Schweiz
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Helmut Hubacher, Parteipraesident der SP Schweiz, am SPS-Sonderparteitag vom 12. Februar 1984 in Bern. Mit 773 gegen 511 Stimmen entscheiden sich die Delegierten fuer den Verbleib der Sozialdemokraten im Bundesrat. (KEYSTONE/Str)

Er prägte die SP über Jahre: Helmut Hubacher Bild: KEYSTONE

Helmut Hubacher ist tot – der frühere SP-Parteipräsident wurde 94



Helmut Hubacher, der frühere SP-Parteipräsident, ist tot. Die SP Schweiz bestätigte Medienberichte vom Donnerstag. Hubacher wurde 94 Jahre alt. Sein Sohn gab an, er sei nach kurzer, schwerer Krankheit im Spital Pruntrut im Jura verstorben. Bis zuletzt blieb er politisch aktiv.

In den Jahren zwischen 1975 und 1990 präsidierte er die SP Schweiz. Von 1963 bis 1997 sass er im Nationalrat für den Kanton Basel-Stadt. Hubacher gilt als prägende Figur der Schweizer Sozialdemokratie. Sein massgeblicher Einfluss auf die Schweizer Politik erstreckte sich über ein halbes Jahrhundert.

Beigesetzt wird Hubacher im im engen Familienkreis. Eine öffentliche Trauerfeier ist gemäss SP in Planung. Zuletzt lebte Hubacher mit seiner Frau Gret im jurassischen Dorf Courtemaîche.

Ein Platz in der Schweizer Geschichte

Erst Ende Juni verabschiedete er sich in einer letzten Kolumne im «Blick» und in der «Basler Zeitung» von seiner Leserschaft. Hubacher war neben seiner politischen Arbeit SBB-Beamter, Gewerkschaftssekretär, Journalist, Buchautor und Publizist.

Sein 1994 erschienenes Buch «Tatort Bundeshaus» stand monatelang an der Spitze der Schweizer Sachbuch-Bestsellerliste. Einen Platz in der Schweizer Geschichte verschaffte er sich aber in erster Linie als Urgestein der Politik und als Doyen der Sozialdemokratie.

ARCHIVBILD ZUM KEYSTONE-SDA ZUM TOD VOM HELMUT HUBACHER - Portrait von Helmut Hubacher, SP-Nationalrat von 1963 bis 1997 und Praesident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz von 1975 bis 1990, aufgenommen am 31. Maerz 2006 in Courtemaiche. Hubacher lebt seit 1991 im aktiven Ruhestand in Basel und Courtemaiche, Kanton Jura, und schreibt Buecher. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Helmut Hubacher Bild: keystone

Unter seiner Ägide öffnete sich die Arbeiterpartei für die Generation der 1968er-Bewegung und die Aufnahme neuer sozialdemokratischer Kernthemen wie Umweltschutz, Atomkraft oder Gleichberechtigung. Sich selbst bezeichnete Hubacher dabei als «politischen Vorarbeiter».

Die schwerste Niederlage

Eine seiner grössten politischen Niederlagen musst Hubacher 1983 bei der Nichtwahl der von ihm portierten Zürcher Nationalrätin Lilian Uchtenhagen (1926-2016) als erste Bundesrätin einstecken. Statt ihrer wählte das Parlament den nicht zur Wahl aufgestellten Solothurner Nationalrat Otto Stich (1926-2012). Hubacher erwog daraufhin den Austritt der Partei aus dem Bundesrat.

National bekannt wurde Hubacher 1965, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im Nationalrat. Er deckte damals als Mitglied der Finanzdelegation die geheimen Atomwaffenpläne der Schweiz auf.

ARCHIVBILD ZUM KEYSTONE-SDA ZUM TOD VOM HELMUT HUBACHER - Alt Bundesrat Christoph Blocher, Moderator Reto Brennwald, Helmut Hubacher, ehemaliger SP-Parteiprasident und Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann, von links, am Freitag, 18. Januar 2008, anlaesslich der Aufzeichnung der Sendung

Bild: keystone

Überhaupt sorgte seine Kritik an der Militärpolitik für grosses Aufsehen. Er nahm zahlreiche Rüstungsvorlagen unter Beschuss wie etwa jene für den Panzer 68, den Leopard II und das Radarsystem Florida.

Bis zu seiner Pensionierung 1991 arbeitete er beim Basler Gewerkschaftsbund. Nach Basel gekommen war er wegen seiner Lehre als SBB-Stationsbeamter. Geboren wurde Hubacher 1926, er wuchs in Zollikofen bei Bern auf.

Leidenschaftlicher Politiker

«Helmut Hubacher war ein leidenschaftlicher Kritiker, der für seine Ideale durchs Feuer ging und keine Konfrontation scheute», würdigte ihn die SP in einem Communiqué. Er hinterlasse eine grosse Lücke.

ARCHIVE --- HELMUT HUBACHER, EHEMALIGER NATIONALRAT UND SP--PARTEIPRAESIDENT, KANN AM 15. APRIL SEINEN 90. GEBURTSTAG FEIERN. ZU HUBACHER STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG ---  Helmut Hubacher, rechts, SP Nationalrat, und Parteikollege Jean Ziegler, links, unterhalten sich waehrend der Herbstsession 1979 im Nationalrat im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Photopress-Archiv/Str)

Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Parteipräsident Christian Levrat schrieb, Hubacher sei eine der prägenden Figuren der Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert gewesen. «Seine klare Sprache, seine Leidenschaft und seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einfach darzulegen, haben mich tief beeindruckt», heisst es in einem Communiqué.

SP-Bundesrat Alain Berset teilte auf Twitter mit, Hubacher sei «echt, volksnah, schnörkellos» gewesen. «Unverrückbar in seinen Werten, aber nie stur.» (leo/aeg/sda)

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