Schweiz
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ARCHIVBILD ZUR JAHRESZAHLEN-MK 2018 VON SRF, AM DONNERSTAG, 10. JANUAR 2019 ----  Die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler spricht an der Medienkonferenz, aufgenommen am Montag, 5. November 2018 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Nathalie Wappler bei Ihrer Vorstellung als designierte SRF-Direktorin im November 2018 in der Pädagogischen Hochschule Zürich. Bild: KEYSTONE

Offen gesagt

Liebe Frau Wappler, so verhindern Sie den nächsten Fall Projer ...

Nach Steffi Buchli, Roman Kilchsperger und anderen läuft auch «Arena»-Chef Jonas Projer zur privaten Konkurrenz über. Tiefe Löhne und ein Manko an Star-Huldigung werden gern als Gründe für Star-Abgänge angeführt. Alles Humbug.



Liebe Frau Wappler

«Arena»-Chef Jonas Projer hat gekündigt. Knapp einen Monat bevor Sie am 15. März die Nachfolge von Ruedi Matter als SRF-Direktorin antreten, um die Deutschschweizer Radio- und TV-Programme der SRG zu managen.

Projer geht zu BlickTV und er ist nicht der einzige Star, der SRF in eine unkonzessionierte Zukunft verlässt oder verlassen hat. Steffi Buchli hat zu UPC MySports gewechselt, Roman Kilchsperger zu TeleClub, Matthias Hüppi zum FC St.Gallen, Annina Frey hinters DJ-Pult und Urs Gredig zu CNN Money Switzerland.

Der Boulevard führt als Gründe für den Exodus jeweils an, dass die Löhne bei SRF zu tief seien und dass die Chefs ihren Stars zu wenig Honig ums Maul streichen. In Deutschland täte das nicht passieren, da seien die Saläre für Starpersonal nicht gedeckelt und die Sender-Chefs überraschten ihre Aushängeschilder auch mal mit einem hübschen kleinen Champagner-Frühstück, um allfälligen narzisstischen Kränkungen vorzubeugen.

Geld und Champagner werden im Fall von SRF das Problem aber nicht lösen. Die abgegangenen SRF-ModeratorInnen haben diejenigen Jobs aufgegeben, die ihnen die grössten Bekanntheitsgrade und damit die höchsten Moderationsgagen für Privat-Engagements garantiert hatten.

Sie wechselten in Chefredaktionsposten, in Kindheitstraum-Jobs oder in die Selbstständigkeit. Das ist natürlich kein Zufall.

Die SRG im Allgemeinen ist eine Organisation, deren Auftrag in der politischen Schwebe liegt und Ihr SRF im Speziellen ist eine Organisation, die auf den angestammten Kanälen Radio und TV über keine Perspektive auf Wachstum mehr verfügt und finanzielle Ressourcen einsparen muss.

Oder anders: Sie übernehmen eine Organisation ohne Mission und ohne Wachstums-Perspektive, was für eine Managerin das Worst-Case-Szenario ist.

In einem solchen Gebilde ohne Mission besteht für die Mitarbeitenden der Sinn der Arbeit im Grunde nur noch darin, die eigene Position zu halten. Und weil das bei gleichzeitig ausbleibendem Wachstum nur geht, wenn niemand anders an einem vorbeizieht, werden alle diejenigen Mitarbeiter blockiert und gemobbt, die initiativ sind und sich weiterentwickeln wollen.

Wie Annina Frey, die nicht weitere zehn Jahre G&G moderieren wollte. Wie Steffi Buchli, die Chefin werden wollte, oder Kilchsperger, der immer schon Fussball-Sendungen moderieren wollte.

Und die gehen dann eben, wenn sie sich woanders verwirklichen können. Chlütter oder Chlöpfmoscht hin oder her.

Was können Sie also tun? Gegen die Perspektivlosigkeit hinsichtlich Reichweiten- oder Gebührenwachstum leider nichts. Aber bezüglich Mission können Sie sich den politischen Deutungsstreit zwischen links und rechts um Wesen und Aufgabe von SRG und SRF zu Nutze machen.

Ignorieren Sie alle Chefs, alle politischen Bedenkenträger oder Parolen und schwören Sie Ihre Truppe auf eine sinnstiftende Mission ein, die Sie glaubwürdig verkörpern können.

Es ist die beste Chance, Ihre Leistungsträger halten zu können. Und die einzige, die Sie haben.

Liebe Grüsse und viel Glück!

Maurice Thiriet

«Wenn Scheissdreck das passende Wort ist, soll man es sagen»

Video: watson/Emily Engkent, Lya Saxer

Medienpionier Roger Schawinski

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