Schweiz
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Wie das Labor Spiez ins Visier der Russen geriet – 5 Fragen und Antworten



epa06936924 (FILE) - Army officers remove the bench, where Sergei Skripal and his daughter Yulia were found, in Salisbury, Wiltshire, Britain, 23 March 2018 (reissued 09 August 2018). According to media reports on 09 August 2018, the US government has stated it will impose sanctions on Russia after it was found at fault for the Novichok nerve agent attack which poisoned Sergei Skripal and his daughter Yulia on 04 March 2018.  EPA/WILL OLIVER

Die Bank, auf der Sergej Skripal und seine Tochter gefunden wurden, wird unter hohen Sicherheitsvorkehrungen entfernt. Bild: EPA/EPA

Die Skripal-Affäre hat die Schweiz erreicht. Recherchen des «Tages-Anzeigers» und des holländischen «NRC Handelsblad» haben ergeben, dass zwei russische Agenten das Labor Spiez im Berner Oberland im Visier hatten. Sie wurden aber im Frühjahr verhaftet.

Was ist passiert? Hier die 5 wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Entwicklungen in der Skripal-Affäre:

Was ist passiert?

Im Frühling werden in Den Haag zwei mutmassliche russische Spione verhaftet. Beteiligt an der Aktion war auch die Schweizer Spionageabwehr des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB). NDB-Sprecherin Isabelle Graber bestätigt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass es um die «Verhinderung illegaler Aktionen gegen eine kritische Schweizer Infrastruktur» gegangen sei.

Laut den Recherchen der Zeitung handle es sich bei der Schweizer Infrastruktur um das Labor Spiez. Die russischen Agenten hätten die Schweizer Institution auskundschaften wollen. Das Labor selbst bestätigt diese Information nicht.

Die beiden Männer wurden mittlerweile von den Niederlanden nach Russland zurückgeschafft. Warum ihnen weder in den Niederlanden der Prozess gemacht wurde und sie auch nicht in die Schweiz ausgeliefert wurden, ist unbekannt.

Was ist das Labor Spiez?

Das Labor im Berner Oberland ist eine der renommiertesten Einrichtungen der Schweiz und wird vom Bund betrieben. Laut der Website werden dort 99 Personen beschäftigt deren Aufgabe es ist, sich «auf wissenschaftlich-technischer Ebene mit den Gefährdungen durch ABC-Ereignisse und deren möglichen Auswirkungen» auseinander zu setzen.

Weiter beteiligt sich das Labor an internationalen Missionen im Bereich der Rüstungskontrolle und am Umweltschutz. Zu den Kunden des Labors gehören unter anderem die Schweizer Armee, die Weltgesundheitsorganisation und die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW).

ARCHIVBILD VOM LABOR SPIEZ, DASS VON ZWEI VERHAFTETEN RUSSISCHEN SPIONEN HAETTE AUSSPIONIERT WERDEN SOLLEN, AM FREITAG, 14. SEPTEMBER 2018 - Das neue biologische Sicherheitslabor auf dem Gelaende des Labors Spiez, am Donnerstag, 24. Juni 2010 in Spiez im Berner Oberland. Das Labor wird nach einer Testphase 2011 den Betrieb aufnehmen.
Das neue Labor, welches nach 10-jaehriger Planungszeit fuer knapp 29 Millionen Franken gebaut wurde, wird die erste Anlage der Schweiz sein, welches Erreger der Risikogruppe 4 untersuchen kann. Die Erreger dieser Gruppe sind medizinisch nicht behandelbar, wie Ebola- oder Marburgviren. (KEYSTONE/Alessandro della Valle

Das biologische Sicherheitslabor in Spiez. Bild: KEYSTONE

In einem OPCW-Test schnitt das Labor 2006 mit Bestnote ab und 2009 wurde es von der UNO für seine umwelttechnischen Abklärungen mit dem «Green Star Award» ausgezeichnet.

Wie kam die Schweiz ins Visier der Russen?

Nach der Giftattacke auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter ordnete die OPCW eine Untersuchung von Blutproben der Opfer an. In vier geheimen Labors wurden die Proben untersucht. Das Schweizer Labor gehörte wohl dazu.

Die Labors bestätigten später, dass es sich beim eingesetzten Stoff um das Nervengift Nowitschok handelte. Daraufhin beschwerte sich der russische Aussenminister Sergei Lawrow, das Labor Spietz hätte unterschlagen, dass in den Blutproben auch der Kampfstoff BZ gefunden worden sei.

Das Schweizer Labor verteidigte sich daraufhin auf Twitter, dass die Standards solcher Tests sehr hoch und die Resultate vertrauenswürdig seien.

Ausserdem werden im Labor in Spiez auch Proben aus Syrien untersucht. Dem von Russland unterstützten Assad-Regime wird seit längerem Vorgeworfen, verbotene Kampfstoffe gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen. Russland hätte also in beiden Fällen ein Interesse daran, vertrauliche Informationen aus dem Labor zu akquirieren. 

Wie sicher ist das Labor?

Spiez ist ein Sicherheitslabor. Da  hier neben Giftgasproben auch unheilbare Krankheitserreger erforscht werden, gelten höchste Sicherheitsmassnahmen. Auch die Zutrittskontrollen sind streng. Eine Auskundschaftung vor Ort dürfte sich als sehr schwierig erweisen.

Grössere Gefahr droht durch Cyber-Kriminalität. Laut «NRC Handelsblad» trugen die beiden Russen Ausrüstung auf sich, um in das Computernetzwerk des Labors eindringen zu können.

Erst im Juli geriet das Labor in Spiez im Zusammenhang mit einem Hacker-Angriff in die Schlagzeilen. Im Vorfeld einer Tagung hatten Hacker unter einer gefälschten Email-Adresse des Labors ein Word-Dokument versendet. Das Dokument enthielt ein verstecktes Schadprogramm. 

Der Virologe Marc Strasser arbeitet im Schutzanzug an einer Virusanzucht am Sicherheitswerkbank im Biosicherheitslabor, am Mittwoch, 19. November 2014, im Labor in Spiez. Im biologischen Hochsicherheits-Labor befinden sich verschiedenste Spezies von Ebola. Die Arbeit der Wissenschaftler in den gelben Sicherheitsanzuegen besteht darin, anhand mehrerer Methoden die Erbsubstanz des Virus nachzuweisen sowie die Antikoerper des Erregers im Blutserum eines eventuell infizierten Menschen festzustellen. (KEYSTONE/Peter Schneider) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Das Labor in Spiez ist nicht nur gut gegen Gefahren von Aussen geschützt, sondern auch im Inneren gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen. Bild: KEYSTONE

Das Labor hatte daraufhin seine Sicherheit im Cyber-Bereich kontrolliert und kam zum Schluss, dass diese ausreichend gewährleistet sei. Der Angriff im Juli sei deshalb erfolglos geblieben. «Das Labor hat keinen Abfluss von Daten registriert», sagte Kurt Münger vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz damals dem «SonntagsBlick». 

Was passiert nun?

Die Bundesanwaltschaft hatte bereits Anfang 2017 in einem anderen Kontext ein Strafverfahren eröffnet. Dabei geht es um den Verdacht des politischen Nachrichtendienstes. Im Rahmen dieses Strafverfahrens hätten in Zusammenarbeit mit dem NDB die beiden Männer identifiziert werden können. 

Die beiden Russen wurden inzwischen aber wieder nach Russland überführt, eine Auslieferung in die Schweiz hat keine stattgefunden. Auch politische Sanktionen wurden bisher keine angekündigt. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen laut eigenen Angaben aber auf die beiden in Den Haag verhafteten Männer ausgedehnt.

(Mit Material der sda)

Russland ist «höchstwahrscheinlich» verantwortlich

Video: srf

Die Chronik im russischen Doping-Skandal

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