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Berset will Frühfranzösisch bereits in der Primarschule – und droht mit Machtwort



Der Unterricht in der zweiten Landessprache soll bereits in der Primarschule beginnen. Das will der Bundesrat im Sprachengesetz verankern, falls die Kantone ihre Sprachenstrategie nicht umsetzen.

ZUM START DER FUSSBALL-EUROPAMEISTERSCHAFT UEFA EURO 2016 IN FRANKREICH STELLEN WIR IHNEN DIESE ELF (11) BILDER ZUR VERFUEGUNG - Das Fussballfieber ist nun auch in der Schweiz angekommen: Ein Kind mit einem Frankreich Fussballtrikot am Dienstag, 7. Juni 2016, waehrend des Unterreichts in der 6. Klasse in der Schule in Zug. Am Samstag, 11. Juni 2016, trifft die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in ihrem ersten Spiel auf die Nationalmannschaft von Albanien. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Schüler mit Frankreich-Shirt. Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat hat am Mittwoch die Vernehmlassung zu einer Ergänzung des Sprachengesetzes eröffnet. Er stellt drei Varianten zur Diskussion, von denen er Variante 3 bevorzugt:

Variante 1

Diese Variante folgt dem Vorschlag der nationalrätlichen Bildungskommission. Sie legt fest, dass der Unterricht in der zweiten Landessprache spätestens ab dem 5. Primarschuljahr beginnen muss.

Variante 2

Variante 2 verankert die Lösung des Harmos-Konkordats auf Gesetzesstufe. Sie legt fest, dass die erste Fremdsprache spätestens ab dem 3. Schuljahr und die zweite ab dem 5. Schuljahr unterrichtet werden muss. Eine der beiden Sprachen ist eine zweite Landessprache, die andere ist Englisch.

Variante 3

Variante 3 legt fest, dass der Unterricht in der zweiten Landessprache auf Primarschulstufe beginnen und bis zum Ende der Sekundarstufe I dauern muss. Diese Variante bevorzugt der Bundesrat.

Frühfranzösisch auf der Kippe

Auf Variante 2 einigten sich die Kantone. Mehrere ziehen aber in Betracht, das Frühfranzösisch zu kippen. Im April hatte die Thurgauer Regierung einen neuen Lehrplan in die Vernehmlassung geschickt, der vorsieht, dass die Kinder in der Primarschule nicht Französisch lernen.

In den Kantonen Zürich und Luzern sind entsprechende Initiativen hängig. Zudem hat der Kanton Glarus beschlossen, Französisch in der Real- und Oberschule nur als Wahlfach anzubieten. Vor allem in der Westschweiz ist die Empörung über diese Entwicklungen gross.

Machtwort des Bundes

Innenminister Alain Berset hatte wiederholt angekündigt, dass der Bund ein Machtwort sprechen würde, sollte ein Kanton definitiv beschliessen, in der Primarschule keine zweite Landessprache zu unterrichten. Die Kantone wehren sich gegen ein Eingreifen des Bundesrats. Eine Volksabstimmung darüber könnte zu einer «nationalen Zerreissprobe» werden, warnten sie in einem Brief an Berset.

Bundesrat Alain Berset lehnt im Namen des Bundesrats die Volksinitiative

Droht mit Machtwort im Sprachenstreit: Bundesrat Alain Berset. Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat schreibt in seiner Mitteilung, die Landessprachen sollten in der obligatorischen Schule in der ganzen Schweiz den ihnen gebührenden Platz erhalten. Er starte die Vernehmlassung, weil in einzelnen Kantonen der Unterricht in einer zweiten Landessprache in der Primarschule ab dem Schuljahr 2017/2018 in Frage gestellt sei.

Hoffen auf Kantone

Die Vernehmlassung diene dazu, verschiedene Lösungsvarianten rechtzeitig zur Diskussion zu stellen. Nach Auswertung der Vernehmlassungsergebnisse werde er mit den Kantonen das weitere Vorgehen beurteilen. Er würde es nach wie vor begrüssen, wenn die Kantone untereinander eine gemeinsame Lösung finden würden, betont der Bundesrat.

Wenn die Kantone sich nicht einigen können, habe der Bund aber die subsidiäre Kompetenz zu handeln. Werde das Sprachenkonzept nicht umgesetzt, würde das zu einer Benachteiligung der zweiten Landessprache führen und die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften gefährden. (sda/meg)

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