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Und täglich grüsst der «Ghetto-Zug»

Sprayer-Gangs machen selbst vor Familienwagen nicht Halt: Wegen der verzögerten Ablieferung der Bombardier-Pannenzüge müssen die SBB versprayte Kompositionen länger als normal durchs Land fahren lassen. «Mir blutet das Herz», sagt SBB-Kadermann Toni Häne. Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer.



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Kinder gucken in die Röhre: Versprayter SBB-Familienwagen am Zürcher Hauptbahnhof. Die Fotos sind verpixelt, damit Sprayer keine Plattform erhalten. bilder: watson

Versprayte Fensterscheiben, verschmierte Türen, übermaltes SBB-Logo: Wer von Bern nach Zürich pendelt, steigt mitunter mehrmals pro Woche in einen Zug ein, der alles andere als eine Visitenkarte für den Schweizer ÖV darstellt.

Die Sprayer-Gangs schrecken selbst davor nicht zurück, die Fenster der Familienwagen zu verschmieren. Statt die Landschaft zu bestaunen, gucken die Reisenden buchstäblich in die Röhre. «Das sieht aus wie ein Ghetto-Zug», sagt ein Vater im Intercity zum watson-Reporter.

«Mir blutet das Herz, wenn ich die versprayten Züge sehe»

Toni Häne, SBB

Keine Rollmaterial-Reserven wegen Pannenzug

Dass die Passagiere in versprayte Züge steigen müssen, liegt nicht nur an der steigenden Zahl von Vandalenakten. Sondern an der über sechs Jahre verspäteten Ablieferung des Bombardier-Pannenzugs FV-Dosto: «Im Moment haben wir nicht genug Rollmaterial, um die verschmierten Kompositionen sofort aus dem Verkehr ziehen zu können. Mir blutet das Herz, wenn ich die versprayten Züge sehe», sagt Toni Häne, Chef SBB Personenverkehr, zu watson.

Einst schickten die SBB vollgemalte ICs innert 24 Stunden zur Reinigung ins Depot. Heute fahren Intercity-Kompositionen tagelang verschmiert auf der Paradestrecke IC1 durch die Schweiz. Das wird sich so bald nicht ändern: Laut Häne verfügt die SBB erst wieder über die nötigen Reserven in der Zugflotte, wenn weitere FV-Dosto abgeliefert sind.

Den Bahnen machen die Sprayer immer mehr zu schaffen. 2017 zählten die SBB 1937 Graffitis, 2018 stieg diese Zahl auf 2507. Die Reinigungskosten beliefen sich auf gegen 6 Millionen Franken. Für 2019 können die SBB noch keine Zahlen herausgeben. «Zudem werden viel grössere Flächen versprayt», so ein SBB-Sprecher.

Bilder aus dem Pendler-Alltag

An Beispielen mangelt es nicht. Der watson-Reporter knipste in den vergangen Wochen auf seinem Arbeitsweg von Bern nach Zürich unzählige Graffitis. Nachfolgend einige Beispiele. Diese sind verpixelt, damit die Sprayer keine Plattform erhalten:

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Nicht nur die SBB, auch die BLS kämpfen mit dem Aktionismus der Sprayer-Gruppen. 2018 wurden 341 Wagen verschmiert, was der Fläche eines Fussballfeldes entspricht. «Das ist ein trauriger Rekord», so ein BLS-Sprecher zu 20 Minuten. 2019 bewegen sich die Zahlen in einem ähnlichen Ausmass. Immerhin verzeichnet die BLS heuer keine weitere Zunahme der Schmierereien.

Für Karin Blättler, Präsidentin Pro Bahn, sind die verschmierten Züge zwar ein Ärgernis. «Mir ist lieber, es fährt angesichts der angespannten Rollmaterialsituation ein versprayter Zug, als gar keiner».

Neben den zusätzlichen FV-Dostos gibt es einen weiteren Hoffnungsschimmer, dass künftig weniger versprayte Züge in der Schweiz herumkurven. «Die neuen Züge erhalten eine Speziallackierung, auf welcher sich Graffitis einfacher abwaschen lassen», sagt Toni Häne. Die vielen Sprayereien seien schlussendlich ein gesellschaftliches Problem, gegen das die SBB nicht alleine ankomme, hält der SBB-Kadermann fest.

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quelle: foto service sbb / str
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SBB-CEO Andreas Meyer räumt Fehler ein

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