Schweiz
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Wie man die Krise bewältigt und die Folgen des Lockdowns – das schreibt die Sonntagspresse



Die Diskussionen rund um die Exit-Strategie der Schweiz beim Coronavirus, die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft und die Auswirkungen auf die Altersheime und Schulen: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen. Die Schlagzeilen in der Übersicht:

Berset gegen Lockerung des Lockdowns

Bundesrat Alain Berset hält einen baldigen Ausstieg aus dem Lockdown für unrealistisch. Am Mittwoch will sich der Bundesrat zwar ein erstes Mal über die Möglichkeiten eines Exit unterhalten. Aber Berset sieht den Zeitpunkt für einen Exit-Entscheid noch nicht gekommen. «Im Moment scheint es illusorisch, dass wir auf den 20. April viel ändern können», sagte Berset in einem Interview mit der «Sonntagszeitung».

Bundesrat Alain Berset, rechts, und Daniel Koch, Leiter Abteilung uebertragbare Krankheiten BAG, diskutieren vor einem Besuch im Coronavirus

Daniel Koch und Alain Berset im Gespräch, 31. März. Bild: KEYSTONE

«Erst wenn die Zahlen der Infizierten und der Spitaleintritte eindeutig sinken, können wir an Lockerungen denken.» Die Erfahrung zeige, wer zu früh nachlasse, verlängere die Krise. Der Gesundheitsminister will gar noch härtere Massnahmen bis zu einer Ausgangssperre über Ostern nicht ausschliessen, wenn die Disziplin der Bevölkerung nachlasse.

Gössi will partielle Ladenöffnung

Die FDP-Präsidentin Petra Gössi fordert, dass alle Geschäfte wieder öffnen sollen, die die Sicherheitsmassnahmen des Bundesamts für Gesundheit einhalten können: den Abstand von zwei Metern für alle Personen im Laden und sämtliche Hygienevorschriften. «Wenn wir das nicht machen, setzen wir das Verständnis für die Massnahmen des Bundesrats unnötig aufs Spiel», erklärt Gössi in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Ausserdem sorgt sich die Freisinnige um die Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen. «Ich fordere, dass die Volksschulen insbesondere auf der Unter- und Mittelstufe nach den Frühlingsferien ihren Betrieb wieder aufnehmen.»

Der Ruf nach Exit-Szenarien

Hinter den Kulissen wird derweil fieberhaft darum gerungen, wie die Wirtschaft schrittweise geöffnet werden kann. Die Präsidenten des Arbeitgeberverbands, des Industrieverbands Swissmem und des Gewerkschaftsbundes fordern den Bundesrat unisono dazu auf, Szenarien zu präsentieren. Grund sind die explodierenden Arbeitslosenzahlen. «Der Bundesrat muss jetzt eine Strategie entwickeln, bei der auch die wirtschaftlichen und die gesellschaftlichen Risiken eine Rolle spielen», sagte Pierre-Yves Maillard, Präsident des Gewerkschaftsbundes, gegenüber der «SonntagsZeitung».

Ein bisschen Spass muss sein: 19 frische Corona-Memes:

Schüler lernen deutlich weniger

Erstmals zeigt eine Studie auf, wie sich der Lockdown auf das Lernverhalten der Schüler auswirkt. «Rund ein Drittel ist sehr gut unterwegs, bei einem weiteren Drittel hält sich das zeitliche Engagement im Rahmen, bei einem Drittel hingegen wird es kritisch», sagte Stephan Huber, Leiter Forschung und Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule Zug, in der «NZZ am Sonntag».

Quality Repeat: Stuehle auf den Tischen in einem Klassenzimmer der Primarschule in Moosseedorf, am Montag, 16. Maerz 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: KEYSTONE

Er hat das «Schul-Barometer» lanciert; eine Umfrage bei Schülern zwischen 10 und 19 Jahren, Pädagogen und Eltern in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Die Auswertung zeigt: Im Mittel verbringen die Schüler derzeit knapp 18 Stunden pro Woche mit Lernen, deutlich weniger als im regulären Schulbetrieb.

Prekäre Situation in Altersheimen

Die Situation in den Schweizer Altersheimen ist prekär. Im Kanton Genf melden bereits 22 von 54 Einrichtungen infizierte Bewohner. Im Kanton Bern haben sich allein in einem Pflegeheim 20 der 67 Bewohner sowie neun Angestellte angesteckt. Und die Todesfälle nehmen rasant zu, wie die «SonntagsZeitung» schreibt.

Im Kanton Waadt forderte Covid-19 bis vor zwei Tagen insgesamt 105 Menschenleben, 48 davon in einem Altersheim. Auch im Wallis lag die Quote fast bei 50 Prozent, in Neuenburg gar über 70 Prozent. Pflegende beklagen zum Teil haarsträubende Verhältnisse.

Drogenkonsum nimmt zu

Experten warnen vor einer unerwarteten Folge des Lockdowns: Langeweile und Isolation verstärken die Gefahr von Drogen und von Sucht erzeugenden Verhaltensweisen. «Wir gehen von einer Zunahme der Süchtigen aus», sagte Markus Meury von Sucht Schweiz gegenüber dem «SonntagsBlick».

ZU MEDROPHARM STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL VON DER CBD HANF ERNTE ZUR VERFUEGUNG --- Medropharm employees harvest CBD hemp plants in Kradolf-Schoenenberg, Canton of Thurgau, Switzerland, on October 18, 2018. Medropharm specialises in the extraction, production and marketing of pharmaceutical grade cannabinoids and cannabinoid-containing products. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

CBD-Ernte in der Schweiz in Kradolf-Schönenberg. Während des Lockdowns nimmt der Konsum von CBD in der Schweiz zu. Bild: KEYSTONE

Andere Suchtberatungsstellen bestätigen den Trend. Die Pandemie bedeutet für suchtgefährdete und einsame Menschen eine grosse Gefahr – jenseits des Risikos, an Covid-19 zu erkranken. «Wenn keine soziale Kontrolle da ist, sieht man die Lösung seiner Probleme schneller im Konsum», betont Suchtfachmann Meury weiter. Seit Beginn der Krise nehmen die Verkäufe von Tabak, Alkohol oder legalem Cannabis zu, wie eine Umfrage des «SonntagsBlick» zeigt.

Zuhause kochen boomt

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Sieht's bei euch zuhause auch so gut aus? Bild: twitter

Der Lockdown führt in der Schweiz zu einem völlig neuen Konsumverhalten. Die Restaurants sind zu, die Take-Aways werden gemieden, dafür erlebt das Kochen zuhause eine Renaissance. «Über den Detailhandel verkaufen wir derzeit geschätzt zwischen 20 und 30 Prozent mehr Gemüse», sagt Roger Mäder von Swisscofel, dem Verband der Gemüse-, Früchte- und Kartoffelhänder, gegenüber der «NZZ am Sonntag.» Etliche Lieferanten des Detailhandels hätten ihren Schichtplan angepasst, damit sie der Nachfrage gerecht werden.

Kochst du jetzt öfter zu Hause?

95'000 Anträge von Selbständigen

Die Corona-Hilfe für Selbständige stösst auf grosse Nachfrage. Bei den Ausgleichskassen sind innerhalb von zwei Wochen bereits 95'000 Anträge eingegangen. Dies erklärt Andreas Dummermuth, Präsident der kantonalen Ausgleichskassen, gegenüber der «NZZ am Sonntag». Der Bund bezahlt ein Taggeld von maximal 196 Franken. Von dieser Entschädigung profitieren Selbständige, die ihren Betrieb schliessen mussten, sowie Freischaffende, deren Engagement annulliert wurde. Einen Anspruch haben zudem Erwerbstätige, die wegen einer Quarantäne oder der Betreuung ihrer Kinder nicht mehr arbeiten können.

SP plant für die Zeit nach Corona

Die Sozialdemokraten tüfteln an einem Grundsatzpapier für die Zeit nach Corona, das nach Ostern erscheinen soll. Die Stossrichtung sei aber definiert, wie der Präsident der Bundeshausfraktion, Roger Nordmann gegenüber «SonntagsBlick» bestätigte.

Nationalrat Roger Nordmann, SP-VD, spricht waehrend einer Medienkonferenz ueber die Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) zu Crypto AG, am Freitag, 14. Februar 2020 im Bundeshaus, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Roger Nordmann. Bild: KEYSTONE

Zuerst will die SP die Krankenkassenprämien plafonieren, damit die hohen Kosten der Krisenbewältigung nicht direkt auf die Budgets der Haushalte durchschlagen. Umso wichtiger sei die Stützung des Konsums: «In dieser Situation wären explodierende Prämien verheerend.» Der Bund müsse die diesjährigen Mehrkosten im Gesundheitswesen vollumfänglich decken. In einem weiteren Schritt fordert die SP ein milliardenschweres staatliches Investitionsprogramm.

Wie weiter mit der Luftfahrt?

Am Mittwoch entscheidet der Bund über Hilfen für die Luftfahrt. Erarbeitet werden die Massnahmen von einer Taskforce unter Führung des Direktors der Finanzdirektion (EFD), Serge Gaillard, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Dabei sind neben der Swiss und den flugnahen Betrieben auch Vertreter der Kantone Zürich, Basel und Genf. Das Ziel: Die Luftfahrtinfrastruktur des Landes so aufrecht zu erhalten, dass sie nach der Corona-Krise wieder hochgefahren werden kann. Insgesamt geht es um rund drei bis fünf Milliarden Franken.

(jaw/sda)

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