DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Was ist der hohlste Traumjob der Welt? Influencer!

Das ist Bibi. Sie ist YouTuberin und hält Dinge in der Hand. Bild: youtube/bibisbeautypalace

Hat das was mit Politik zu tun? Sicher nicht! Geht es darum, dass uns Leute Dinge verkaufen, von denen sie wirklich eine Ahnung haben? Auch nicht? Worum denn dann?



Es war ein wunderschöner Abend in einer Gartenbeiz. Am Nebentisch sass eine Kleinstfamilie – Mutter, Vater, Teenie-Brut. Pardon, Teenie-Tochter. Es war ihr anzusehen, dass sie jeden Quadratzentimeter ihres Gesichts und ihrer Frisur so hergerichtet hatte, dass ein Selfie jederzeit drinlag. Sie schaute böse. Die Eltern schauten müde und unglücklich.

Das Teenie-Mönsterchen sagte: «Imfall, ich werde YouTuberin.»

Nein, das sagte es nicht. Aber es war der Subtext dessen, was es wirklich sagte: «Mami, echt, YouTuber – kännsch nöd?! Die sind imfall EXTREM wichtig. Die verdienen viel Geld und kriegen alles geschenkt. Hier zum Beispiel, die Dagi Bee ...» Es zückte entschlossen sein Phone. Eine weitere Locke der Mutter färbte sich grau.

Das ist Dagi Bee. Mit ihrem Dasein macht sie ihre Fans vollkommen verrückt. Bild: imago stock&people

Am Fernsehen lief in einer People-Sendung ein Beitrag über die Dagi oder die Bibi, ich kann sie ja nie unterscheiden, sie haben immer gerade blonde Haare, machen Lidstrich-Demonstrationen, halten Produkte in die Kamera und verhashtagen alles auf Instagram. Egal, der Beitrag lief also und darin waren Tausende von Kindern zu sehen, die der Bibidagi zukreischten und kurz davor waren, in Ohnmacht zu sinken. 

Es ist jetzt soweit: YouTuber, Instagrammer und andere Formen von virtuellem Influencer-Tum sind offizielle neue Traumberufe. 

Der «Tages-Anzeiger» brachte einen Beitrag über irgendeine Sylwina, die angeblich ein Insta-Star ist, und ich sah auf Sylwinas Account mit Schrecken: Die Frau und ich waren schon gleichzeitig am gleichen Ort gewesen. Ich privat. Sie mit Profifotograf. Meine Insta-Bilder kriegten höchstens 43 Herzchen. Ihre mindestens 1500. Ich machte Feierabend, sie machte Geschäfte, nahm Einfluss, war ein Influencer.

Hier sehen wir, wie Sylwina das Filmfestival Locarno besucht (im Ernst). quelle: instagram/@_sylwina_

Was wohl das Verfallsdatum für all die klonartigen Influencerinnen ist? 27? 31? Heissen sie danach anders? «Werbeträgerin», «Werbegesicht», «Werbeikone»? So wie einst Verona Pooth geborene Feldbusch die «Werbeikone mit dem ‹Blubb›» für Rahm-Spinat von Iglo war? Ah, sorry, das ist wahrscheinlich schon 785 Jahre her. Da hatte noch niemand Influence und Instagram. Jetzt hingegen! Wow! Und alles selbstgemacht! Mit Fleiss, Talent und geraden Haaren. Und jedes festgehaltene Produkt haben sie enorm genau getestet. Haben sie natürlich nicht. Weiss man ja. So wie Verona den Spinat vielleicht gar nie gegessen hat.

Wozu also sind die Influencer da? Und ist ihr Anhänger-Stamm tatsächlich so wichtig als Reflektor und Konsument eines Produkts?

Kommt da was zurück, wenn man auf dem Selfie eines Insta-Stars vorkommt? Ja? Vielleicht? Nein? In Amerika wird aktuell eine Milliarde Dollar in die Instagram-Influencer reingepumpt. Da darf man ja wohl mal fragen.

Ein suggestives Schaumbad. Auch immer gaaanz wichtig. Hier nimmt es Insta-Model Marie von Behrens. bild: instagram/mvb

Die amerikanische Mediakix-Agentur, die sich um Influencer-Forschung kümmert, hat nun mit zwei Fake-Accounts versucht, Insta-Influence zu gewinnen. Sie nahmen zwei Frauen mit geraden blonden Haaren, die eine wanderte, die andere war einfach ein California-Girl. Der Account des «Wanderingggirl» wurde mit reinen Agenturfotografien von schönen Landschaften bestückt, das «calibeachgirl310» liess sich ein paar Mal ablichten, fertig waren die schönen Bilder.

«Free as the ocean, living in the golden sun» –  so wirbt das falsche Beachbabe für sich.

Ein paar Tage lang kaufte Mediakix Follower, 1000 Stück für 3 bis 8 Dollar, bis das Volumen gross genug war, um sich damit auf Influencer-Plattformen für Werbeaufträge und Sponsoring zu bewerben. Damit die Bilder auch Kommentare hatten, kaufte die Agentur «Fake Engagement». Ein Kommentar kostete 12 Cent, 1000 Likes 4 bis 9 Dollar. Und siehe da: Die lukrativen Aufträge prasselten nur so rein.

Es kann also sein, dass der Resonanzraum hinter den Bildern vollkommen leer ist. Dass das ganze Unternehmen so hohl ist wie es aussieht. 

Allerdings widersprechen dem die kreischenden Bibidagi-Kinder. Die jetzt eine Zukunftsvision gefunden haben, welche noch deutlich unter jener der «Germany's Next Topmodel»-Kandidatinnen liegt. Die wollen wenigstens noch was: Die Welt sehen, an Schauen laufen, «Editorials shooten», sich hoch arbeiten, ähm ... Und die Influencer? Auf dem Bett liegen und einen neuen Glitzer-Lockenstab in die Kamera halten? Please!

Das sind die meistgelikten Bilder auf Instagram

1 / 21
Das sind die meistgelikten Bilder auf Instagram
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Bitte sei einfach keiner dieser Selfie-Typen!

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Mehr mint gibt's hier:

15 Styles, die Ende 90er und Anfang 2000er der Shit waren

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Nach «Avengers: Endgame» – diese 7 kommenden Filme könnten auch die Milliarde knacken

Link zum Artikel

Ich + Ich + Tattoo-Dirk à Paris

Link zum Artikel

«Game of Thrones»: Das war sie also, die grösste Schlacht der TV-Geschichte?!?!

Link zum Artikel

Dieses Model trägt als Erste einen Burkini auf der Titelseite der «Sports Illustrated»

Link zum Artikel

«Avengers: Endgame» pulverisiert Kinorekord – und sorgt für Schlägerei

Link zum Artikel

«Meine Ehefrau hat mich jahrelang mit ihrer Jugendliebe betrogen»

Link zum Artikel

Die vegane Armee

Link zum Artikel

14 Comics, die das Leben als Mann perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Die Jackson-Doku «Leaving Neverland» erhitzt die Gemüter – 6 Gründe, warum das so ist

Link zum Artikel

Auf den Spuren meiner Urgrossmutter

Link zum Artikel

Regie-Legende Francis Ford Coppola: Neues Alter, neuer Film, neues «Apocalypse Now»

Link zum Artikel

Schwangerschafts-Abbruch wegen Trisomie: «Die Entscheidung war furchtbar, aber klar»

Link zum Artikel

«Mimimi» – Wie schnell bist du empört?

Link zum Artikel

Sterben am Schluss alle? Das verraten uns die 3 neuen Teaser zu «Game of Thrones»

Link zum Artikel

So heiss, stolz und glücklich feierten die «Game of Thrones»-Stars Premiere

Link zum Artikel

10 lustige Antworten auf die dumme Frage: «Wann hast du entschieden, homosexuell zu sein?»

Link zum Artikel

Böööses Büsi! Stephen Kings «Pet Sematary» ist wieder da

Link zum Artikel

RTS zeigt GoT zeitgleich am TV. Und wir fragen: Wann wollt ihr dazu was von uns lesen?

Link zum Artikel

Ja, in der Schweiz gibt es Obdachlose – und so leben sie

Link zum Artikel

«Krebs macht einsam» – wie Ronja mit 27 Brustkrebs überlebte

Link zum Artikel

Coca Cola Life und 17 weitere Getränke, die (beinahe) aus der Schweiz verschwunden sind

Link zum Artikel

US-Komiker Noah spricht über seine (Schweizer-)Deutsch-Erfahrungen – und es ist grossartig

Link zum Artikel

Die Boeing 737 ist derzeit nicht sehr beliebt – wie dieser Litauer jetzt auch weiss

Link zum Artikel

«Leaving Neverland»: Brisante Jackson-Doku kommt am Samstag im SRF

Link zum Artikel

Sag nicht, wir hätten dich nicht gewarnt: 7 Dokus zum 🐝-Sterben

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Der neue Schweizer Streaming-Dienst «Filmingo» will das Anti-Netflix sein

Link zum Artikel

Tantra-Tina, ihre Latexhandschuhe und mein Orgasmus

Link zum Artikel

Ich machte bei GNTM mit – und so war's (empörend!)

Link zum Artikel

Mick Jagger braucht eine neue Herzklappe – und will bald wieder auf der Bühne stehen

Link zum Artikel

Nacktbild von Sohn löst Shitstorm aus – Sängerin Pink rastet aus

Link zum Artikel

«Ich liebe meine Freundin, aber ich liebe auch schöne Frauen…»

Link zum Artikel

Ihre Produkte haben die Welt erobert – trotzdem wurden diese 5 Erfinder nicht reich

Link zum Artikel

Disney wird immer mächtiger – warum darunter vor allem Kinos und Zuschauer leiden

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum dieser Bio-Bauer keine Angst vor der Trinkwasser-Initiative hat

Es brodelt in der Bio-Branche. Die Trinkwasser-Initiative spaltet die Gemüter. Der Berner Bio-Bauer ist enttäuscht über die Nein-Parole von Bio Suisse. Bei einem Rundgang über seinen Hof erzählt er von seiner Vision – und erklärt, warum er kein Nutella isst.

Durch die malerische Landschaft des Berner Seelands, vorbei an den typisch rund geschwungenen Dächern der Berner Bauernhäuser, durch die Gemeinde Grossaffoltern führt ein einsamer Weg auf den Hof von Markus Bucher. Er trägt den lieblichen Namen «Farnigasse». Und die Farnigasse gibt Buchers Reich seinen Namen. Das «Farngut» des Bio-Bauern ist umgeben von blühenden Apfelbäumen und frisch bepflanzten Knoblauch-Feldern. Es ist ruhig auf dem Hof. In der Ferne sind einige Feldarbeitende zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel