DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
CAPTION ADDITION ADDS PHOTOGRAPHER'S NAME: In this photo made on May 22, 2019, a long queue of mountain climbers line a path on Mount Everest. About half a dozen climbers died on Everest last week most while descending from the congested summit during only a few windows of good weather each May. (Nirmal Purja/@Nimsdai Project Possible via AP)

Der Stau am Everest endete für 11 Bergsteiger tödlich. Bild: AP/@Nimsdai Project Possible

Jahrestag des Schreckens: «So kann es am Everest nicht weitergehen»

Overtourism auf dem Dach der Welt: Der Stau am Everest kostete 2019 schon elf Menschen das Leben. Am 66. Jahrestag der Erstbesteigung fordern Experten eine Begrenzung der Bergsteiger-Massen. Doch Nepal winkt ab.



Es ist ein unrühmlicher Jahrestag. Heute vor genau 66 Jahren bestiegen Sherpa Tensing Norgay und Sir Edmund Hillary als erste Menschen den 8848 Meter hohen Mount Everest. Angesichts der aktuellen Bilder würden sich die Himalaja-Pioniere wohl im Grab umdrehen.

Explorers Sardar Tenzing Norgay of Nepal, left, and Sir Edmund Hillary of New Zealand who conquered Mount Everest in 1953, are in this 1953 handout photo. Hillary, the unassuming beekeeper who conquered Mount Everest to win renown as one of the 20th century's greatest adventurers, has died, New Zealand Prime Minister Helen Clark announced Friday, Jan. 11, 2008. He was 88. (AP Photo/NZPA,Penguin Books, HO) ** NEW ZEALAND OUT, NO SALES **

Sherpa Tensing (links) und Hillary bei der Erstbesteigung 1953. Bild: AP NZPA

Denn 2019 sorgen nicht heldenhafte Bergsteiger-Leistungen, sondern der grosse Alpinisten-Stau am Everest für Schlagzeilen. Der «Overtourism» am höchsten Berg der Welt hat fatale Folgen. In den letzten Tagen starben bereits 11 Bergsteiger auf dem Everest. Etliche davon, weil sie in der Menschenmenge stecken blieben und damit zu lange in der Todeszone über 8000 Meter warten mussten.

Der britische Bergsteiger-Influencer Robin Fisher warnte in seinem letzten Post seine 80'000 Follower auf Instagram, dass der Stau am Everest tödlich enden könne. Wenig später war er tot.

Unter den Opfern ist auch ein Mitglied einer Schweizer Expeditionsgruppe unter der Leitung von Bergsteiger-Legende Kari Kobler. Der 64-jährige Österreicher stürzte offenbar ab.

«Die restlichen Gruppenmitglieder sind wohlauf und befinden sich inzwischen auf der Rückreise», sagt Ruedi Kellerhals, Geschäftsführer von Kobler & Partner, zu watson. Ihre Gruppe habe den Everest von Norden her bestiegen und sei nicht in den Stau geraten, der sich auf der Südseite ereignet habe.

Bild

Die Bergsteiger müssen am Everest buchstäblich über Leichen gehen. bild: Elia Saikaly/instagram

Die Bilder vom Dach der Welt geben Globetrotter-Chef und Nepal-Kenner André Lüthi zu denken. Der Abenteurer ist schon 50 Mal in den Himalaya gereist. «Immer mehr Menschen suchen am Everest den ultimativen Kick. Die Tour-Unternehmen haben es auf die Spitze getrieben.»

«Ich hoffe, dass die Everest-Staubilder Bergsteiger abschrecken.»

André Lüthi, Globetrotter-Chef

Denn die Everest-Besteigung ist nicht nur ein Abenteuer, sondern auch ein grosses Geschäft. Kunden blättern bis zu 50'000 Franken für die Besteigung hin.

Und es werden immer mehr: Stellte die nepalesische Regierung in den 1990er-Jahren im Schnitt 60 Personen einen Permit für die Everest-Besteigung aus, sind es heuer 380. Dazu kommen nochmals so viele Sherpas. Nepal, eines der ärmsten Länder der Welt, ist auf die Einnahmen vom Himalaya-Tourismus dringend angewiesen.

Es brauche eine Begrenzung auf 250, so Lüthi. «Ich hoffe, dass die Stau-Bilder Leute abschrecken, die unbedingt auf den Everest wollen». So könne es am Everest nicht weitergehen.

Doch der nepalesische Tourismusminister Rabindra Adhikari will davon nichts wissen – im Gegenteil. Es sollen noch mehr Leute für «Vergnügen und Ruhm» in den Himalaja reisen, sagte er zur Nachrichtenagentur AP.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Massenandrang am Mount Everest

Schlange stehen für den höchsten Gipfel der Welt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

UNO-Folterexperte Nils Melzer: «Der Fall Assange ist wie ein dunkles Familiengeheimnis»

Der Schweizer Jurist Nils Melzer überwacht für die UNO das Folterverbot und hat ein Buch über seine Untersuchung zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange geschrieben. Dessen Rechte seien massiv verletzt worden, sagt Melzer. Und warnt vor der «gefährlichen» PMT-Vorlage, die am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

Sie erheben in Ihrem Buch schwere Vorwürfe gegen westliche Staaten im Umgang mit Julian Assange. Was hat Sie bei Ihrer Untersuchung am meisten schockiert?Nils Melzer: Die Erkenntnis, dass der Rechtsstaat offenbar auch in westlichen Demokratien vollkommen ausgehebelt werden kann. Ich habe in den letzten 20 Jahren oft in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet und viele schwere Rechtsverletzungen gesehen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass in den westlichen Demokratien wenigstens noch der …

Artikel lesen
Link zum Artikel