Schweiz
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Grenzkontrollen im Tessin: Fast 300 Personen wurde die Einreise verweigert

Die vom Bundesrat am Freitag beschlossene vorübergehende Wiedereinführung von Schengen-Grenzkontrollen hat bisher gut funktioniert. So lautete am Samstag eine erste Bilanz des Direktors der Eidgenössischen Zollverwaltung (EVZ), Christian Bock, in Chiasso TI.



Die neuen Bestimmungen gelten seit Freitag 15.30 Uhr. Seitdem ist die Einreise aus Italien nur noch erlaubt für Schweizer Bürgerinnen und Bürger, Personen mit einem Aufenthaltstitel in der Schweiz sowie Personen, die aus beruflichen Gründen in die Schweiz reisen müssen. Es handle sich um einen «Spiegel der Massnahmen», die Italien am 8. und 9. März ergriffen habe, erklärte EVZ-Direktor Bock vor den Medien am Grenzübergang Chiasso-Strada.

Christian Bock, Direktor Eidg. Zollverwaltung, EFD, informiert an einer Medienkonferenz mit Fachleuten des Bundesamts fuer Gesundheit BAG, des Seco, der Eidgenoessischen Zollverwaltung EVZ und des Aussendepartements EDA ueber die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19), am Mittwoch, 11. Maerz 2020 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Christian Bock, Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung. Bild: KEYSTONE

Das Fahrzeugaufkommen im Privatverkehr von Italien ins Tessin sei um 60 Prozent zurückgegangen, erklärte der Zolldirektor. Bis Samstagmorgen sei 288 Personen die Einreise verweigert worden.

Die Zahl der Grenzgänger, die zwischen 4 Uhr morgens und 11.30 Uhr eingereist seien, habe sich bereits von 68'000 auf 28'000 Fahrzeuge reduziert. Die langen Schlangen, die sich während der Woche nach der Einführung verstärkter Kontrollen gebildet hatten, waren praktisch verschwunden.

Gespenstische Ruhe

Während des Informationsanlasses in Chiasso am Samstag passierten nur einzelne Fahrzeuge den Grenzübergang, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort beobachtete. Es herrschte eine gespenstische Ruhe an einem Grenzübergang, an dem normalerweise an einem Samstag viel los ist.

«Es gibt keine besonderen Probleme, die Personen haben die Problemlage verstanden», sagte der Tessiner Zollkreisdirektor und Kommandant Silvio Tognetti. Der Rückgang des Fahrzeugaufkommens sei insbesondere in Chiasso zu spüren (an den beiden Übergängen Strada und Brogeda), weniger beispielsweise in Stabio. Das Personal sei ausreichend, um das neue Regime durchzusetzen.

Grenzkontrolle am Samstag in Chiasso TI.

Grenzkontrolle am Samstag in Chiasso TI. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die Grenze zu Italien macht mit 800 Kilometern den längsten Teil der Schweizer Binnengrenzen mit den angrenzenden Staaten aus. Neun kleinere Grenzübergänge vom Tessin zu Italien wurden geschlossen. An allen anderen Grenzübergängen werden nun systematische Kontrollen gemacht. Zudem werden, wie bisher, Hinterlandkontrollen durch den Grenzschutz ausgeführt sowie die grüne Grenze überwacht.

Ohne Schutzmasken

An den Grenzübergängen zu Deutschland, Frankreich und Österreich wurden bisher keine besonderen Coronavirus-Vorkehrungen getroffen. Die Behörden versuchen jedoch, den Umgehungsverkehr zu verhindern.

Die Grenzwächter in Chiasso arbeiten ohne Atemschutzmasken, während beispielsweise die Verkäuferinnen von Detailhändlern im Tessin seit Samstag solche Masken tragen. «Wir folgen den Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit», sagte Bock auf die Frage, warum die Grenzwächter keine Masken tragen. Nur wer krank sei, müsse eine Maske tragen.

Auch der Transit- und der Warenverkehr ist weiter erlaubt. Schliesslich dürfen auch Personen in einer Situation absoluter Notwendigkeit aus Italien einreisen.

Die Einreisebeschränkungen dienen in erster Linie dazu, die Schweizer Bevölkerung vor Ansteckungen mit dem Coronavirus zu schützen sowie die Kapazitäten im Schweizer Gesundheitswesen aufrechtzuerhalten. Zudem unterstützen sie die Wirksamkeit der italienischen Regelungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Der Bundesrat beobachtet die Lage kontinuierlich und wird die Massnahmen an der Grenze nötigenfalls auf Reisende aus weiteren Ländern oder Regionen anwenden. (bal/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • In vino veritas 15.03.2020 10:06
    Highlight Highlight Das bringt uns jetzt auch nichts mehr. Das Virus hat sich hier schon ausgebreitet. Die Inkubationszeit beträgt bis zu 14 Tage. Wir sind somit mindestens zwei Wochen zu spät mit unseren Massnahmen. Aber wie so oft. Man handelt nicht, um die wirtschaftlichen Folgen zu begrenzen. Dabei wäre der wirtschaftliche Schaden bedeutend geringer, wenn man rechtzeitig und konsequent agiert (nicht reagiert!). Das gleiche gilt für den Klimawandel oder die AHV. Man macht nichts oder nur wenig, damit es später umso teurer wird🤦‍♀️. Aber was will man erwarten? Das unsere Regierung vernünftig handelt? 🤭😅🤣🤣
  • murrayB 14.03.2020 17:12
    Highlight Highlight Wird auch systematisch die Temperatur gemessen? Ich hoffe doch - man hätte das ganze 2 Wochen früher machen sollen - bevor der Tessin mit dem Virus geflutet wurde!
  • kellersamuel182@gmail.com 14.03.2020 17:00
    Highlight Highlight Da die Schweiz NICHT EU- Mitglied ist, ist sie auch NICHT Mitglied der EU- Zollunion!

    Logischerweise bleiben daher die Warenkontrollen an den Grenzen IMMER bestehen.

    Dementsprechend kontrolliert die Eidg. Zollverwaltung, bestehend aus dem Grenzwachtkorps (bewaffneter Teil) und Zöllnern (unbewaffnete Teil), seit je her die Grenze zu unseren Nachbarländern und NICHT erst seit der Coronavirus ausgebrochenen ist.

  • ManuelSeiz 14.03.2020 16:55
    Highlight Highlight Bis die Schweiz beschlossen hat die Grenze zu schliessen, haben es unsere Nachbarn bereits getan. Auch eine Möglichkeit :-)
  • MyPersonalSenf 14.03.2020 16:49
    Highlight Highlight Ich war heute morgen im grössten Coop in Lugano. Keine einzige Person welche dort arbeitete hatte eine Atemschutz-Maske.. somit bitte keine falschen Infos verbreiten, Danke
  • Big-Blue 14.03.2020 16:47
    Highlight Highlight Bei einem Virus mit ca. 2 Wochen Inkubationszeit beschliesst der Bundesrat nach 2 Wochen Grenzkontrollen, nachdem die Lombardei abgeriegelt war und schon zig Länder Einreisesperren für IT und CH erlassen haben, bravo... 🤦🏽‍♂️

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