Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Das BAG will Jugendliche via TikTok erreichen. screenshot tiktok

Die Party muss weitergehen – Bundesrat will Jugendliche mit TikTok-Videos erreichen

Die Jugendlichen wurden bei den Regeln besonders nachlässig. Sollen die Clubs wieder geschlossen werden?

Annika Bangerter, Sabine Kuster / CH Media



Das Nachtleben ist zurück. In den Clubs wird gefeiert, wie zu jener Zeit, als «Corona» einzig in Form von Bierflaschen über die Theke gereicht wurde. Doch nun steht das Partyvolk am Pranger. Dies, nachdem in einem Zürcher Club ein sogenannter Superspreader fünf Personen angesteckt hat. Und in Bern an einer illegalen Party vor der Reitschule ausgelassen gefeiert wurde.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Das Unverständnis richtet sich just an jene Generation, die sich in der Abgrenzung gegenüber den Erwachsenen definiert, die Regeln bricht und über die sich bereits Philosophen wie Aristoteles geärgert hatten. Dass sich aber die Clubs mit Jungen füllen, wenn die Türen offen stehen, sollte nicht überraschen. Die Sicherheitskonzepte haben indes Ältere abgesegnet.

Dirk Baier von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat während des Lockdowns Jugendliche befragt: «Es war auffällig, wie rasch und wie stark sie ihre Freunde und ihre Freizeit vermissten. Der Online-Kontakt war nie Ersatz für das gemeinsame Erleben.» Nun, wo dies wieder möglich ist, holen sie auf. «Typisch für Jugendliche ist das Leben im Hier und Jetzt», sagt Baier. Das Morgen oder mögliche Infektionsrisiken – sie schwinden je ausgelassener gefeiert und getrunken wird.

Über TikTok sollen die Jungen sensibilisiert werden

Ob als dummer Scherz, bewusster Regelverstoss oder aus dem Gefühl, unantastbar zu sein, hat dabei ein Drittel der Clubgänger eine falsche E-Mail-Adresse oder Handynummer hinterlassen. Das zeigte sich, als Contact-Tracer versuchten, sie nach dem Zürcher Superspreader-Event zu erreichen. Bedeutet dies das vorläufige Ende des eben erst wieder belebten Nachtlebens? Baier lehnt dies in der momentanen Lage ab:

«Schliesst man Clubs und Bars führt das starken Frustrationen.»

Er rät dazu, die Betreiber stärker in die Pflicht zu nehmen und etwa die Gästezahl zu reduzieren. Gleichzeitig empfiehlt er den Behörden, die Jugendlichen direkt anzusprechen. Vica Tomberga, die an der Uni Bern über das Befinden während der Pandemie forscht, schlägt sogenannte «Natural Leader» vor - bekannte Persönlichkeiten, die andere beeinflussen und an die Regeln erinnern.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) versucht das bereits: Am Samstag wurden fünf Videos auf TikTok gestellt, der populärsten sozialen Plattform der Jugendlichen.

Hier kannst du das TikTok-Video des BAG sehen.

Es tritt jeweils ein Schiri auf, der pfeift, wenn eine Abstandsregel nicht eingehalten wird oder sich jemand mit Handschlag begrüssen will. Die Kampagne unter dem Banner #SwissCoronaSafety enthält auch ein Video, das vor einem Club gedreht wurde: Der Schiri mahnt einen Clubber dabei, sich in eine Liste einzutragen.

Keine Schutzmaske? Hier 20 lustige Alternativen

Entscheiden ist, ob sich die eigenen Freunde daran halten und vorsichtiges Verhalten gut finden: «Die Jugendlichen sollten nicht das Gefühl haben, dass Sie uncool sind, wenn sie andere nicht umarmen oder Abstand halten», sagt Tomberga.

Bei den Jugendlichen hat die Disziplin nachgelassen

Dass die Jungen mehr Mühe mit diesen Regeln haben, zeigt auch der «Covid-19 Social Monitor» des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie und des Instituts für Epidemiologie und Biostatistik der Universität Zürich. Bei diesem Monitoring wird auch gefragt, wie stark sich die Teilnehmenden an die Schutzmassnahmen halten.

Forscher Marc Höglinger sagt dazu: «Zu Beginn des Lockdowns haben sie alle Generationen sehr ernst genommen. Inzwischen werden sämtliche Altersgruppen nachlässiger.» Allerdings zeigt sich bei der Abstandsregeln, dass sich insbesondere 18- bis 29-Jährige deutlich weniger daran halten.

«Wir wissen, dass junge Leute entwicklungspsychologisch gesehen oft weniger Angst haben als ältere», sagt Charles Benoy, leitender Psychologe an den Universitären Kliniken Basel. Doch in seine Klinik kommen auch viele wegen der Coronaepidemie verängstigte junge Menschen.

Benoy glaubt, dass bezüglich Clubbing das Alter eine geringe Rolle spielt: «Es geht hier um die sogenannten ‹Sensation Seeker› – jene, welche die Aufregung suchen. Diese Gruppe ist nicht altersspezifisch.» Ischgl oder Verbier zeigten dies.

«Es geht hier um die sogenannten ‹Sensation Seeker› – jene, welche die Aufregung suchen. Diese Gruppe ist nicht altersspezifisch.»

Er rät dazu, die Betreiber stärker in die Pflicht zu nehmen und etwa die Gästezahl zu reduzieren. Gleichzeitig empfiehlt er den Behörden, die Jugendlichen direkt anzusprechen. Vica Tomberga, die an der Uni Bern über das Befinden während der Pandemie forscht, empfiehlt sogenannte «Natural Leader» auszuwählen, bekannte Persönlichkeiten, die andere beeinflussen und an die Regeln erinnern.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) versucht das bereits: Am Samstag wurden fünf Videos auf TikTok gestellt, der populärsten sozialen Plattform der Jugendlichen. Es tritt jeweils ein Schiri auf, der pfeift, wenn eine Abstandsregel nicht eingehalten wird oder sich jemand mit Handschlag begrüssen will. Die Kampagne unter dem Banner #SwissCoronaSafety enthält auch ein Video, das vor einem Club gedreht wurde: Der Schiri mahnt einen Clubber dabei, sich in eine Liste einzutragen.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Warum du dir in Quarantäne nicht die Haare schneiden solltest

Hier wird virtuell geclubbt: eine Party-Alternative in Corona-Zeiten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ulmo 30.06.2020 11:21
    Highlight Highlight Ich finde den Artikel ein bisschen schludrig. Für euch sind anscheinend Minderjährige und junge Erwachsene das gleiche: Ihr vermischt nämlich Aussagen zu den unterschiedlichen Altersgruppen:
    Dirk Baier forscht zu Jugendlichen, also (hauptsächlich) Minderjährigen. Marc Högglinger macht Aussagen zu Erwachsenen von 18-29. Das sind nicht die gleiche Gruppe!
    Bin mal gespannt, ob das BAG es schafft, mit Videos für Teenager das Verhalten von Mittzwanzigern zu beeinflussen.
  • eddie_c 30.06.2020 10:14
    Highlight Highlight Diese App sollte verbannt werden. Indien hat es bereits getan.
  • IMaki 30.06.2020 09:55
    Highlight Highlight Es ist, glaube ich, an der Zeit, den Begriff Risikogruppe mit neuem Inhalt zu füllen. Nachdem unter starkem Beifall der übrigen Gruppen die über 65Jährigen abserviert und in ihren Heimen isoliert wurden, ist nicht einzusehen, weshalb die Hedonisten-Generation noch frei herumlaufen und in ihrem Herdentrieb wahllos Viren verbreiten soll. Oder habe ich da irgend etwas falsch verstanden?
  • Notabik 30.06.2020 09:42
    Highlight Highlight «Schliesst man Clubs und Bars führt das zu starken Frustrationen.» Frustration ist nicht tödlich, das Corona Virus aber unter gewissen Umständen schon. Etwas haben Partygänger mit dem Corona Virus gemeinsam: Beide sind sie unberechenbar.
  • Padcat 30.06.2020 08:45
    Highlight Highlight Spannender Artikel, aber Leute ein bisschen Korrekturlesen würde echt nicht schaden:
    - Schliesst man Clubs und Bars führt das ZU starken Frustrationen.
    - EntscheidenD ist, ob sich die eigenen Freunde daran halten
    - Dazu sind die letzten beiden Paragraphen doppelt

    War das eine Nachtschicht?
  • Erklärbart. 30.06.2020 08:34
    Highlight Highlight Wenn sie schon auf "neue Medien" und "neue Formate" setzen, dann sollen sie doch einfach die Eintrittstickets als QR einführen. Wer eines hat, kommt rein. Damit man aber ein Ticket bekommt, muss man sich online registrieren - natürlich mit ID.

    Obwohl: sind Partygänger auf Tiktok? Ist das nicht eher was für Teenies?
    • ulmo 30.06.2020 11:00
      Highlight Highlight Der Artikel differenziert leider nicht zwischen Jugendlichen (Teenager) und jungen Erwachsenen.
  • WhatZitTooya 30.06.2020 07:52
    Highlight Highlight Weiss nicht was bedenklicher ist... das junge Partyvolk, welches falsche Angaben hinterlässt oder der Bund welcher TikTok nutzt... 🤔
  • Pepe Le Fart 30.06.2020 07:40
    Highlight Highlight und da gibt es ja noch die Ungläubigen... die das C weghaben wollen.

Wer sagt, im ÖV sei es langweilig, der lügt! 27 Bilder als Beweis

Das BAG hat die Home-Office-Empfehlung wieder aufgehoben. Die logische Schlussfolgerung: Die Anzahl Personen in den Zügen, Trams und Bussen wird wieder steigen. Das Gute daran: Im ÖV gibt es immer einiges zu sehen! Diese Woche noch ohne Maske...

(Wir haben im Nachhinein zwei Bilder entfernt, weil sie etwas unpassend waren. Exgüse.)

(smi)

Artikel lesen
Link zum Artikel