Schweiz
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Strassenaufnahme von Beda Stadler am Dienstag, 17. November 2015, in Bern. Der Schweizer Biologe Beda Martin Stadler ist emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Instituts fuer Immunologie der Universitaet Bern. Beda M. Stadler wurde in der Oeffentlichkeit durch seine provokativen Kolumnen zu Gesundheits- und Geselschaftspolitischenthemen bekannt. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Der Walliser Virologe Beda Stadler. Bild: KEYSTONE

Alkohol gegen Coronavirus? Immunologe Beda Stadler: «Nicht die dümmste Idee, aber...»

Schnaps soll Coronaviren abtöten, sagte ein deutscher Virologe am Fernsehen. Abwegig sei das nicht, sagt der Schweizer Immunologe dazu – doch er spricht zugleich eine Warnung aus.

Frederic Härri / ch media



Diese Woche beantwortete der deutsche Virologe Jürgen Rissland in der Sendung «Rundum Gesund» auf dem öffentlich-rechtlichen Sender SWR Publikumsfragen. Ein Zuschauer will wissen, ob seine Strategie richtig sei, viel zu trinken, um die Viren den Rachen runter zu spülen - «möglichst auch noch etwas Alkoholisches, das mögen die Viren auch nicht».

Rissland ist um eine Antwort nicht verlegen. Und sie dürfte dem Zuschauer gefallen haben: «Das stimmt natürlich. Je hochprozentiger der Alkohol ist, umso besser ist das.» Schaden könne es ja nicht. Wenn man Whisky-Liebhaber sei, sei das das vielleicht gar nicht eine so schlechte Methode, ergänzt Rissland.

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Sehen Sie die Aussage im Video (ab 41:09). Video: YouTube/SWR

Hochprozentigen Alkohol trinken und der Infektion mit Corona-Viren vorbeugen: Was ist da dran? CH Media hat beim Immunologen Beda Stadler nachgefragt. Der muss lachen, als er das Telefon abnimmt. «Immer öfter rufen – meistens ältere – Leute bei mir an, ob sie sich denn nach dem Mittagessen einen Schnaps genehmigen dürfen.» Er bejahe dann jeweils, sagt Stadler.

Es sei korrekt, dass Alkohol Viren kaputt mache. Als Rezept für ein natürliches Desinfektionsmittel sei Alkohol schliesslich auch schon viele Jahre bekannt. Ein weiterer Vorteil: «Wenn man Husten hat, und die sich im Schleim befindenden Viren die Speiseröhre hinab spült, können so auch weniger Viren in die Lunge gelangen.»

«Wunderbare Ausrede» für ein Gläschen Schnaps

In der Corona-Prophylaxe zum Alkohol zu greifen sei nicht die dümmste Idee, meint Stadler und springt damit seinem deutschen Kollegen Rissland zur Seite. «Lieber das als auf dubiose Alternativmedizin zu vertrauen», sagt er.

Doch auch wenn ein Effekt laut Beda Stadler nicht von der Hand zu weisen ist: Wissenschaftlich fundierte Studien zur Verbindung von Alkohol und Viren gibt es bislang keine. Und Stadler liegt es fern, den Konsum von Alkohol zu propagieren. «Es ist doch so: Jetzt haben alle, die gerne mal wieder ein Gläschen Schnaps trinken wollen, eine wunderbare Ausrede.» Man müsse immer auch vernünftig bleiben können.

Die Menschen machen sich Sorgen wegen ihres Alkoholkonsums

Doch vernünftig bleiben, das fällt vielen Leuten während der Corona-Krise schwer. Langeweile, soziale Isolation, Angst vor Jobverlust und finanzielle Nöte sind alles Faktoren, die den Gebrauch von Suchtmitteln begünstigen. Beim Blauen Kreuz, der Organisation für Prävention, Therapie und Selbsthilfe bei Suchtkrankheiten, mehren sich Anrufe von Menschen, die sich um ihren Alkoholkonsum sorgen, wie Präsident Philipp Hadorn auf Anfrage sagt.

Bild

Philipp Hadorn, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz. zvg

Das sei einerseits ein gutes Zeichen, findet Hadorn. «Es zeigt, dass die Menschen eine Veränderung bemerken und sich mit ihrem Trinkverhalten auseinandersetzen wollen.» Wenn die Situation aber ausser Kontrolle gerate und mehr und mehr Alkohol konsumiert werde, könne das «dramatische Folgen haben, auch für die Gesellschaft». Hadorn sieht derzeit besonders Alkoholiker im Entzug sowie genesene Alkoholiker gefährdet. «Sie sind oftmals nur ein Glas vom Rückfall entfernt.»

Hinzu kommt: In diesen Tagen sind Schweizer Familien auf engem Raum beieinander. Wirklich näher kommen sich viele deswegen aber nicht. Hadorn erzählt, dass in den Gesprächen auf der Hilfs-Hotline häusliche Gewalt immer öfter zur Sprache kommt. Ein Thema, das eng mit der Suchtproblematik zusammenhängt.

«Meistens handelt es sich um präventive Anrufe von Leuten, die Angst um sich selbst oder ihre Kinder haben», sagt Hadorn. Die Mitarbeiter des Blauen Kreuzes stünden beratend zur Seite, konkrete Vorfälle habe man bis jetzt noch nicht melden müssen.

In Grönland wird der Verkauf von Alkohol verboten - und in der Schweiz?

Nicht nur in der Schweiz ist das Thema Sucht während der Corona-Krise präsent, wie ausländische Medienberichte zeigen. In Grönland hat die Regierung gar den Verkauf von Alkohol in der Hauptstadt Nuuk verboten, weil sie wegen des eingeschränkten öffentlichen Lebens mehr häusliche Gewalt befürchtet.

Wäre ein solcher Schritt auch in der Schweiz denkbar? Hadorn hält das für eine sehr drastische Massnahme, eher plädiert er dafür, die Konsumkompetenz der Leute zu schärfen. Ganz ausschliessen will er ein Verbot aber nicht: «Der Bundesrat hat in den letzten Wochen viele Dinge umgesetzt, die wir vor ein paar Monaten nie für möglich gehalten hätten.» (aargauerzeitung.ch)

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blueberry muffin 30.03.2020 06:17
    Highlight Highlight Aber Beda, der Fruehling killt doch den Corona Virus. Die waerme des Fruehlings uebersteht der doch nicht, also im Gegenteil zu der Sommerwaerme in Kalifornien oder dem Iran...
  • bcZcity 30.03.2020 05:12
    Highlight Highlight Eher das Gegenteil. Wenn Alkohol und Zigaretten wie alle anderen harten Drogen behandelt werden würden, würde man mittel und langfristig mehr Leben (Und Familien) retten, als durch den aktuellen Lockdown.
  • Snowy 30.03.2020 01:48
    Highlight Highlight Hanf ist noch immer illegal und den viel schädlicherem Alkohol, der zusätzlich noch DER Gewaltförderer Nr 1 ist, gibt’s überall frei erhältlich.

    Es ist so himmelschreiend falsch!
  • 0ldNicehand 30.03.2020 01:06
    Highlight Highlight Naja, drei von vier meiner Grosseltern haben auch auf den 'abendlichen shot' vertraut um allerlei physische, und vieleicht auch das eine oder andere seelische "chäferli" zu bekämpfen. Aber immer schön Paracelsus ehren, und auch nicht erst im Alter :-)
  • Gubbe 30.03.2020 00:28
    Highlight Highlight Ich hatte mein ganzes Leben noch nie so viel Alkohol im Magen, wie ich damit die letzten 2 Wochen die Hände eingerieben habe.
  • Bernerrose 29.03.2020 22:42
    Highlight Highlight Bei Husten oder Heiserkeit einen "Fässlibrand" vor dem Schlafengehen wirkt bei mir immer.
  • dmark 29.03.2020 21:55
    Highlight Highlight "Wissenschaftlich fundierte Studien zur Verbindung von Alkohol und Viren gibt es bislang keine."

    Na, dann aber mal los, meine lieben Wissenschaftler. Und wenn ihr eine Probanden braucht... Ich bevorzuge Scotch ;)
  • Hauswurz 29.03.2020 21:37
    Highlight Highlight Und bald hamstern die ganzen Deppen den Schnaps.
  • Hardy18 29.03.2020 21:11
    Highlight Highlight Nun lasst den Leuten doch ihr Schnäpschen...
    wer Probleme mit dem Alkohol hat, hatte dies auch vorher. Kein Grund anderen den Spass zu vermiesen. Immer der blöde Zeigefinger... als ob alle hier an die Hand genommen werden müssen. 🙄
  • Max Dick 29.03.2020 20:36
    Highlight Highlight Was ich nicht ganz verstanden habe: dient der Schnaps jetzt als Prävention, damit man Corona gar nicht erst kriegt? Oder mehr als "Heilmittel", falls man ihn schon hat?
    • Matrixx 30.03.2020 15:14
      Highlight Highlight Eher als Prävention, um Viren abzutöten, falls sich diese im Rachenraum bereits eingenistet haben.
    • Max Dick 30.03.2020 16:09
      Highlight Highlight Also jedesmal wenn ich vom einkaufen zurückkomme ein Schnäpschen. Geht klar.
  • Raffaelo 29.03.2020 20:30
    Highlight Highlight Ingwer Tee macht das gleiche und ist gesund... siehe ETH Empfehlungen
    • Bivio 29.03.2020 22:55
      Highlight Highlight Macht aber viel weniger Spass
  • Matrixx 29.03.2020 20:22
    Highlight Highlight Wie bitte, ein mögliches Verbot von Alkohol, weil die Leute nichts besseres zu tun haben, als zu saufen?

    Man kann auch vernünftig trinken!
    1-2 mal die Woche ein Gläschen reicht völlig aus.

    Prost, haltet durch!
    • Max Dick 30.03.2020 13:09
      Highlight Highlight Keine Sorge, dieses Gerücht hat mein Weinhändler in die Welt gesetzt.
  • belane 29.03.2020 20:10
    Highlight Highlight Prof. Viola Vogel von der ETH 'propagiert' das Gurgeln das Schaums nach dem Zähneputzen, da Zahnpaste auch Tenside enthält. Damit wird der Rachen quasi mit Seife desinfiziert.
    Das mach ich bisweilen. Weil jeden Abend Whisky gurgeln ist auf Dauer auch keine Lösung.
  • DemonCore 29.03.2020 18:38
    Highlight Highlight Gründliches und häufiges Händewaschen und gute Hygiene scheinen mir deutlich wirksamer. Ausserdem schädigt Alkoholkonsum auch in kleinen Mengen die Leber, deren einwandfreie Funktion für eine gute Allgemeingesundheit unabdingbar ist.
  • Wiesler 29.03.2020 18:21
    Highlight Highlight *Hikks* Cheers miss Sophie
    • Menel 30.03.2020 00:20
      Highlight Highlight Cheerio Mr. Wieslerbottom 🥴🍷
    • Magenta 30.03.2020 04:32
      Highlight Highlight Skål! 😄
  • maylander 29.03.2020 18:18
    Highlight Highlight Man kann den Schnapps nach dem Spülen auch ausspucken.
    Desinfektionsmittel ist auch hauptsächlich Ethanol. Da hat man etwas was erwiesenermassen wirkt, aber man darf es nicht richtig propagieren. Als ob die Alternativen gesünder wären.
    • Saraina 29.03.2020 18:38
      Highlight Highlight Als Desinfektionsmittel eignet sich 70%er Alkohol. Das ist deutlich mehr als der übliche Whisky, um den es auch schade wäre.
    • Til 29.03.2020 18:48
      Highlight Highlight Whisky hat eigentlich schon fast 70%, er wird einfach für die Flaschenabfüllung verdünnt
    • Staedy 29.03.2020 18:58
      Highlight Highlight Habe noch drei Flaschen Stroh-Rum 80% im Keller gefunden, vom Vater. Gut gelagert, aber heute jeden Tag ein Gläschen.
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