Schweiz
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Moderator Sandro Brotz ist in der Frauen-«Arena» der einzige Mann in der Runde. screenshot srf

Analyse

Er poliert, sie politisiert: Wie Toni Brunner die Frauen-«Arena» crasht

Nach den Wahlen ziehen über zehn Prozent mehr Frauen in den Nationalrat ein. Aber wird jetzt wirklich alles anders? Wie kommen Frauen wirklich an die Macht? Und braucht es nun eine Elternzeit? Die Meinungen in der «Arena» gehen weit auseinander. Und dann hat ein schweizweit bekannter Wirt einen Überraschungsauftritt.



Für die Erheiterung des Abends sorgt mit Toni Brunner ein Gast, der gar nicht in die Frauen-«Arena» eingeladen ist. Der frühere SVP-Präsident und heutige Wirt im legendären Landgasthof «Haus der Freiheit» poliert im Einspielvideo fleissig Weingläser und grinst.

Dies während seine Frau, die neue St. Galler SVP-Nationalrätin Esther Friedli, vor dem Buffet engagiert ihre Parolen wie «Gleichstellung kann man nicht staatlich verordnen» schwingt. So sehen die Gender-Rollen im Hause Brunner/Friedli aus.

Hier crasht Toni Brunner die «Arena»:

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Video: streamable

Zumindest im Bundeshaus haben die Frauen bei den Wahlen einen Schritt in Richtung Gleichstellung gemacht. In der neuen Legislatur sind alleine im Nationalrat zehn Prozent mehr Frauen dabei, der Anteil der Nationalrätinnen steigt auf 41,5 Prozent. 88 von 200 Mitgliedern des Nationalrats sind neu weiblich.

Dem Wahlerfolg sollen Taten folgen: «Die Frauen müssen jetzt mehr vorne hinstehen. Es braucht jetzt mehr Engagement bei den kantonalen Wahlen», fordert Flavia Kleiner («Helvetia ruft»/Operation Libero) bei ihrem Kurzauftritt in der Sendung von «Arena»-Moderator Sandro Brotz. Denn eine Demokratie sei nur so gut, wie sie die Bevölkerung repräsentiere. Frauen seien nach wie vor untervertreten.

Flavia Kleiner: «Eine Demokratie ist nur so gut, wie sie die Bevölkerung repräsentiert»

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Video: streamable

Neo-SP-Nationalrätin Sandra Locher Benguerel will den Schwung des Frauenstreiks sowie der Frauen-Wahl für eine fortschrittlichere Gleichstellungspolitik nutzen: «Ich bin erst zufrieden, wenn Frauen im Parlament einen Anteil von 50 Prozent erreichen», sagt die Bündnerin.

FDP-Nationalrätin Regine Sauter fordert die Frauen auf, mutiger zu sein. «Frauen müssen ihre Möglichkeiten besser nutzen. Sie haben heutzutage alle Chancen ». Wichtig sei weiter zu beachten, dass Frauen alles andere als eine homogene Gruppe seien.

«Frauen alleine sind kein Polit-Programm», wirft SVP-Friedli ein und zielt dabei auf Katharina Prelicz-Huber, Nationalrätin Grüne. «Frau Prelicz, reden Sie für alle Frauen?», fragt sie dann auch Moderator Brotz. Es brauche mehr Frauen-Solidarität, sagt diese. «Der Kampf für die Frauen geht jetzt erst richtig los», sagt sie in ihrem Eingangsstatement.

Solidarität hin oder her: Frauen verdienen im Jahr 2019 gegen ein Fünftel weniger als Männer. Was sind aber die Gründe für die grassierende Lohn-Ungleichheit? Die Meinungen gehen weiter auseinander:

«Gleichstellung darf keine Verhandlungssache sein.»

Sandra Locher, SP

Unternehmensberaterin Esther Friedli hat einen simplen Erklärungsansatz: «Frauen stellen viel zu tiefe Lohnforderungen. Sie müssen vermehrt auf den Tisch hauen.» SP-Politikerin Locher Benguerel verdreht ob diesem Statement die Augen. «Gleichstellung darf nie eine Verhandlungssache sein. Denn sie steht im Gesetz!» Das Problem sei struktureller Natur. Denn Untersuchungen zeigten: Je femininer ein Beruf, desto tiefer seien die Saläre. Dies zeige sich etwa bei den Anfangslöhnen in der Pflege und Betreuung.

«Kita-Mitarbeitende sollten gleich viel verdienen wie ein Handwerker. Wir wollen endlich gleichwertige Löhne», so ihre Kollegin Prelicz-Huber. Es brauche generell eine viel höhere Lohntransparenz.

SP-Locher gibt Gas:

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Video: streamable

FDP-Sauter wirft ein, dass Löhne nur extrem schwer 1:1 vergleichbar seien. Da sich etwa die Berufserfahrung sehr individuell auf den Lohn auswirke.

Der Zank um die Elternzeit

Obschon das Parlament gerade erst einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub beschlossen hat, geht die Diskussion um die Elternzeit in der Schweiz erst richtig los. Die SP etwa fordert 38 Wochen Elternzeit, die zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden kann.

Braucht es in der Schweiz eine Elternzeit? Und wie lange soll sie dauern? «Einen weiteren Ausbau des Sozialstaates können wir uns nicht leisten», ist für SVP-Friedli klar. Ganz anders sieht es SP-Locher. Die Elternzeit bringe weitere Vorteile. Frauen ermögliche sie eine bessere Karriereentwicklung, was auch den Fachkräftemangel in der Schweiz eindämme. Männer seien näher bei der Familie, wenn sie mehr Zeit für die Kinder hätten. «Die Elternzeit ist eine Investition, die zwar viel kostet. Aber langfristig auch zu höheren Steuereinnahmen führt und sich so finanziell auszahlt», so Locher.

Prelicz-Huber betont, dass die Schweiz bei der Elternzeit im internationalen Vergleich weit im Hintertreffen sei. Die Elternzeit nütze der Wirtschaft zudem in weiteren Punkten. «Junge Eltern haben mit Elternzeit eine bessere Arbeitsmoral und sind loyaler zum Unternehmen», ist die Grünen-Nationalrätin überzeugt.

Weiter dreht sich die für «Arena»-Verhältnisse sehr gesittete Diskussion um Frauenquoten in den Teppichetagen von Unternehmen. «Man kann mit einem 50-Prozent-Pensum nicht CEO werden», sagt Regine Sauter von der FDP. Für sie spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine zentrale Rolle, damit Frauen mehr Führungspositionen übernehmen können. Starre Frauenquoten lehnt sie jedoch wie SVP-Friedli ab. Anders sieht es SP-Locher. «Frauen machen gute Bildungsabschlüsse, aber dann versickern sie irgendwo in den Unternehmen. Darum braucht es sogar in KMUs Frauenquoten!»

Zum Schluss der Sendung fragt Moderator Brotz, was denn die Frauen von den Männern in Zukunft erwarten.

Das sind die Wünsche der Nationalrätinnen an die Männer:

«Männer müssen offen sein, die neuen Rollenbilder zu leben.»

Sandra Locher, SP

«Männer sollen die Kompetenzen der Frauen anerkennen und sich selbst weniger auf die Schultern klopfen.»

Regine Sauter, FDP

«Männer sollen sich mehr in der Care-Arbeit engagieren.»

Katharina Prelicz-Huber, Grüne

«Ich wünsche mir engagierte Bürger, und zwar Männer wie Frauen.»

Esther Friedli, SVP

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Frauenstreik am 14. Juni 2019

«Sie macht Feminismus im Büro, obwohl das hier verboten ist»

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