DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

In den sozialen Netzwerken dominieren schwarze Bilder. bild: instagram/screenshot

Kommentar

Warum es nicht reicht, ein schwarzes Bild auf Instagram zu posten

Auf Instagram dominiert die Farbe Schwarz. Doch um gegen Rassismus zu kämpfen, braucht es viel mehr als nur einen Post mit einem schwarzen Bild und dem Hashtag Blackouttuesday.



Mein Instagram-Feed zeigt ein schwarzes Bild nach dem anderen. Die Solidaritätswelle für George Floyd, der nach einem brutalen Polizeieinsatz gestorben ist, ist überwältigend. Die Posts sind wichtig. Sie machen auf Rassismus aufmerksam und rütteln auch den newsdepriviertesten Zeitgenossen wach.

Doch beim Scrollen durch die Feeds frage ich mich: Reicht es wirklich, als weisse, privilegierte Person ein schwarzes Bild zu posten? Oder ist es mehr leere Geste und Gewissensreinigung, anstatt ein wirklicher Akt der Solidarität?

Postings auf Insta sind schön und gut, Social Media ein mächtiges Tool für Protest und Aktivismus. Reale Missstände werden damit publik gemacht, aber noch lange nicht gelöst. Es braucht mehr.

Während der Coronakrise applaudierte die Insta-Community für das Pflegefachpersonal – online und offline. Doch die klatschenden Hände sind verstummt. Der Hype ist vorbei. Gelöst sind die Probleme im Gesundheitswesen noch lange nicht.

Dasselbe gilt für Rassismus. Ein paar Tausend schwarze Bilder, die die gängigen Selfies mit Glitzerfilter und hochalpinen Bergpanoramas aus dem Feed verdrängen, machen die Welt nicht besser. Wir müssen unsere digitale Solidarität in analoge umwandeln.

Wie das funktionieren soll? Indem man denen eine Stimme gibt, die wissen, wovon sie sprechen*. Indem man Organisationen finanziell unterstützt, die sich gegen Rassismus einsetzen**. Indem man Bücher, Dokumentationen und Podcasts zum Thema konsumiert***. Aber als Allererstes muss man sich immer und immer wieder bewusst machen, dass Weiss-sein in unseren Breitengraden in so gut wie allen Lebensbereichen als Norm gilt.

«Neutral ist weiss. Die Norm ist weiss. Weil wir in ein bereits existierendes Drehbuch hineingeboren werden, das uns sagt, was wir aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Akzents und ihres sozialen Status von Fremden zu erwarten haben, ist die gesamte Menschheit weiss codiert. Schwarzsein ist das ‹Andere› und deshalb verdächtig», schreibt die in London geborene Journalistin und Bloggerin Reni Eddo-Lodge in ihrem preisgekrönten Buch «Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche».

Diese Erkenntnis ist der Anfang. Und sie führt hoffentlich dazu, dass man seine eigenen Meinungen und Ansichten zu hinterfragen beginnt. (An welche Farbe denke ich beispielsweise, wenn mir jemand sagt, «reich mir doch den Farbstift in Hautfarbe?») Nur so schwappt die digitale Solidaritätswelle auch in die reale Welt über und kann Rassismus eine genügend starke Stirn bieten.

* Accounts

** Organisationen und Bewegungen

*** Bücher, Dokus und Podcasts über Rassismus:

Du kennst weitere Organisationen, denen man spenden kann, oder Bücher, die man lesen soll? Dann ab damit in die Kommentare.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA

Anti-Rassismus-Demo: Rund 1000 Menschen protestieren friedlich in Zürich

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommentar

Geschichte ist kein «Safe Space» – warum wir Escher nicht vom Sockel stürzen sollten

«Black Lives Matter» hat die Schweiz erreicht – und damit auch die Frage, ob Standbilder von Männern, die vom Sklavenhandel profitiert haben, geschleift werden sollen. Das prominenteste Beispiel ist die Statue von Alfred Escher in Zürich.

Alfred Escher soll weg. Das Standbild des Schweizer Wirtschaftsmagnaten und Eisenbahnpioniers, das vor dem Zürcher Hauptbahnhof thront, soll aus dem öffentlichen Raum verschwinden – es soll abgerissen oder in ein Museum verbannt werden. Denn Eschers Aufstieg wäre ohne den Reichtum seiner Familie, der unter anderem auf der Arbeit von Sklaven beruhte, kaum möglich gewesen.

Die Forderung, Eschers Statue zu entfernen, hat ihr Gutes. Sie ruft die unrühmliche, aber wenig bekannte Verwicklung der …

Artikel lesen
Link zum Artikel