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Eine Titelseite finanziert von Leuten, denen der Wahlkampf mächtig stinkt.
bild: roman rey 

Serie - Liebe 20-Minuten-Leser

«20 Minuten»-Sprecher: «Wir werden die 126'000 Franken verbuchen wie bei allen anderen Inserenten auch»

Heute stehen auf der Titelseite von «20 Minuten» 12’278 Namen von Menschen, die gegen den Wahlkampf-Klamauk der SVP und gekaufte Aufmerksamkeit protestieren. Konzern-Sprecher Christoph Zimmer wehrt sich gegen Vorwürfe, die Medien des Unternehmens wären käuflich. 



Herr Zimmer, auf sozialen Medien wurde immer wieder die Forderung laut, «20 Minuten» müsse das Geld für die Titelseite spenden. Stand dies jederzeit ausser Frage?
Christoph Zimmer: Wie sich unsere Redaktion einem neutralen Journalismus verschieben hat, behandeln wir auch alle unsere Kunden gleich. Auch Parteien finanzieren sich über Spenden. Es wäre also nicht fair, das Inserat von Donat Kaufmann anders zu behandeln als jenes der SVP.

Sie werden es also nicht spenden?
Nein, Herr Kaufmann bekommt für den gesammelten Betrag eine klar definierte Medialeistung, in dem Sinn werden wir die 126'000 Franken verbuchen wie bei allen anderen Inserenten auch.

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Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer.
Bild: Twitter

«Unsere Medien sind nicht käuflich, unser Inserateraum schon.»

Überraschte Sie die heftige Reaktion, die Ihre an die SVP verkaufte «20 Minuten»-Titelseite auslöste?
Die Zahl der direkten Leserreaktionen war eher gering. In der ersten Woche gingen weniger als zehn Rückmeldungen ein. Im Verhältnis zu den gegen drei Millionen Lesern und den täglich mehr als 1‘000 E-Mails, die «20 Minuten» erhält, ist das eine verschwindend kleine Zahl. Aber dass die Werbung der SVP polarisiert, ist klar. Die Sammelaktion auf Wemakeit war natürlich nicht absehbar, ist aber durchaus kreativ.

Was ist Ihre Haltung zur inhaltlichen Message des erfolgreichen Crowdfunding-Projekts? Es ist auch eine Kritik an «gekauften» Medien.
Unsere Medien sind nicht käuflich, unser Inserateraum schon. Hier hat die SVP um Stimmen geworben, hier erhält nun auch Donat Kaufmann Raum für seine Kritik.

«Die Titelseite steht auch weiterhin für Buchungen politischer Parteien zur Verfügung.»

Haben Sie sich über das Projekt – und das Geld – gefreut?
Mit «20 Minuten» erreichen wir täglich 2.7 Millionen Leserinnen und Leser in der Schweiz. Selbstverständlich freut es uns, wenn wir mit unserem Inserateraum und der damit verbundenen Aufmerksamkeit zur politischen Debatte in der Schweiz beitragen können. Mit den Einnahmen finanzieren wir unabhängigen Journalismus, den schweizweit 150 Journalistinnen und Journalisten für «20 Minuten» leisten.

Würden Sie Ihre Titelseite jederzeit wieder an die SVP verkaufen?
Ja, die Titelseite steht auch weiterhin für Buchungen politischer Parteien zur Verfügung. Ein Inserat muss aber unseren Richtlinien entsprechen, das heisst es muss einen eindeutigen Absender haben, gesetzeskonform sein und darf nicht gegen die guten Sitten verstossen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, gibt es für uns keinen Grund, Inserate abzulehnen.

Bei «20 Minuten» kaufte Toni Brunner das Editorial, bei watson durften alle anderen eines schreiben:

Unsere Artikel zum Thema: 

«Unglaublich!» 138'815 Franken von 11'299 Spendern: Donat kauft «20 Minuten»-Cover

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«Jetzt kann alles passieren» – Donat Kaufmann knackt die 100'000-Franken-Marke

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BDP-Chef Martin Landolt schiesst im watson-Editorial gegen «20 Minuten»: «Wie hart würden Sie Ihren Grosskunden redaktionell noch anfassen?»

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«Liebe 20-Minuten-Leserinnen und Leser ...»: Crowdfunding-Studi kontert Toni Brunners Editorial

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Wieso will dieser Mann die Titelseite von «20 Minuten» kaufen? «Ich fühle mich wie mitten in einem Tornado»

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«Mir langet's!» – wegen SVP-Inserat will sich ein Student die Titelseite der Gratiszeitung «20 Minuten» kaufen

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