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Personen demonstrieren mit Ballons an einer Kundgebung fuer die Ruecknahme der Praxisverschaerfung gegenueber eritreischen Fluechtlingen, am Samstag, 10. Dezember 2016, in Bern. Muessen Fluechtlinge nach dem Willen des Staatssekretariat fuer Migration SEM nach Eritrea zurueckkehren, droht ihnen Bestrafung und Einberufung in den zeitlich unlimitierten Nationaldienst. (KEYSTONE/Peter Schneider)

«Die Schwarzen kommen»: Unter diesem Titel verspricht die «Weltwoche» Fakten – liefert stattdessen aber viele unbelegte Behauptungen.  Bild: KEYSTONE

Anonyme Quellen und Behauptungen: So entstand Mörgelis Afrikaner-Story in der «Weltwoche»

«Afrikaner in der Schweiz – die Fakten» verspricht die neuste Titelgeschichte der «Weltwoche». Doch ein genauer Blick auf den Artikel von Ex-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli zeigt: Fakten sind im Text Mangelware. Die Stimmungsmache gegen schwarze Menschen stützt sich auf unbelegte Behauptungen und zweifelhafte Zitate ab. Wir präsentieren: 2 anonyme Quellen, 7 Fakten und 10 unbelegte Behauptungen.



Bekannt war er als eine der schärfsten Zungen im Parlament, bis ihn die Zürcher 2015 abwählten: Christoph Mörgeli musste sich ein neues Betätigungsfeld suchen – und fand dies bei der «Weltwoche». Chefredaktor Roger Köppel beförderte Mörgeli vom Kolumnisten zum regelmässigen Autor.

Diese Woche lieferte Mörgeli die Titelgeschichte. Unter dem Titel «Die Schwarzen kommen» befasst er sich mit der «rasch wachsenden Zahl von Afrikanern» in der Schweiz – die beiden Begriffe «Schwarze» und «Afrikaner» werden im Text austauschbar verwendet.

Das umstrittene Titelblatt der Weltwoche verspricht Fakten. Diese spielen im Text aber nur die Nebenrolle. Eine Textanalyse belegt: Während Mörgeli an sieben Stellen mit Quellen und Zahlenmaterial unterlegte Fakten erwähnt, lässt er insgesamt zehn unbelegte Behauptungen in den Text einfliessen.

Hinzu kommen zwei anonyme Zitate, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt. Bei drei weiteren Zitaten bleibt offen, wie die Zitierten auf ihre Aussagen gekommen sind. In diesen Fällen werden unbelegte Behauptungen einfach wiedergegeben.

Eine Übersicht über die Doppelseite mit dem Artikel zeigt: Unbelegte Behauptungen (rot) und Zitate (gelb) nehmen mehr Raum ein als die auf dem Cover versprochenen Fakten (grün).

Bild

Bild: weltwoche / bearbeitung watson

7 Fakten mit Quellen unterlegt

10 unbelegte Behauptungen

ARCHIVE - Christoph Moergeli, SVP-ZH, spricht im Nationalrat, am Dienstag, 15. September 2015, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete in Bern. Erfolg fuer den ehemaligen SVP-Nationalrat Christoph Moergeli: Die Universitaet Zuerich muss ihm 17 Monatsloehne zahlen, weil seine Entlassung vor drei Jahren unrechtmaessig war. Dies hat das Verwaltungsgericht entschieden. Das Gericht spricht Moergeli eine Entschaedigung von fuenf Monatsloehnen sowie zusaetzlich eine Abfindung von 12 Monatsloehnen zu, also insgesamt 17 Monatsloehne. Dies geht aus dem Urteil hervor, das am Dienstag, 15. Dezember 2015, veroeffentlicht wurde.(KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Mit Quellen belegte Fakten sind in seinem Artikel dünn gesät: Ex-Nationalrat und «Weltwoche»-Autor Christoph Mörgeli. Bild: KEYSTONE

Die Zitate wurden zugunsten der Lesefreundlichkeit teilweise minim umgestellt, ohne den Inhalt zu verändern.

2 anonyme Quellen

Policemen take a man into custody in the Langstrasse in Zurich, Switzerland, on November 13, 2009. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Polizisten nehmen am 13. November 2009 einen Mann in der Langstrasse in Zuerich in Gewahrsam. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Zürcher Langstrasse: Schwarze würden sich mit dem Ausruf «Nazis» oder «Rassisten» der Verhaftung durch die Polizei entziehen. Bild: KEYSTONE

Mörgeli unterlässt es – wie es journalistischen Standards entspricht – diese Behauptungen mit mindestens zwei unabhängigen Quellen zu unterlegen und die offiziellen Stellen (Stadtpolizei Zürich, Universitätsspital) damit zu konfrontieren.

3 Zitate mit unbelegten Behauptungen 

epa05276517 The controversial former Berlin Senator for Finance and Executive Board member of the Bundesbank, Thilo Sarrazin, stands at the podium during the presentation of his new book, 'Wunschdenken. Europa, Waehrung, Bildung, Einwanderung - warum Politik so haeufig scheitert' (Wishful Thinking. Europe, Currency, Education, Immigration - why policy so often fails) in Berlin, Germany, 25 April 2016. Sarrazin's 2010 book 'Deutschland schafft sich ab' (Germany abolishes itself) was a bestseller, with 1.5 million copies sold. His last two books also landed in first place on the sales lists.  EPA/BERND VON JUTRCZENKA

Beliebter «Kronzeuge» am rechten Rand: Thilo Sarrazin. Bild: EPA/DPA

Christoph Mörgeli und Roger Köppel haben auf eine Anfrage von watson bisher noch nicht reagiert.

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Video: watson/Jovin Barrer, Emily Engkent

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