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An 11-year-old girl (6th grade) studies for the long-term grammar school admission exam on Monday, March 6, 2017, photographed in Zurich, Switzerland, on March 1, 2017. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein 11-jaehriges Maedchen (6. Klasse) lernt auf die Langzeitgymnasium Aufnahmepruefung am Montag, 6. Maerz 2017, aufgenommen am Mittwoch, 1. Maerz 2017 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Kleidung sorgt in Schulen immer wieder für Diskussionen.  Bild: KEYSTONE

Aargauer Schule zwingt freizügige Mädchen in XXL-Schlabbershirts

Nicht alle Modetrends passen ins Klassenzimmer. Die Schule Seengen hat für den «Notfall »vorgesorgt. 

Noemi Lea Landolt / az Aargauer Zeitung



Trainerhosen gehören in den Sportunterricht, Shorts sind nicht kürzer als eine Handbreite über dem Knie und falls Schülerinnen Leggins tragen, nie ohne etwas drüber: Das sind drei von zehn Empfehlungen, die an der Schule Merenschwand im Bezirk Muri seit diesem Schuljahr gelten. «In der Sommerzeit verursachen unangepasste Outfits immer wieder Diskussionen», sagt Schulleiter Heinz Mäder. Speziell auf der Oberstufe, teilweise aber auch in der Primarschule. Deshalb hätten Oberstufenlehrpersonen eine Kleiderordnung erarbeitet.

«Die empfohlenen Regeln dienen als Orientierungshilfe für Eltern, Kinder und Jugendliche», sagt Mäder. Die Lehrer hätten die neuen Regeln mit den Klassen besprochen und seien auf Verständnis gestossen. «Auch die Eltern finden sie hilfreich, wenn sie selber Diskussionen mit ihren Kindern haben», sagt Mäder. Sanktionen hätten bisher keine ergriffen werden müssen: «Lehrpersonen suchen das Gespräch mit den Jugendlichen und appellieren an ihre Einsicht.»

Anständig und zweckmässig

In der kantonalen Verordnung über die Volksschule wird die Kleidung in Artikel 24 thematisiert. Dieser lautet: «Die Eltern tragen die Verantwortung dafür, dass ihre Kinder für den Unterricht und für Anlässe wie Schulreisen und Exkursionen ausgeruht, anständig bekleidet und zweckmässig ausgerüstet sind.» Viele Schulen berufen sich auf diesen Artikel. So werden etwa in Frick Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrern darauf hingewiesen, wenn sie nicht angemessen bekleidet in die Schule kommen.

«Der Ausschnitt verbirgt den BH»

Eine Zeichnung veranschaulicht die Regeln. Während des Unterrichts gehören weder Kappen noch Hüte auf den Kopf; von der Unterwäsche sieht man höchstens die Träger; der Ausschnitt muss bei Schülerinnen Ansatz und BH verbergen; das T-Shirt den Bauch und die Hosen die Unterwäsche. Sprüche, Bilder oder Symbole, die rassistisch oder sexistisch sind und Drogen oder Gewalt verherrlichen, sind in der Schule tabu. Ebenso will die Schulleitung nicht, dass die Schüler im Sommer barfuss zur Schule kommen.

In Neuenhof und in Frick hat die Lehrerschaft diverse Male über eine Kleiderordnung diskutiert, eine solche aber nie eingeführt: «Generell gelingt es, dass die Schülerinnen und Schüler angemessen gekleidet in der Schule erscheinen», sagt Renate Baschek, Gesamtschulleiterin in Neuenhof. Kommen Schüler unangemessen gekleidet in den Unterricht, werden sie darauf angesprochen und teilweise auch zur Schulleitung geschickt: «Die Schulleitung weist sie dann zum Beispiel darauf hin, dass kein Gesetz knappe Hosen verbiete, es aber als unangemessen gesehen wird und man mit unangenehmen Reaktionen rechnen muss», sagt Baschek. Solche Gespräche seien bis jetzt immer wirksam gewesen.

Kleidervorschrift gestrichen

Auch die anderen angefragten Schulen im Kanton verfügen über keine so detaillierten Empfehlungen wie die Schule Merenschwand. Die Regionalschule Lenzburg hat die entsprechende Vorschrift in der Schulordnung auf das aktuelle Schuljahr gestrichen. Sie lautete: «Die Schulkleidung unterscheidet sich klar von der Freizeitbekleidung. Freizügige Kleidung und das Tragen von Trainingsanzügen und Mützen während des Unterrichts werden nicht toleriert.» Eine solche Vorschrift lasse sich kaum einheitlich durchsetzen, sagt Schulleiter Edgar Kohler: «Deshalb sollte sie in einer Schulordnung auch nicht aufgeführt werden.» Es könne aber sinnvoll sein, in einer Klassenstunde über die Kleidung und ihre Wirkung auf andere zu diskutieren.

Das Gespräch ist auch in Wettingen wichtiger als Regeln. «In der Pubertät werden Grenzen ausgelotet und die Identität auch über Kleider gesucht und ausgedrückt», sagt Samuel Kern, der Geschäftsleiter der Schule.

Auch die Schulen Laufenburg, Suhr, Bremgarten und Muri haben keine Kleiderordnung und nie darüber diskutiert, eine solche einzuführen. «Im Schulbetrieb sind bis anhin keine Vorfälle aufgetaucht, die es notwendig gemacht hätten», sagt etwa Guido Wirth, Schulleiter in Bremgarten. Auch in Muri sei die Kleidung «grundsätzlich kein Thema», sagt Gesamtschulleiter Hubert Anderhub. In Einzelfällen würde die Klassenlehrperson die Schüler darauf ansprechen. In Suhr sagt Gesamtschulleiterin Denise Widmer: «Wir haben keine Kleiderordnung, die Kinder sollen der Witterung angepasst erscheinen.» Das würden Kinder und ihre Eltern bereits im Kindergarten lernen. Danach könne Kleidung ein Unterrichtsthema sein, müsse aber nicht.

Schlabber-Shirts für den Notfall

Die Schule Seengen hat die Kleiderregel in der Schulordnung bewusst positiv formuliert. Sie lautet: «Das Tragen angemessener Kleidung ist für uns selbstverständlich.» Im Unterricht wird die Kleidung in der 2. Oberstufe im Hinblick auf die Vorstellungsgespräche thematisiert: «Im Zentrum stehen Fragen wie, was angebracht ist oder welche Kleidung wie wirkt», sagt Gesamtschulleiter Urs Bögli. Es gebe sehr wenig Streitfälle. Grundsätzlich wolle man vor allem bei Mädchen verhindern, dass sie sich allzu freizügig kleiden. Sollte das trotzdem vorkommen, hat die Schule vorgesorgt: «Wir haben ein paar XXL-T-Shirts, die Schüler anziehen müssen, die gegen die Kleiderregelung verstossen», sagt Bögli. Oft würden sich die Schüler anschliessend freiwillig umziehen, weil sie nicht in diesem T-Shirt umherlaufen wollen. 

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