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«Manipulation»: Köppel schiesst wie AfD gegen Tagesschau – doch die hat längst gekontert

Roger Köppel wirft der deutschen Tagesschau vor, mit einer rot gefärbten Wetterkarte zu manipulieren. Damit nimmt er Vorwürfe aus AfD-Kreisen auf, die falsch sind – wie sich leicht nachprüfen liesse.

Mojan Salehipour / ch media



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© Twitter/Keystone/Montage: mwa

Zurzeit rollt eine Hitzewelle über die Schweiz. Auch in Deutschland sorgt das Wetter für besonders heisse Tage. Hier wie dort erhitzt das Wetter auch die Gemüter, wie Diskussionen in den Sozialen Medien zeigen.

So setzte «Weltwoche»-Chefredakteur und SVP-Nationalrat Roger Köppel am Mittwoch einen Tweet ab – 13 Zeichen lang, dazu eine Bildmontage mit Wetterkarten der ARD-Tagesschau: «Manipulation.» «Fühlen Sie sich manipuliert?» steht schon auf der Bildmontage in grossen Buchstaben.

Die Grafik zeigt zwei Wetterkarten der «Tagesschau». Je eine von 2019 und 2009. Beide zeigen eine Deutschlandkarte. Die Temperatur-Prognosen fallen ähnlich aus. Auf der 2009-Karte liegen sie zwischen 27 und 36 Grad, auf der 2019-Karte zwischen 22 und 34 Grad. Der auffälligste Unterschied, auf den hingewiesen wird: Die Karte von 2019 ist dunkelrot unterlegt, während jene von 2009 eine klassisch topographische Karte ist und in Grüntönen daherkommt. Dadurch rücken die hohen Temperaturangaben in den Fokus und könnten durch das Tiefrot dramatisch wirken.

Köppel ist nicht der erste, der den Manipulationsvorwurf äussert und diese Bildmontage online teilt. AfD-Verbände taten dies bereits vor einigen Wochen auf Facebook.

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© Facebook-Screenshot

Die AfD Landau schrieb: «Noch offensichtlicher wie es die öffentlich-rechtlichen Sender zur Zeit tun, kann man wohl nicht ins Horn der Grünen blasen! Die «neue» #Wetterkarte der #Tagesschau soll wohl dem Zuschauer «signalisieren», er würde am Folgetag verbrennen».

Nutzer hätten der Tagesschau daraufhin vorgeworfen eine «von Ideologie besetzte Wetterkarte» zu zeigen, welche die Auswirkungen des Klimawandels gezielt übertreiben würde und bewusst Temperaturen «dramatisiert», welche vor zehn Jahren noch normal gewesen wären.

Auch der Bildungsminister von Sachsen-Anhalt Marco Tullner (CDU) zeigte sich besorgt und teilte die Grafik mit dem Kommentar: «Warum wurden eigentlich die Wetterkarten von grün auf glutrot, bei selben Temperaturen, umgestellt? Das geistert ja gerade durch das Netz.»

So antwortet die Tagesschau

Ist die Kritik berechtigt? Werden Wetterkarten heute anders dargestellt als noch vor zehn Jahren? Die Tagesschau hat in einem Artikel zu den Vorwürfen Stellung genommen und in einem Fakten-Check über die unterschiedliche Darstellung aufgeklärt.

Es stellt sich heraus: Hier wurden Äpfel mit Birnen verglichen, respektive eine Temperatur- mit einer Wetterkarte. Die obere Karte zeigt eine Temperaturvorhersage. Durch die Einfärbungen könne man auch dort, wo keine Zahl steht, erahnen, wie hoch die Temperaturen etwa werden, heisst es in dem Artikel von Peter Gensing, Leiter des tagesschau.de-Onlineportals faktenfinder.

Dort erklärt er weiter, dass die Farbskala bei solchen Karten von Dunkelrot für heisse Temperaturen bis zu kaltem Blau reichen kann. Die untere Karte auf der Grafik zeige die Wetteraussichten der kommenden drei Tage, bei der nicht nur die Temperaturen, sondern auch Angaben der Bewölkung, Niederschlag oder Sonnenschein angezeigt würden.

Diese Angaben würden immer mit einer neutralen Karte unterlegt. Gensing weist in seinem Artikel mit diesem Video darauf hin, dass auch schon 2009 in der Wettervorhersage beide Karten verwendet wurden. Genauso wird auch heute in der Wettervorhersage neben der Temperaturkarte, die Wetterkarte angezeigt.

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