Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

7 Beispiele von Polit-Parteien, die mit Stockfotos einen Bock geschossen haben

Die SVP ist letzte Woche mit ihrem Tweet zur Begrenzungs-Initiative, auf dem das Holocaust-Mahnmal abgebildet war, gehörig ins Fettnäpfchen getreten. Damit steht sie jedoch nicht alleine da. Ein paar Kostproben.



Stockfotografie ist eigentlich eine tolle Sache. In den Untiefen der Shutterstock-, Getty- und Alamy-Datenbanken findet man für jede noch so komische Situation ein passendes Foto. Man schreibt gerade an einem Artikel über die Liebesbeziehung zwischen einer Frau und einem Hummer am Meer? Kein Problem:

Bild

Dieses Bild trägt den poetischen Namen: «Mädchen und Hummer. Reisen von Meeresfrüchten». bild: shutterstock

Oder will man illustrieren, wie schwierig es zurzeit für Veteranen in den USA ist, in der Öffentlichkeit ihr medizinisches Marihuana zu rauchen? Voilà:

Bild

«Mann in Tarnkleidung, Maske und Latexhandschuhen, der versucht, eine Metallpfeife zu rauchen.» bild: shutterstock

Dass Stockfotos eine tolle Sache sind, das wissen auch die Politparteien dieser Welt. Immer wieder verwenden sie solche für ihre Kampagnen. Immer wieder versäumt man aber auch, zu hinterfragen, was man da eigentlich für ein Bild verwendet.

Schlechtestes Beispiel war die Zürcher SVP letzte Woche. Sie hat bei ihrer Bildauswahl für ein Abstimmungs-Sujet tüchtig danebengegriffen und bebilderte den «Kampf gegen die Zubetonierung der Schweiz» mit einer Aufnahme des Holocaust-Mahnmals in Berlin.

Bild

bild: screenshot twitter

Die SVP löschte den Tweet schnell und entschuldigte sich, sprach von einem «Riesenlapsus» und dass man lediglich das Wort «Beton» bei der Bilddatenbank eingegeben habe. Das Mahnmal habe man nicht erkannt.

Über Schuld, Sühne und das Marketing-Einmaleins wollen wir hier nicht diskutieren. Es gibt nämlich auch andere Parteien, die sich vielleicht zweimal hätten überlegen sollen, was für ein Bild sie da verwenden.

Marta aus Polen

Bleiben wir gerade bei der Begrenzungs-Initiative. Denn auch die Gegnerschaft hat mit ihrem Plakat einen Bock geschossen.

Bild

bild: ZVG

Marta könnte Ihr Grosi pflegen, wird sie aber nicht. Nicht, weil die polnische Marta nicht mehr in der Schweiz arbeiten darf, sondern eher weil Marta keine polnische Pflegefachfrau ist.

Denn eine Rückwärtssuche bei Google zeigt schnell: Das ist ein Stockfoto.

bild: screenshot getty images

bild: screenshot getty images

Pete Buttigiegs Versuch, schwarze Wähler zu gewinnen

Nun gut, wir wechseln nach Amerika. Oder nach Afrika, je nach dem, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet.

Ex-Präsidentschaftskandidat Peter Buttigieg aus dem US-Bundesstaat Indiana wollte nämlich Ende letztes Jahr ein paar Wähler dazugewinnen. Schwarze Wähler. Denn bei denen ist er bis dahin komplett unter dem Radar durchgeflogen.

Also gleiste er einen Plan auf, wie man Rassismus in den USA bekämpfen kann. Eigentlich eine löbliche Sache, nur illustrierte Mayor Pete seinen Plan folgendermassen:

Bild

Mit einem Stockfoto vom kenianischen Fotografen Nicholas Githiri, das eine Frau und einen Jungen aus Kenia zeigen. Die Rückwärtssuche bei Google zeigt wieder: Das Foto wird hundertfach für alle möglichen Dinge gebraucht.

Bild

screenshot: google

Als Entschuldigung liess Buttigiegs Kommunikationsteam verlauten, dass es bei der Auswahl des Bildes nirgends hiess, dass es in Kenia gemacht worden sei.

Sebastian Kurz und die Kartoffeln aus Bulgarien

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz wollte seine Anhänger auf Instagram eigentlich nur dazu animieren, wieder vermehrt österreichische Produkte zu kaufen.

Dafür postete er ein Bild von einer Handvoll frisch geernteten, vermeintlich österreichischen Kartoffeln.

Ein User auf Twitter fand dann aber ziemlich schnell heraus, dass dieses Foto nicht aus Österreich, sondern aus Bulgarien stammte und von einem Fotografen namens Valentin Russanov angefertigt wurde. Es ist auf Getty Images zu finden.

Die AfD und ihre Vorstellung einer «traditionellen Familie»

Wir wechseln zu unseren nördlichen Nachbarn und zur Alternative für Deutschland, kurz AfD. Die Rechtsaussenpartei ist fast schon dafür bekannt, mit ihrer Bilderauswahl ins Fettnäpfchen zu treten.

So zum Beispiel im Wahlkampf 2017. Die AfD Berlin gestaltete ein Plakat, auf dem eine Familie händchenhaltend am Strand zu sehen ist. Darüber die Überschrift: «Traditionell? Uns gefällt's.»

Bild

bild: screenshot afd

Wir wollen der AfD jetzt natürlich nichts unterstellen. Doch ob sie mit Absicht eine taiwanesische Familie, fotografiert von Tom Wang, als Sujet gebrauchen wollten, ist anzuzweifeln.

«Happy Family Jumping Together on the Beach»

Bild

bild: screenshot shutterstock

Die AfD geht mit Rumänen auf Stimmenfang

Weiter geht's mit der AfD. Diese sorgt sich oft über die starke Zuwanderung aus dem Ausland. So hiess es auf einem Plakat, ebenfalls im Wahlkampf 2017: «Deutsche? Machen wir lieber selber.» Dazu ein Bild einer schwangeren Frau.

Und diese selbstgemachten Deutschen müssen dann später auch wählen gehen. Am besten für die AfD. Um die politikfaulen Jungen davon zu überzeugen, wurde ein neues Plakat mit zwei gutaussehenden jungen Menschen angefertigt. «Mach mit! Verändere die Politik!», heisst es da.

Bild

bild: screenshot afd

Ob die zwei auf dem Plakat tatsächlich die AfD wählen, ist höchst unwahrscheinlich. Es handelt sich dabei nämlich um rumänische Models. Die Frau heisst Carla Caucean und wurde 2014 zur Miss Romania gekürt. Der Mann heisst Adi Ene und stammt aus Timisoara.

Die Liebe der AfD zu den Schweizer Bergen

«Hol dir dein Land zurück!», fordert die AfD auf einem Wahlplakat. Im Hintergrund: das Matterhorn.

Nein, die AfD hat es noch nicht bis in die Schweiz geschafft. Ob sie mit dem Plakat den Einmarsch in die Schweiz propagieren wollte, ist ebenfalls anzuzweifeln. Die AfD Nürnberg hat wahrscheinlich einfach die Zugspitze mit dem Matterhorn verwechselt.

Bild

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Wunderschöne Campari-Plakate von anno dazumal

Wir haben die Wahlplakate interviewt ...

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Arroganz der Linken: Warum Basel als einzige Grossstadt nach rechts kippen könnte

Alle grossen Schweizer Städte werden von der SP und den Grünen regiert. In Basel jedoch liegt ein Machtwechsel in der Luft. Wieso? Die Basler haben nicht genug von linken Rezepten. Grund ist ein anderer.

In Bern hält die Linke vier von fünf Sitzen in der Stadtregierung. In Genf ebenso. In Lausanne besetzen linke Parteien sechs von sieben Sitze in der Exekutive. In Zürich sind es sechs von neun. Im Kanton Basel-Stadt aber könnten die Bürgerlichen im zweiten Wahlgang am 29. November eine Mehrheit erringen. Der Regierungsrat könnte nach rechts kippen.

Warum ist das so? Warum schert die drittgrösste Schweizer Stadt aus? Sind die Baslerinnen und Basler linker Rezepte überdrüssig? Haben Sie genug …

Artikel lesen
Link zum Artikel