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Der Angreifer mit der Kettensäge fühlte sich von «Geisterkräften» bedroht



Mit einer Kettensäge bewaffnet stürmte ein Mann im Juli 2017 die Schaffhauser Filiale der CSS-Versicherung. Heute Mittwoch muss sich der mittlerweile 53-Jährige vor Gericht verantworten.

Am Vormittag des 24. Juli 2017 herrschte in der Schaffhauser Vorstadt Panik: Ein Mann hatte mit einer Kettensäge die Büros der CSS-Versicherung gestürmt und gezielt Angestellte angegriffen. Zwei Mitarbeiter wurden durch die Säge verletzt, zwei zufällig anwesende Kunden erlitten einen Schock.

Als die Polizei beim Tatort eintraf, hatte der Angreifer bereits das Weite gesucht und war zum Bahnhof geflüchtet. Er schaffte es, unerkannt bis nach Thalwil am Zürichsee zu fahren, wo er einen Tag später festgenommen wurde. Bei seiner Verhaftung trug er in einer Einkaufstasche zwei Pistolen-Armbrüste mit sich, die mit 16 Zentimeter langen Pfeilen geladen waren.

Nach rund acht Monaten im Gefängnis sitzt der Mann mittlerweile in der forensischen Psychiatrie in Rheinau ZH, unweit von Schaffhausen. Geht es nach dem Staatsanwalt, soll er dort auch bleiben. Er beantragt eine Verurteilung wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung, wegen Schuldunfähigkeit aber eine stationäre Massnahme nach Artikel 59, also eine kleine Verwahrung.

Im Juli 2017 versetzte der Beschuldigte die Schaffhauser Vorstadt in Panik. Mit einer Kettensäge bewaffnet stürmte er in die Filiale der CSS-Versicherung und griff gezielt Mitarbeiter an. (Archiv)

Der Angriff geschah in der CSS-Filiale von Schaffhausen. Bild: KEYSTONE

Gemäss Gutachten hat der Täter eine schwere paranoide-halluzinatorische Schizophrenie. Der 53-Jährige sei deshalb nicht in der Lage gewesen, sein Unrecht zu erkennen oder seine Tat zu steuern, heisst es in der Anklageschrift.

«Geisterkräfte» griffen ihn an

Auslöser für den Angriff auf die Versicherung war die Tatsache, dass er keine Leistungen zugesprochen erhielt. Seit einem Autounfall lag er unablässig mit der CSS im Clinch. Er verlangte Gelder in Millionenhöhe und verstand nicht, weshalb er diese nicht erhielt.

Kurz vor dem Angriff suchte er zwei Mal die CSS-Filiale in Schaffhausen auf, um den Diebstahl seines Reisegepäcks inklusive Portemonnaie zu melden. Er bekam die erhofften 8000 Franken jedoch nicht, weil er seit längerem gar keine Prämien mehr zahlte.

Gemäss Anklageschrift war der Beschuldigte nach diesen Terminen der Ansicht, dass die CSS-Mitarbeitenden ihn mit «Geisterkräften» angreifen würden. Diese Einwirkung von «Geisterkräften» erlangte am Abend vor dem Angriff ihren Höhepunkt. Er dachte, er müsse sterben, weshalb er sich zum Angriff entschloss.

Seit dem Jahr 2016 hatte der verwahrlost wirkende Mann hauptsächlich im Wald bei Schaffhausen gelebt, in einem VW-Lieferwagen. Er wurde in der Vergangenheit bereits zwei Mal wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz verurteilt. Beide Male erhielt er eine Geldstrafe.

Die CSS ist in Schaffhausen heute nicht mehr in der Vorstadt ansässig. Sie gab die dortigen Büros aus Pietätsgründen auf und suchte sich eine neuen, unbelasteten Standort. (sda)

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