Schweiz
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Schützenpanzer gehen vor dem Inselspital in Stellung: Durch ein Virus erkrankte Menschen versuchen im 2018 publizierten Comicband «The Fall», das Berner Inselspital zu stürmen. bild: blackyard

Panzer vor Inselspital – so stellte sich 2018 ein Berner Comiczeichner die Pandemie vor

Ein tödliches Virus versetzt Bern und die Welt in den Ausnahmezustand: Der Berner Comic-Künstler Jared Muralt zeichnete 2018 ein apokalyptisches Szenario, das damals völlig undenkbar schien. Im Gespräch sagt er, warum er sich vor einer Pandemie mehr als vor einem Atomkrieg fürchtet und wie sich unsere Gesellschaft durch die Coronakrise verändert.



Es sind apokalyptische Szenen, die sich vor dem Berner Inselspital abspielen: Tausende durch ein Virus erkrankte Menschen suchen verzweifelt nach Hilfe. Bewaffnete Armeeeinheiten drängen die Masse mit Schützenpanzern zurück. Vor dem Eingang des Unispitals steht ein gigantisches Feldlazarett. Leute kollabieren auf offener Strasse, ohne dass sich jemand um sie kümmert. Trotz Massenimpfung sind in den letzten Wochen hunderte Menschen an der mutierten Sommergrippe gestorben.

Die Szenen stammen aus dem ersten Band der Comic-Serie The Fall, die der Berner Illustrator Jared Murat (36) im April 2018 veröffentlicht hat. Nun ist die Fiktion urplötzlich ein realistisches Szenario.

Jared, mit deinem Endzeit-Comic hast du die Zukunft zumindest teilweise vorausgesehen. Wie fühlt sich das an?
Total schräg. Es ist schon crazy, den Pandemie-Ausbruch bei uns live in den News zu verfolgen. Die Szene vor dem Inselspital erinnert mich an die Situation in Wuhan im Februar. Nun hoffe ich natürlich schwer, dass in zwei Wochen in Bern nicht solche Zustände herrschen.

Inwiefern unterscheidet sich dein Virus von Corona?
Es ist nicht nur das Virus: Den Figuren im Comic geht es wirtschaftlich so schlecht, dass sie ums Überleben kämpfen müssen. Der Plot ist viel extremer als die aktuelle Entwicklung. Beim Virus selbst orientierte ich mich an Ebola und vor allem der spanischen Grippe. Um das Sommergrippe-Virus gefährlicher zu machen, liess ich es mutieren. Es überträgt sich durch die Luft.

«Eine Pandemie ist – wie der Klimawandel – durchaus ein realistisches Szenario für den Untergang unserer Zivilisation. Viel wahrscheinlicher als ein Atomkrieg.»

Es scheint, als würde wegen des Coronavirus die Welt plötzlich am Rande des Kollaps stehen. Wie siehst du das?
Eine Pandemie ist – wie der Klimawandel – durchaus ein realistisches Szenario für den Untergang unserer Zivilisation. Das ist viel wahrscheinlicher als ein Atomkrieg. Darum habe ich dieses Szenario gewählt. Am Bild vor dem Inselspital zeichnete ich übrigens zweieinhalb Wochen lang, meist in der Nacht. Eine schräge Zeit war das.

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Geplünderte Läden, verwaiste Strassen: Nach dem Ausbruch des Virus spielen sich in Bern apokalyptische Szenen ab. bild: blackyard

Du hast dich für deinen Comic vertieft mit Pandemien auseinandergesetzt. Wie stark beunruhigt dich das Coronavirus?
Ein Tsunami rast auf das Gesundheitswesen zu. Nur weiss niemand, wann genau die Welle kommt und wie hoch sie wird. Niemand weiss, ob die Massnahmen gegen das Virus wirklich greifen werden. Wir können aber von Glück reden, dass das Coronavirus relativ stabil ist und – bis jetzt – kaum mutiert. Vor Covid-19 selbst habe ich Respekt, aber keine Angst. Natürlich habe ich meinen Alltag angepasst: Ich arbeite im Home-Office, meine zwei Kinder gehen nicht mehr in die Krippe.

In deinem Comicband zeichnest du ein düsteres Bild der Menschheit. Solidarität existiert praktisch nicht. Wie verändert das Coronavirus die Gesellschaft in der Schweiz deiner Meinung nach tatsächlich?
Für viele Menschen ist die gewohnte Comfort-Zone, etwa das Büro, von einem Tag auf den anderen passé. Einige Leute sind darum wie gelähmt, haben extrem Mühe mit Veränderungen. Andere nehmen es locker. Es ist aber schon schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es wirkt unglaublich surreal, plötzlich mit den realen Folgen einer Pandemie konfrontiert zu sein. Obwohl wir hier in der Schweiz – im Gegensatz zu anderen Ländern – nach wie vor in einem «Luxus-Notstand» leben.

«Viele Leute sind wie gelähmt, weil sie jetzt ihre Comfort-Zone verlassen müssen.»

Welches Notstand-Erlebnis ist dir bislang besonders eingefahren?
Kürzlich blickte ich zur Stosszeit auf die Autobahn. Normalerweise drängt sich dort Wagen an Wagen. Ich zählte genau drei Autos. Auf eine Art ist das beängstigend, andererseits auch faszinierend.

Die Schweiz steht still. Was sind für dich die positiven Seiten?
Es ist ein absolut einzigartiger Zustand, den noch niemand zuvor erlebt hat. Wir sollten diesen Stillstand auf eine Art auch geniessen. Es fängt gerade ein grosser Denkprozess an. Die Geschwindigkeit des Lebens drosselt sich gerade massiv. Zur Ruhe zu kommen, ist in der heutigen Welt unter normalen Umständen immer schwieriger. Das ist eine Chance, endlich runterzukommen. Wir sollten uns künftig zweimal pro Jahr eine Woche einen freiwilligen Lockdown verordnen. Einfach um runterzufahren.

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Der Berner Jared Muralt (36) sah die Pandemie voraus. bild. zvg

Wieso?
Es setzt neue Kräfte frei. Ein Beispiel: Wenn sich Kinder langweilen, entwickeln sie irgendwann neue Ideen. Dasselbe passiert gerade mit unserer Gesellschaft. Wir erleben eigentlich gerade ein gigantisches soziales Experiment.

«Wenn sich Kinder langweilen, entwickeln sie irgendwann neue Ideen. Dasselbe passiert gerade mit unserer Gesellschaft. Wir erleben ein gigantisches soziales Experiment.»

Wird die weltweite Coronakrise die wachstumsgetriebene Gesellschaft nachhaltig verändern?
Ich bin dem Kapitalismus gegenüber kritisch eingestellt. Die Schweiz ist nicht so reich geworden, weil wir härter als andere arbeiten oder «liebi Sieche» sind. In der Realität produzieren chinesische Billigarbeiter viele unserer Produkte zu einem Hungerlohn. Nur das Wachstum zählt. Ich habe Hoffnung, dass sich das durch Corona ein bisschen verändert. Ein Systemwechsel halte ich nur für wahrscheinlich, wenn die Welt tatsächlich zusammenbricht. Das hoffe ich natürlich nicht. Es ist also ein zweischneidiges Schwert. Eine weltweite, krasse Rezession wünsche ich mir natürlich nicht. Aber die Menschen ändern ihr Verhalten nicht, wenn es ihnen zu gut geht. Die aktuelle Situation ist zumindest ein guter Nährboden für Veränderungen.

Zurück zu deinem Comic. Etwas zynisch gefragt: Eigentlich konnte dir ja nichts besseres passieren als eine reale Pandemie. Gehen deine Verkäufe jetzt durch die Decke?
Wie es der Zufall wollte, ist «The Fall» im März auch auf Französisch erschienen. Das ist tatsächlich ein gutes Timing. Viele französische Medien haben darüber berichtet, etwa die Zeitung «Le Figaro». Auch in den sozialen Medien erhalte ich viel Aufmerksamkeit. Aber ich kann meine Comics nicht mehr in Buchhandlungen verkaufen, wo ich den Grossteil meiner Einnahmen erziele. Zudem sind alle Comic-Festivals abgesagt. Das Coronavirus trifft auch mich ziemlich hart.

Hinweis: Der zweite Band von «The Fall» erscheint am 4. April. Hier könnt ihr euch das Comic bestellen.

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Menschen kämpfen ums Überleben: Band 1 von «The Fall »zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft. bild. blackyard

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Glenn Quagmire 28.03.2020 07:18
    Highlight Highlight noch einer, der Bescheid wusste? Zum Glück habe ich genug Aluhüte!
    • MartinZH 28.03.2020 19:32
      Highlight Highlight Vielleicht hat er vor vor 5 Jahren einfach Bill Gates zugehört, als dieser vor einer Pandemie warnte? 🤔👍😉

      His TED Talk from 2015 titled “The next outbreak? We’re not ready” is being shared widely online in recent weeks given the impact of COVID-19 around the world.

      “If anything kills over 10 million people in the next few decades, it’s likely to be a highly infectious virus rather than a war,” Gates said during the Ted Talk. “Not missiles, but microbes.”

      Two years later, he said the same thing in Davos: “It’s pretty surprising how little preparedness there is for it,” Gates said in 2017.
      Play Icon
  • Thomas G. 28.03.2020 05:02
    Highlight Highlight Systemkritik vom Leuten die vom System profitieren ist ziemlich schräg! Was ist denn die Alternative zum Kapitalismus westlicher Prägung?
  • Arnoli 28.03.2020 00:19
    Highlight Highlight Anscheinend ist das Inselspital momentan halb leer. Gemäss Patienteninsassen ohne Coronjes-Panik. Möge es auch so bleiben. Wenn die Armee die Flieger kauft, braucht es keine Panzer in Bern. Wobei, in einem Panzer ist man schon ziemlich "safe"...
  • MartinZH 27.03.2020 18:01
    Highlight Highlight Ich denke, der fehlende Vertrieb über die Buchhandlungen wird keine grosse Hürde sein. Der Online-Handel und Lieferdienste boomen ja gegenwärtig wie in Weihnachtszeiten. Zu einem Engpass könnte es höchstens in der Druckerei kommen, wenn zu viele Leute ausfallen und die Rohwaren für den Druck ausbleiben. Ich wünsche dem Comic-Künstler jedenfalls viel Glück – und ich gönne ihm den Erfolg sehr! Soll ja nicht so einfach sein, sich als Comic-Zeichner und Illustrator durchzuschlagen. Vielleicht bestelle ich mir dieses Comic-Buch ebenfalls, scheint ja mit der Aktualität wirklich realitätsnah zu sein.
    • Thomas G. 28.03.2020 05:03
      Highlight Highlight Ea gibt ja auch noch PDF
  • Fairness 27.03.2020 17:21
    Highlight Highlight X Virologen warnen schon seit Jahren. Leider wurden sie nicht gehört. Die Gier war wichtiger.
  • Rölsche 27.03.2020 17:16
    Highlight Highlight Als älteres Semester kann ich folgendes Sagen:

    1. Was zur Zeit bzgl. Entschleunigung“ geschieht, ist für die Älteren jetzt nicht sooo speziell. Zuhause sein, nicht allen Trends folgen, Bescheiden sein, ist für uns eh schon normal (die Jungen sagen dem Bünzlitum, habe ich früher auch so gesagt). Die Veränderung ist für die jüngere Spassgesellschaft wohl grösser, weil die Beschallung von aussen mal fehlt. Schaden tut das nicht.

    2. Ich bin mir zu 100% sicher, dass es genau gleich weiter geht wie vorher, wenn es mal vorbei ist. Warum? Weil alle alles noch extremer nachholen wollen.
  • cutP 27.03.2020 16:06
    Highlight Highlight Der Comic ist sehr zu empfehlen!!
  • Resche G 27.03.2020 15:57
    Highlight Highlight Ach du sch.... der Muralt wusste auch vom Plan!!!

    War der am Bilderberger Meeting ? Oder gar jüdischer Abstammung? Nein wartet under seiner Maske ist ehr sicher ein Reptiloid. Dies ist die einzige Erklärung wieso er sowas hat kommen sehen!
    • Fairness 27.03.2020 17:21
      Highlight Highlight X Virologen warnen schon seit Jahren. Leider wurden sie nicht gehört. Die Gier war wichtiger.
    • Barthummel 27.03.2020 17:30
      Highlight Highlight Ach, Resch G 🤦‍♂️
      Hast du schon wieder unser Meeting der jüdischen Bilderberger-Reptiloiden verpasst? Zum wievielten Mal jetzt? 😒
      Dabei haben wir dir doch extra einen Aluhut als Reminder geschenkt. 🤷‍♂️

      Das nächste mal bitte erscheinen, damit du im Bilde bist. So kann das ja nicht weitergehen. Dein Schnuckelchen Greta kommt übrigens auch und bringt Chemtrail-Kekse mit. 🍪 😋

      Cu 🖖👁

      PS: Vergiss deine 5G-Haarp-Killer-Fluorid Theorie nicht, von der du uns schon lange berichten wolltest! ☝️
    • tTurbø 27.03.2020 17:45
      Highlight Highlight .du must gar nicht so weit denken, die Lösung liegt doch auf der Hand!

      Bill Gates hat 5 Buchstaben im Nachnamen
      Jared Murat hat 6 Buchstaben im Nachnahmen

      B und G stehen im Alphabet 6 Buchstaben ausseinander
      J und M sind genau 5 ausseinander

      ..und bitte kommt nicht mit Gegenargumenten, das ist ein wasserdichter Beweis! #wakeup
    Weitere Antworten anzeigen
  • Barthummel 27.03.2020 15:39
    Highlight Highlight In einer Sache muss ich ihm zu 100% Recht geben.
    Wir erleben wirklich gerade ein gigantisches soziales Experiment.

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