Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A student painted her face with a slogan attends a protest of the Fridays for Future movement in Berlin, Friday, Oct. 18, 2019. (AP Photo/Markus Schreiber)

Junge Klima-Aktivistin, Angehörige eines schlecht manipulierbaren Wählersegments. Bild: AP

Kommentar

«We, not me!»: Was die Welt von der Schweiz lernen wird

1999 hat die Schweiz mit dem SVP-Erdrutschsieg eine weltweite Entwicklung vorweggenommen. Auch die heutige Reaktion auf den Rechtspopulismus wird Schule machen.



Vor 20 Jahren hat die SVP die Schweiz von rechts aufgerollt. Seither hat die Schweizerische Methode des Rechtspopulismus europaweit und auch in den USA Schule gemacht.

Die etablierten Mitte-Rechts- oder Mitte-Links-Systeme der Nachkriegszeit mit ihren arrivierten Volksparteien sind in ihrer Bequemlichkeit in Bedrängnis geraten. Überrollt von Bewegungen, die, unter verschiedenen historischen Voraussetzungen zwar, aber mit professionell und finanziell ähnlich aufwendig betriebenem Politmarketing, aufs Parkett getreten waren. Und damit zugunsten ihres «starken Mannes» und für den eigenen politischen Vorteil kontinuierlich versuchten, den gesellschaftlichen Diskurs zu verunmöglichen, das politische Klima zu vergiften und Minderheiten aggressiv zu diffamieren.

Das Resultat dieser Entwicklung sitzt heute in Deutschland mit der völkischen AfD unter Höcke in den Parlamenten, reist in Österreich mit Strache nach Ibiza, rebelliert in England mit Johnsons Leaver-Torys gegen den Friedensgaranten EU, will in Italien mit Salvinis Lega die Rassensegretation wieder einführen, schafft in Ungarn mit Orban die Grundrechte scheibchenweise ab und stellt in den USA unter Trump nicht nur die in Verfassung gegossene Aufklärung, sondern auch die lange gewachsene weltpolitische Machtbalance explosiv auf den Prüfstand.

Gewiss, so dramatisch sind die vergangenen 20 Jahre in der Schweiz nicht verlaufen. Die heutige historische, weil grösste Sitzverschiebung in der Geschichte der Schweiz hin zu den Grünen kann man auch nicht eins zu eins als Fanal einer weltweiten Reaktion auf aus dem Ruder gelaufene rechtsnationale Tendenzen interpretieren.

Doch die kleine Schweiz nimmt nach dem 24. Oktober 1999 auch am heutigen 20. Oktober 2019 einen Trend vorweg, der über die Landesgrenzen hinausgeht. Und zwar denjenigen der breiten Mobilisierung neuer Wählersegmente durch die Grassroot-Methoden der Klima- und Frauenbewegungen. Diese haben mit dem Frauenstreik und den «Fridays for Future» im Vorfeld der Wahlen 2019 mit einfachsten Mitteln Hunderttausende auf die Schweizer Strassen gebracht. Und nun auch an die Schweizer Urnen.

Diese neuen Wähler- beziehungsweise vielmehr Wählerinnensegmente verlangen unabhängig von kurzfristigen politischen Hypes nach einer gesellschafts- und umweltpolitisch integrativen und nachhaltigen «We, not me!»-Politik und lassen sich schlechter von den rechtspopulistischen Organisationen der starken Männer rekrutieren.

Diese beweisen regelmässig, dass sie die eigene Person und den Profit ihrer Financiers voranstellen – auf Kosten der Umwelt oder der Bevölkerung. Das ist in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, Italien, Ungarn oder den USA nicht anders als in der Schweiz.

Nur extremer.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Wahlen 2019: Das sind die Neuen in Bern

Valentina de Vos ist Reporterin des Tages

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Review

In der Kampfjet-«Arena» startet Amherd zum Höhenflug – nur eine kann sie vom Himmel holen

In der Abstimmungs-«Arena» überzeugte Verteidigungsministerin Viola Amherd alle – bis ihr SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf das Wasser abgrub.

Für Bundesrätin Viola Amherd (CVP) geht es am 27. September um alles oder nichts. Nachdem Amtskollege Ueli Maurer (SVP) 2014 mit der Gripen-Abstimmung eine Bruchlandung erlitt, liegt es nun an ihr, das Volk von einem 6-Milliarden-Franken-Kredit für die Schweizer Luftwaffe zu überzeugen. Ein zweites Nein würde den Verteidigungsauftrag der Schweizer Armee generell in Frage stellen. Das wiederholt Amherd seit Wochen in Interviews, das betonte sie auch bei SRF-Moderator Sandro Brotz in seiner …

Artikel lesen
Link zum Artikel