Schweiz
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epa07641160 Workers place a giant flag of Kosovo in the center of Pristina, Kosovo, 11 June 2019. On 12 June 2019 Kosovo will celebrate the 20th anniversary of the ending of the war and the entrance of NATO troops in Kosovo.  EPA/VALDRIN XHEMAJ

Die Ausland-Kosovaren kommen diesen Sommer nicht in ihre Heimat. Bild: EPA/EPA

Interview

Der Kosovo bleibt diesen Sommer leer: «Es drohen Einbussen ungeahnten Ausmasses»

175’000 Menschen mit Wurzeln im Kosovo leben in der Schweiz. Normalerweise würden sie jetzt «runter» zu ihren Verwandten fahren. Doch nicht dieses Jahr. Der Politiker Sami Kurteshi sagt, wie leer es im Kosovo derzeit aussieht.



Herr Kurteshi, wie sieht derzeit die Corona-Situation im Kosovo aus?
Sami Kurteshi: Schlecht. Wir sind eines der europäischen Länder, wo die Infektionszahlen am stärksten steigen. Derzeit gibt es pro Tag etwa 200 Neuinfektionen und insgesamt sind seit Beginn der Krise über 100 Personen gestorben. Im Vergleich mit der Schweiz, die etwa viermal mehr Einwohner hat als der Kosovo, sind das dramatische Zahlen.

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Der Kosovo gilt als der 27. Kanton der Schweiz. Jetzt gehört er laut Bundesamt für Gesundheit zu den Corona-Risikogebieten. Hört man diesen Sommer auf Kosovos Plätzen tatsächlich kein Schweizerdeutsch?
Sami Kurteshi:
Leider kaum. Was am meisten auffällt: Normalerweise wären unsere Strassen Mitte Juli voll von Autos mit Zürcher, Genfer oder St. Galler Nummernschildern. In der Stadt Gjilan, dort wo ich ursprünglich herkomme, hat es im Sommer normalerweise doppelt so viele Autos. Und weil die Strassen so eng sind, bilden sich den ganzen Tag über grosse Staus. Das gehört irgendwie zum Strassenbild im Juli und August. Ausserdem sind die Bars und Restaurants jeweils voll und das Leben läuft auf Hochtouren. Jetzt ist alles ruhig wie in den Frühlings- oder Herbstmonaten.

Bild

bild: zvg

zur Person

Sami Kurteshi, 60 Jahre alt, lebte ab 1981 mit einigen Unterbrüchen insgesamt 15 Jahre in der Schweiz. In Bern und Zürich studierte er Politologie, Soziologie und Völkerrecht. Er galt als wichtige Stimme der kosovo-albanischen Diaspora in der Schweiz und präsidierte das Albanische Zentrum in Bern. 2007 kehrte er in seine Heimat zurück und lebt seither in Kosovos Hauptstadt Pristina. Von 2009 bis 2015 war er der erste nationale Ombudsmann für Menschenrechte im Kosovo. Er ist Vorstandsmitglied der linken Partei Vetevendosje (Selbstbestimmung), deren Spitzenkandidat Albin Kurti im Februar das Amt des Regierungschefs übernahm. Doch Ende März wurde Kurti durch ein Misstrauensvotum durch das Parlament gestürzt.

Praktisch jede kosovarische Familie hat Angehörige im Ausland. Viele davon in der Schweiz. Was bedeutet es, wenn all diese Leute dieses Jahr nicht kommen?
Am allermeisten bedeutet es wirtschaftliche Einbussen ungeahnten Ausmasses. Etwa ein Drittel der kosovarischen Bevölkerung lebt im Ausland. Kommen viele von diesen Leuten im Sommer nicht nach Hause, dann bricht der Konsum komplett ein. Das Problem des Kosovos ist, dass wir keine wichtigen Produktionsstätten haben, die Waren exportieren. Seit über einem halben Jahrhundert ist der einzige Exportartikel des Kosovos die Menschen.

Und ohne diese Menschen, die im Sommer zurückkommen und konsumieren, kollabiert die Wirtschaft?
Ob sie kollabiert, werden wir sehen. Es wird für viele schwierig werden, das ist klar. Der eine oder andere Laden wird Konkurs gehen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Mein Bruder besitzt drei Minimarkets. Er sagt, im Juli und August verzehnfacht sich sein Umsatz jeweils. Danach gehen die Zahlen wieder runter und im Dezember, um die Weihnachtsferien, steigen sie wieder.

Ihr Bruder lebt also von den Ferien der Ausland-Kosovaren?
Das tun viele. Dank den Sommermonaten kann er die Verluste der anderen Monate auffangen. So schafft er es jeweils über die Runden.

Und was macht Ihr Bruder dieses Jahr, wenn die Leute fernbleiben?
Er hat circa 40 Mitarbeiter und er versucht, seine soziale Verantwortung, die er ihnen gegenüber hat, so gut es geht, wahrzunehmen. Aber wenn kein Geld reinkommt, kann er schon bald keine Löhne mehr bezahlen. Vom Staat gibt es kaum Überbrückungshilfen. Wenn es so weitergeht, wird es vor allem nach dem Sommer schwierig und vielen Familien wird ein harter Winter bevorstehen.

«Im Kosovo leben Menschen davon, an Hochzeiten aufzutreten, zu musizieren und zu singen. Für sie ist es ein Drama, dass Hochzeiten jetzt verboten sind.»

Sommerzeit ist im Kosovo auch Heiratszeit. Viele Schweiz-Kosovaren reisen im Juli und August in die Heimat, um mit den Verwandten die Hochzeit zu feiern. Wie ist es dieses Jahr?
Die Hochzeiten fallen ins Wasser. Und das ist nicht nur schade um die schönen Feste, sondern es ist ein ganzer Wirtschaftszweig, der wegbricht. Im Kosovo gelten Hochzeiten schon fast als eigene Industrie. Da steckt viel Geld drin. Es gab gar Hochzeitssängerinnen und -sänger, die protestiert haben.

Protest von Hochzeitssängerinnen?
Tatsächlich! Im Kosovo leben Menschen davon, an Hochzeiten aufzutreten, zu musizieren und zu singen. Für sie ist es ein Drama, dass Hochzeiten jetzt verboten sind.

Gibt es Schweiz-Kosovaren, die trotz den Empfehlungen des BAG jetzt einreisen?
Es gibt bestimmt ein paar wenige, aber viele sind es nicht. Während ich in Pristina im Sommer vielen alten Bekannten aus der Schweiz über den Weg laufe, habe ich bis jetzt erst einen einzigen getroffen. Einen alten Studienkollegen aus Zürich. Er ist selbstständig und hat gesagt, er habe kein Problem, sich zu Hause zwei Wochen in Quarantäne zu begeben.

«Die Frau meines Bruders ist Oberärztin der Infektiologie im Spital in Gjilan. Als ich sie kürzlich traf, bin ich erschrocken. Sie sah unfassbar müde aus.»

Finden Sie die Warnung des BAG übertrieben?
Nein. In diesem Moment rate ich niemandem, in den Kosovo zu reisen. Das Ansteckungsrisiko ist sehr gross und die medizinischen Möglichkeiten sind gering. Es lohnt sich nicht, diese Risiken in Kauf zu nehmen.

Welche Massnahmen trifft die Regierung?
Die Regierung ist ein Chaos. Nach dem Sturz von Albin Kurti im März wird das Land nun von Ministerpräsident Avdullah Hoti und Präsident Hashim Thaci geführt. Letzterer hat in der Vergangenheit viel gelogen und muss sich jetzt wegen Kriegsverbrechen vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten. Das Vertrauen der Bevölkerung fehlt. Das spürt man auch bei den Corona-Massnahmen.

Wie?
In den fünf grossen Städten gilt ab 21 Uhr bis 5 Uhr eine Ausgangssperre. Aber niemand hält sich daran. Die Ordnungskräfte haben zudem keine gesetzliche Grundlage, um gegen die Leute vorzugehen, die sich der Sperre entziehen. Die Läden und Restaurants sind normal geöffnet, die Abstandsregelung wird nicht eingehalten, kaum jemand trägt eine Schutzmaske. Viele Leute sind schlecht informiert und verstehen nicht, was gerade passiert.

Wie sieht die Situation in den Spitälern aus?
Derzeit sind über 300 Personen zur Behandlung in den Spitälern. Die Zustände dort sind schlecht. Die Frau meines Bruders ist Oberärztin der Infektiologie im Spital in Gjilan. Als ich sie kürzlich traf, bin ich erschrocken. Sie sah unfassbar müde aus. Sie sagte mir, sie arbeite derzeit in 20-Stunden-Schichten und leide sehr unter dem grossen Druck.

Das klingt nicht gut. Gerade in einer Krisensituation wie dieser würde man gerne mit der eigenen Familie näher zusammenrücken. Doch das ist bei Ihnen nicht möglich ...
Klar, ich würde meine Familienangehörigen aus der Schweiz und meine Freundinnen und Freunde sehr gerne wieder mal sehen. Aber ich verstehe, dass das jetzt einfach nicht möglich ist. Wir telefonieren viel und können uns per Video sehen. Das ist zwar nicht dasselbe, aber immerhin etwas. Nächstes Jahr holen wir dann all die Hochzeiten und Dorffeste nach. Hoffentlich.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Blitz 14.07.2020 21:24
    Highlight Highlight Letztes Jahr haben die Einheimischen noch gesagt, sie brauchen die Protzerei mit den aufgemotzten Autos nicht! In den Ferien wichtig sich zu zeigen......! Und jetzt??
  • Locutus70 14.07.2020 14:52
    Highlight Highlight Das Kosovo hat ein enormes Handelsbilanzdefizit. Die meisten Waren importiert das Kosovo (wer hätte das gedacht) aus Deutschland. Also Hilfe sieht anders aus, aber das macht ja Deutschland mit Afrika genauso.
  • Maya Eldorado 14.07.2020 14:20
    Highlight Highlight Der Sozialdienst vom Kosovo wird von den emigrierten Kosovo-Albanern in der Schweiz geleistet.
    Mal schauen was da läuft, wenn sie das Geld anderweitig verwenden können, wenn sie es nicht für die Reise in den Kosovo brauchen.
  • Antigone 14.07.2020 13:47
    Highlight Highlight Hab meine Ferien „unten“ auch abgesagt, schweren Herzens, aber es musste sein.

    Die Leute, die sagen, dass wir Secondos doch einfach zurück sollten und das Land auf die Beine bringen: Es geht nicht. Wenn man gute Absichten hat und mit aufrichtiger Arbeit dort unten etwas erreichen will, dann klappts einfach nicht. Man muss entweder Beziehungen haben oder Geld fliessen lassen (oder beides).

    Es wird wahrscheinlich - wenn überhaupt - noch Generationen dauern, bis das Land iwie auf einem normalen Standard kommt...
    • Michael Oliver 14.07.2020 19:38
      Highlight Highlight Wenn jeder so denkt wird es nie was
  • LuxDux 14.07.2020 13:36
    Highlight Highlight Bitte den Kosovo nicht mit Albanien verwechseln, im Kosovo leben Kosovaren und in Albanien leben Albaner. Zwei unterschiedliche Völker.
    • FCZBVB180 14.07.2020 14:09
      Highlight Highlight Es stimmt, dass diese Personen nicht die gleiche Staatsangehörigkeit haben, jedoch, was es in diesem Fall zu beachten gilt, die gleiche Ethnie. Also Leben sehr wohl Albaner im Kosovo. Was aber nicht bedeutet, dass diese Personen die Staatsgehörigkeit des Landes Albanien haben.
    • Antigone 14.07.2020 14:12
      Highlight Highlight Kosovo und Albanien sind gleich. Der einzige Unterschied ist nur der Dialekt... Und dass Albanien toleranter mit Religionen umgeht und diese friedlich miteinander zusammenleben.
    • Lezzelentius 14.07.2020 14:57
      Highlight Highlight Das kann eigentlich nur von jemandem kommen, der kein Albaner ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Grubinski 14.07.2020 13:24
    Highlight Highlight Wenn doch bloss mehr von Herrn Kurteshis Landsleuten in der Schweiz so gut gebildet und kultiviert sein könnten wie er...
    Auch wenn es keinen Unterschied macht, sage ich das als aus dem Balkan stammender Secondo.
  • 2winDaddy 14.07.2020 12:43
    Highlight Highlight Meine Eltern haben unten noch ein Haus gebaut. Ich, Geschwister, Kollegen, etc. kämen nie auf diese Idee. Keiner von uns sieht seine Zukunft oder gar seinen Ruhestand dort. Unsere Kinder sind Schweizer mit dem Grossteil der Verwandten hier und kaum Bezug zum Ursprungsland.

    Teure Hochzeiten sind passé, klein aber fein ist angesagt. Man gönnt sich lieber selbst schöne Flitterwochen anstatt immense Summen für Sänger, Location & Essen auszugeben.

    Daher wird dieses momentane Corona-Szenario in Zukunft zur Normalität, wenn nicht bald etwas für die Wirtschaft (bzw. gegen die Korruption getan wird).
    • Levi Vodica 14.07.2020 15:33
      Highlight Highlight Sehe ich genauso. Besonders bei der Hochzeitsindustrie war abzusehen, dass sich diese in naher Zukunft verändern wird. Auch wenn Hochzeitssäle wie Pilze aus dem Boden geschossen sind die letzten Jahre, ist da bald wohl kaum mehr was zu holen.
    • LeserNrX 15.07.2020 01:22
      Highlight Highlight "Teure Hochzeiten sind passé, klein aber fein ist angesagt. Man gönnt sich lieber selbst schöne Flitterwochen anstatt immense Summen für Sänger, Location & Essen auszugeben."

      Sorry, aber darauf wär ich nicht so stolz. Und dann alles mit Korruption zu begründen, obwohl man nur auf sich selbst schaut, ist auch etwas billig.
  • SpitaloFatalo 14.07.2020 12:42
    Highlight Highlight Bei Kosovo-Albanern stelle ich oft unsäglichen Nationalismus fest. Beobachte solchen auch bei andern Volksgruppen, dabei gilt: je mehr Ungleichheit zwischen Mann und Frau, je mehr Korruption, Arbeitslosigkeit oder Unruhen, desto stärker ist er ausgeprägt. Dazu kommt paradoxerweise der Fakt, dass man natürlich unter keinen Umständen dort leben möchte, im scheinbar gelobtem Land.
    • Barracuda 14.07.2020 17:29
      Highlight Highlight Dieser Pseudo-Patriotismus und Nationalismus, der x-fach extremer ist als bei den Leuten, die ihrem Land nicht den Rücken gekehrt haben, ist in der Tat unerträglich. Ich kenne unzählige Kosovaren, die ihre "Heimat" nur aus Ferien kennen und so tun, als hätte ihnen das hochgelobte Land irgendetwas gegeben (oder auch umgekehrt). Aber wahrscheinlich werden einem solche ultrakonservativen und teilweise rückständigen Werte einfach durch die Eltern vermittelt, so dass man sich dem nicht entziehen kann, was dann aber leider auch wieder der Integration schadet.
  • kusel 14.07.2020 12:20
    Highlight Highlight Warum geht es dem Kosovo schlecht? Weil viele geflüchtet und nicht mehr zurückgekehrt sind. Man geht zwar noch dort in die Ferien, aber das war es dann auch schon. Man lässt seine Heimat im Stich und wundert sich, warum es politisch und wirtschaftlich schlecht läuft...
    • Frag 14.07.2020 14:25
      Highlight Highlight Warum sollten sie die Schweiz verlassen, wenn es ihnen hier besser geht, als in allen anderen Ländern Europas. Kommt noch hinzu das man hier Karriere macht, Immobilien besitzt und Kinder hat - so muss man ja ein Megapatriot sein, um das freiwillig aufzugeben.

      Das gilt eigentlich für alle Einwanderer der letzten Jahrzehnte, die aus weniger entwickelten Ländern wie die Schweiz hergekommen sind.

      Das Beste was solche Leute tun könnten, wäre nebst den Besuchen, von der Schweiz aus unternehmerisch in der alten Heimat tätig zu werden. So hilft man der Entwicklung ganz bestimmt.
    • Neruda 14.07.2020 14:40
      Highlight Highlight Wenn du als ehrlicher Mensch wegen der Korruption einfach nichts erreichen kannst dort, dann gehst du halt einfach. Ich würde es genau gleich machen, hätten wir solche Zustände in der Schweiz. Gegen die Kleptokratie kommst du nicht an. Ausser du machst es wie die Franzosen 1789.
    • Levi Vodica 14.07.2020 15:34
      Highlight Highlight Naja, als Rückkehrer wäre man eher eine Belastung als wirklich eine Hilfe. Ausser vielleicht die jungen, gut Ausgebildeten. Diese sind aber meist in der Schweiz geboren und haben keinen wirklichen Bezug mehr zum Land, denen mache ich keinen Vorwurf, dass sie nicht "zurückkehren", wenn man das so nennen darf.
  • John Henry Eden 14.07.2020 12:07
    Highlight Highlight Diese Finanzierung durch Auswanderer bringt gar nix. Schaut euch Süditalien an.

    Viele ausgewanderte, gut ausgebilde Kosovaren müssten wieder "einwandern" und das Land auf Vordermann bringen. Also ein Brain Drain in die entgegengesetze Richtung.
    • DerTaran 14.07.2020 12:41
      Highlight Highlight Dafür muss der Staat aber die Strukturen schaffen. Siehe Süditalien, italienische Kollegen von mir haben es versucht und sind nach knapp 2 Jahren resigniert wieder in die Schweiz zurück (vor allem wegen der Korruption).
    • Warumnicht 14.07.2020 12:42
      Highlight Highlight Sehe ich genauso John Henry Eden. Das würde Sinn machen und die Schweiz sollte flankierend Projekte finanziell und vor allem begleitend Unterstützen.
    • AdiB 14.07.2020 13:02
      Highlight Highlight Hahaha. Genau soe sollen ihr leben auf spiel setzten gehen. Du verstehst es nicht. Dmdie korruptionstinkt in jedem balkanstaat vom kopf ab. Du kannst noch so gut ausgebildet sein und weiss der teufel, doch die regierung wird dich blockieren wenn sie nichts kassieren. Und wenn du denkst auf komme was wolle was durch zu ziehen, wirst du aus dem weg geräumt. Die regierungen im balkan kontrollieren ja sogar die kriminalität.
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 14.07.2020 11:11
    Highlight Highlight Übrigens, ist das wahr?: Auf Wikipedia steht im entsprechenden Beitrag (https://de.m.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_im_Kosovo, unter "Internationale Hilfe"), die Schweiz habe dem Kosovo anfangs April eine halbe Million Schweizer Franken geschickt zur Bewältigung der Coronakrise.

    Ende April spendet der Kosovo eine halbe Million Euro an drei serbische Gemeinden. 😳

    Leider kann ich beide Quellen nicht lesen, weil sie auf Albanisch sind, aber wenn das wahr ist, kann das wohl kaum der Sinn der Sache gewesen sein? 🤔🤨
    • HerbertBert 14.07.2020 12:34
      Highlight Highlight Ist wohl, weil die drei Dörfer vor allem von Albanern bewohnt werden und darum vom Staat Serbien seit Jahren vernachlässigt werden.

      Preševo soll ja gemäss aktuell verhandelten Gebietstausch zu Kosovo (im Gegenzug zu Teilen des Nordens von Kosovo).
    • AdiB 14.07.2020 13:04
      Highlight Highlight Ach ne, hilfgelder sind verschwunden im kosovo😂
      Am ende wird das geld in die taschen von par wenigen landen.
    • lilie 14.07.2020 18:47
      Highlight Highlight @HerbertBert: Oh, danke, das ist allerdings eine wichtige Zusatzinfo! 👍

      @AdiB: Ist zu befürchten. Wenn es allerdings eine offizielle Meldung gibt, kann man wohl rausfinden, was mit dem Geld passiert ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 14.07.2020 11:00
    Highlight Highlight Auch wenn es mir leid tut um die Menschen im Kosovo, so bin ich doch recht erleichtert zu hören, dass die Reisewarnungen ernstgenommen werden.

    Nun hoffe ich, dass die Kosovaren nach dem ersten Schreck über die Ausfälle auf gute, kreative Ideen kommen, wie sie diesen Sommer überstehen können.

    Es wäre sicher auch sehr wünschenswert, wenn neben dem Heimkehrertourismus und den Hochzeiten noch andere Zweige entstünden, welche das Einkommen ergänzen können.

    Jedenfalls wünschte ich mir das für den Kosovo!
    • Pisti 14.07.2020 12:52
      Highlight Highlight Die Leute gehen einzig und alleine nicht in den Kosovo weil sie anschliessend in Quarantäne müssen.
    • lilie 14.07.2020 14:24
      Highlight Highlight @Pisti: Das war ja auch die Idee. Hauptsache, der Virus wird nicht verteilt.
    • Barracuda 14.07.2020 17:33
      Highlight Highlight Gibt dann vielleicht mal die Möglichkeit, etwas besser das Land kennenzulernen, dem sie eigentlich vieles zu verdanken hätten...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Glenn Quagmire 14.07.2020 10:40
    Highlight Highlight Bleibt zu hoffen, dass die, welche da waren, sich auch freiwillig in Quarantäne begeben.
    • drummer&surfer 14.07.2020 12:26
      Highlight Highlight Ich habe (gehört) das sie einander Tipps geben, wie man die Quarantäne umgehen kann.
      Keine Direktflüge in die CH, sondern in angrenzende Länder der CH fliegen und auf dem Landweg einreisen.
      SUPER DANKE!
    • Barracuda 14.07.2020 17:33
      Highlight Highlight Klar, darauf zähle ich auch, dass sie vernünftig und rücksichtsvoll handeln ;-)
  • insert_brain_here 14.07.2020 10:36
    Highlight Highlight Man sollte hier auch den Weckruf wahrnehmen, die albanische Wirtschaft wird nicht auf unbeschränkte Zeit vom Geld aus der Diaspora leben können, die Entwicklung wird ähnlich verlaufen wie damals bei den Italienern. Mit der dritten Generation nimmt der Bezug zu alten Heimat spürbar ab, man macht zwar noch Sommerferien bei den Grosseltern aber längst nicht mehr jeder baut sich "unten" sein Haus um nach der Rente zurückzukehren.
    • Radesch 14.07.2020 13:19
      Highlight Highlight Und vor allem kehrt fast niemand wirklich zurück... Wenn man sich an die Schweiz gewöhnt hat ist es zugegebenermassen sehr schwierig den Standard wieder an den Kosovo anzupassen.

      Meine Eltern haben das früher auch immer gesagt. Ich sehe aber, je länger, je mehr... Das wird nix mit unten seine Rente verbringen. Ich selbst habe z. B. 0 Bock auf den Kosovo und meine Eltern wollen ja auch nicht weg von den Kindern etc... Das ist wahrscheinlich der Normale Verlauf einer Migrationsbewegung über längere Zeit.
  • SwissHitman 14.07.2020 10:23
    Highlight Highlight Ich komme auch aus der Stadt Gjilan und habe viele Leute dort vorgewarnt, dass die Industrie der "Schatzis" nicht ewig halten wird. Dass die Industrie sich nicht weiterentwickelt, haben sie aber hauptsächlich ihrer politischer Führung zu verdanken. Die Hoffnung, dass die Regierung Kurti den Staat nach vorne bringt wurden schnell von den Staatsdieben zerstört.
    • Grubinski 14.07.2020 13:25
      Highlight Highlight Ich fphle mit dir, die Situation ist auf dem gesamten Balkan leider nichts anders.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 14.07.2020 10:16
    Highlight Highlight "Das Problem des Kosovos ist, dass wir keine wichtigen Produktionsstätten haben, die Waren exportieren. Seit über einem halben Jahrhundert ist der einzige Exportartikel des Kosovos die Menschen."

    Was sind die Gründe, dass es im Kosovo keine Produktionsstätten gibt, die Waren exportieren?

    Welche Gründe würden mich vom Investitieren abhalten? 1. Korruption 2. Unsichere politische Lage 3. Rechtsunsicherheit 4. Fehlende Infrastruktur 5. Fehlendes Know How/Bildung der Arbeitnehmenden 6. Gleichberechtigung (Mann/Frau)

    Wenn die ersten drei Punkte erfüllt sind, wäre das schon mal gut.
    • SwissHitman 14.07.2020 10:27
      Highlight Highlight Korruption
      Unsichere politische Lage
      Rechtsunsicherheit
      Punkt 4, 5 und 6 würde ich behaupten sind vorhanden. Es ist halt wie in allen östlichen/südlichen Ländern wie Rumänien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Albanien, Italien, Spanien, Montenegro, ("Nord")-Mazedonien und und .. Nur zeigen die anderen Länder sie seien "stabil" und "nicht korrupt". Jedoch kannst du jeden Polizisten, Anwalt, Richter und Beamten bestechen.
    • De-Saint-Ex 14.07.2020 10:33
      Highlight Highlight Also ich kenne da einige Länder (z.B. auf dem afrikanischen Kontinent), die die ersten 3 Punkte alles andere denn erfüllen und trotzdem null Mühe haben, „Investoren“ (auch aus der Schweiz) zu finden. Liegt es vielleicht am Zauberwort „Bodenschätze“? Länder wie das Kosovo sind wie viele andere auf ihre Diaspora angewiesen.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 14.07.2020 11:01
      Highlight Highlight @De-Saint-Ex. Für mich wären diese Punkte für eine Investition wichtig.

      Staaten oder Unternehmen haben da ganz andere Möglichkeiten. Wenn >14% winken, dann findet man immer jemanden, der auch das entsprechende Risiko eingeht.

      Natürlich gibt es auch in der Schweiz Korruption, usw.

      @SwissHitman. Ich bin nicht der Ansicht, alle südosteuropäischen seien gleich. Da gibt es Staaten, die in der EU sind, ökonomisch weit vorne mitspielen andere nicht.

      Vergleichen Sie z.B. das BIP pro Kopf zwischen Slovenien (35'000 Euro) und Kosovo (12'000 Euro), usw. Anm. BIP/Kopf England liegt bei 36'000 Euro.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Erklärbart. 14.07.2020 09:42
    Highlight Highlight Sehr gutes Interview. Dankeschön.
    Ich komme aus einem der Nachbarländer des Kosovos. Gut, ich gehe nicht jedes Jahr runter - dieses Jahr hatte ich es auch nicht vor.

    Meinem Herkunftsland entgehen dieses Jahr knapp 200 Millionen Euro, nur weil Leute wie ich nicht "runter" gehen. Die Menschen dort warten sehnsüchtig auf unsere Sommerferien, viele haben nur dann Arbeit. Sei es in den Restaurants als Aushilfe oder dann auf Hochzeiten als Springer. Hochzeiten sind eine riesige Industrie. Alle abgesagt - das wird für sehr viele Menschen ein richtig hartes Jahr, härter als sonst schon.
    • Scaros_2 14.07.2020 10:28
      Highlight Highlight Ich verstehe die Problematik. Auf der anderen Seite ist das nicht auch einfach ein extrem dummes Business Modell?
    • Erklärbart. 14.07.2020 11:00
      Highlight Highlight Ist nicht das klügste Modell. Aber was bleibt den Leuten übrig? Können ja nicht alle das Land verlassen. Mein Onkel hat eine eigenes Unternehmen, er ist Plättlileger. Im Laufe der Jahre hat es sich so ergeben dass er vor allem Aufträge von "Ausländern" wie mir bekommt wenn sie neue Häuser aufstellen. Die Aufträge kommen dann wenn wir "Ausländer" unten sind. Er hat sich das nicht so ausgesucht.

      Menschen die dort leben können sich nicht den Luxus von neuen Böden/Wänden leisten. Wie auch, mit einem Durchschnittslohn von ca. 200 Euro/Monat?
    • G. Samsa 14.07.2020 11:04
      Highlight Highlight Scaros, die Menschen applizieren sich an die Situation, welcher sie ausgesetzt sind.
      Mit Corona konnte und musste niemand rechnen.

      Den Menschen jetzt Dummheit zu unterstellen ist eine sehr einfache Denkweise.

      Im Umkehrschluss kannst du auch sagen dass TUI, Kuoni, Swiss, Edelweiss und viele mehr, alle ein extrem dummes Geschäftsmodell haben.
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Kommentar

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