «Black Lives Matter». Er setze sich auf seine eigene Art für Schwarze ein und er wehre sich gegen Rassismus, weil er sich nichts gefallen lasse. «Aber ich gehe nicht raus und heule rum wegen kleinen Sachen. Wenn ich rausgehe mit dem Gedanken, dass die ganze Welt rassistisch ist, dann passiert es mir auch.» Man könne Rassismus auch erfinden, wenn man ihn zu sehr suche.

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Marti entgegnete, bei den «Black Lives Matter»-Demonstrationen wolle man einzig darauf aufmerksam machen, dass es ein Problem mit Rassismus gebe und dass man dieses lösen müsse. Dass diese simple Forderung schon eine so grosse Provokation darstelle, zeige doch, dass die Schweiz ein Sensibilitätsproblem habe und eine Bildungslücke. «Die Schweiz hat eine koloniale Vergangenheit, das weiss kein Mensch in diesem Land.»

Damit versuchte Marti abermals die Diskussion zu retten, die mehr und mehr zu einer Show von Selbstdarstellern verkam und in der kaum jemand einen sinnvollen Beitrag zur Lösung des Problems beitragen wollte. Da nützte auch der Kniff, mit der Brotz die Misere abzuwenden versuchte, wenig. Kurz vor Ende der Sendung bat er die beiden Zaungäste, die bis dahin in der hinteren Reihe verweilen mussten, nach vorne. Geissbühler und Marti mussten ihre Plätze räumen und mit Gabriella Binkert, Präsidentin der SVP Val Müstair und Angela Addo, Juso-Mitglied und Mitorganisatorin der «Black Lives Matter»-Demonstrationen, standen nun zwei schwarze Personen mehr im Vordergrund – zumindest für die verbleibenden 15 Minuten der Sendung.

Brotz fragte: «Ist die Diskussion eine andere, wenn mehr Schwarze im Fokus stehen. Ist das eine andere Sendung, jetzt da Sie da vorne stehen?» Auf jeden Fall, fand Addo. Der Titel der Sendung sage es ja bereits: Jetzt sprechen mal die Schwarzen. Sie komme anders zu Wort wenn sie hier vorne stehe.

«Alles nur warme Luft um nichts», fand der Trump-Anhänger Foley, der als einzige weisse Person weiterhin mit den drei Schwarzen vorne stehen bleiben durfte. Nein eben nicht, entgegnete Addo. Aber es sei ja klar, dass er, der zuoberst an der Ernährungskette stehe, so denke. Gerade deswegen sei es so wichtig, dass man denen zuhöre, die unten stehen. «Hören Sie uns!», forderte sie ihn eindringlich auf.

Und Foley? «Sie haben nicht das Recht, nicht beleidigt zu werden. C’est la vie.» Ja, was soll man dazu denn noch sagen?

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