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Anna Omlin und Noemi Weingand müssen sich noch an die Schutzkonzepte gewöhnen und sind sich nicht sicher, wie lange diese strikt eingehalten werden können. bild: montage watson

So gut funktionieren die Schutzkonzepte in der Schule – zwei Lehrerinnen erzählen

Seit Montag sind die Kinder und Jugendlichen der obligatorischen Schulen wieder in die Klassenzimmer zurückgekehrt. Die Schutzkonzepte einzuhalten ist nicht immer einfach. Eine Primar- und eine Oberstufenlehrerin erzählen.



Anna Omlin, Sekundarlehrerin, Giswil

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Mein erster Tag nach dem Fernunterricht hat am Montag bereits um 7:20 Uhr begonnen. Natürlich mit Abstand zu den 26 Oberstufenschülerinnen und -schülern. Sie hingegen sitzen nebeneinander oder gegenüber. Für mehr Abstand ist zu wenig Platz. Vor meinem Pult sind die zwei Meter mit einem Klebeband markiert, direkt davor sitzen die ersten Schüler. Um ins Schulhaus zu gelangen, müssen sie zudem die zugeteilten Eingänge benutzen und im Gang soll Links- und Rechtsverkehr herrschen, damit sich die Jahrgänge nicht durchmischen. Nach dem Unterricht müssen die Schülerinnen und Schüler jeweils ihre Sitzplätze mit Oberflächenreiniger putzen.

In der Realität ist die Umsetzung des Schutzkonzepts etwas schwierig. Im Gang können sie den Abstand nicht einhalten, weil es zu eng ist. Auch während der Pause ist es mit einer Aufsichtsperson fast nicht möglich zu kontrollieren, ob die verschiedenen Jahrgänge miteinander in nahen Kontakt kommen. Da ich mich im Schulzimmer möglichst nicht bewegen sollte, rufen die Schüler ihre Fragen quer durch den Raum, während ihre Mitschüler sich konzentrieren sollten. Probiere ich mit zwei Metern Abstand dem Schüler etwas zu erklären, kann ich oftmals die Lösungen auf dem Arbeitsblatt des Schülers nicht lesen und kann schlecht weiterhelfen. Zudem kann ich mich nicht mal am Rande des Schulzimmers bewegen, ohne die Abstandsregel nicht zu missachten.

Die Schüler probieren, sich so gut wie möglich an die Regeln zu halten. Für sie ist es aber ebenfalls schwer, nachzuvollziehen, dass wir im Sportunterricht keine Sportarten mit Körperkontakt ausüben dürfen, obwohl sie im Schulzimmer dicht nebeneinander sitzen. Man hört dementsprechend auch mal Sprüche wie «ach Mann der scheiss Abstand, scheiss Corona, das bringt doch nichts.»

Für mich ist die Situation auch nicht einfach. Die letzten Tage bin ich jeweils extrem erschöpft nach Hause gekommen. Es ist anstrengend, immer an die Schutzmassnahmen zu denken. Ich will helfen und ihnen die Dinge bestmöglich erklären und gleichzeitig denke ich jede Sekunde daran, dass ich ihnen nicht zu nahe kommen darf. Ich mache mir Gedanken darüber, ob es die Schüler ihren Eltern erzählen, falls ich den Abstand versehentlich nicht eingehalten habe.

Besonders heute war der Umgang mit den Schutzmassnahmen eine Herausforderung: Ich hatte ein schwieriges Gespräch mit einer Schülerin und wäre für dieses gerne etwas näher neben ihr gesessen, um sie zu unterstützen. Die Rückkehr war nicht für alle einfach. Gerade schwächere Schüler mit wenig Unterstützung und technischen Möglichkeiten im Elternhaus hatten Mühe im Fernunterricht und konnten sich vieles nicht aneignen – da hat sich das Problem der Chancenungleichheit ganz klar gezeigt.

Dass wir nun bis Semesterende noch Noten schreiben müssen, ist ein zusätzlicher Druck. Die Wochen der Schülerinnen sind praktisch voll mit Prüfungen. Jede Lehrpersonen will ihnen nun möglichst die Chance geben, schlechte Noten zu kompensieren. Sie haben zudem die Prüfungssituation und das Lernen nicht mehr intus und müssen innerhalb kurzer Zeit wieder viel leisten. Unter dieser Doppelbelastung leiden viele und ich bin sicher, dass es gewisse sogar sehr stark belasten wird.

Die Schutzmassnahmen über längere Zeit einzuhalten, wird schwierig. Ich merke jetzt bereits, dass man automatisch immer etwas mehr in den «alten» Schulunterricht und die Normalität zurückfällt.

Noemi Weingand, Primarschullehrerin (3./4. Klasse), Stadt Bern

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bild: zvg

Ich habe mich sehr gefreut, die Kinder wiederzusehen und wieder mit dem Präsenzunterricht zu starten. Auch wenn der Fernunterricht ziemlich gut lief war es schade, dass man die Kinder nicht sehen konnte. So fand ich es wirklich toll, alle wieder zu treffen und gemeinsam mit ihnen in die letzten acht Wochen zu starten.

Am Montagmorgen kamen die Kinder dann gestaffelt in die Schule. Damit nicht alle gleichzeitig aufeinandertreffen, müssen sie zwischen 8:10 Uhr und 8:30 Uhr eintrudeln. Im Klassenzimmer angekommen, müssen sie jeweils direkt ihre Hände waschen. Hierfür habe ich einen Händewaschplan erstellt, damit sich vor dem Lavabo keine Gruppen bilden. Auch die Arbeitsflächen werden alle im Vorfeld desinfiziert.

Während den ersten beiden Tagen hat der Unterricht in Halbklassen und nur während je drei Lektionen stattgefunden. Ich habe mit den Kindern die neuen Regeln angeschaut und mir ein Bild davon gemacht, wo die Kinder mit dem Unterrichtsstoff stehen. Ausserdem haben wir ein paar Begriffe, die im Zusammenhang mit der Pandemie aufgetaucht sind, besprochen. Viele wussten bereits gut Bescheid und brachten viel Vorwissen mit.

Ich muss gemäss Schutzkonzept gegenüber den Schülerinnen und Schülern den Abstand einhalten. Deshalb habe ich diesen mit Klebeband vor meinem Pult markiert. Unter den Kindern gilt vor allem, dass sie sich nicht mit anderen Klassen mischen. Die Pausen werden daher gestaffelt durchgeführt und es ist geregelt, wer welchen Eingang bzw. Ausgang benutzt. Fussballspielen oder «Fangis» ist derzeit während den Pausen leider nicht erlaubt, nur Spiele ohne Körperkontakt. Dasselbe gilt im Turnunterricht. Dieser soll wenn möglich draussen abgehalten werden. Sportgeräte können leider nicht wirklich benutzen werden. Sportarten ohne Körperkontakt stehen nun im Vordergrund, wie zum Beispiel das Tanzen.

Die Schüler und Schülerinnen freuten sich, wieder in die Schule zukommen. Trotzdem war es für viele eine Enttäuschung, dass der Sportunterricht nun anders stattfindet und sie ihren Freunde aus anderen Klassen teils in der Pause nicht mehr begegnen. Sie verstehen die Situation aber ziemlich gut und geben ihr Bestes, die Regeln einzuhalten. Für uns Lehrpersonen ist es teilweise anstrengend, da wir einerseits selber immer an die Massnahmen denken müssen und andererseits die Kinder regelmässig darauf aufmerksam machen sollen, sie einzuhalten. Wir alle müssen uns zuerst daran gewöhnen.

Normalerweise komme ich den Kinder während des Unterrichts sehr nahe. Dass ich jetzt mit ausgestrecktem Arm das Lösungsheft übergeben und mit Abstand einem Kind eine Frage erklären muss, fühlt sich noch sehr ungewohnt und komisch an.

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