Leben
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bild: watson / shutterstock

Emma Amour

Kurzfristig liebe ich wieder Sven, Andy und Funk, den Punk!

Nachdem ich die Chuchichäschtli und Badezimmerschränkli ausgemistet und geputzt habe, gönne ich mir eine Reise zurück in meine Teenie-Vergangenheit. Und erlebe, dank meiner Zauberbox, den «hell of a ride» in Sachen Liebe.



Ich weiss es, als wäre es erst gestern gewesen. Funk, der Punk, kam mit seinem Puch angefahren. Die Lederjacke, die er trug, hat er mit einem sehr grossen Anarchie-A gepimpt. Über den ganzen Rücken prangte es. Dafür gingen mehrere Tipp-Ex-Fläschchen drauf.

Funk, der Punk, hatte – logisch – lange Haare. Immer biz fettig. Hie und da hochgebunden. Meistens aber trug er sie offen. Er gehörte zu den ersten Kids, die rauchten und geklautes Bier aus Dosen tranken.

Ich muss damals 14 gewesen sein. Eventuell 15. Wir trafen uns oft am See auf dem kleinen Spielplatz hinter einer Villa. Wir hörten Musik, hängten rum, verliebten uns, knutschten, entliebten uns. Waren uns aber jedes Mal sicher, dass es die Liebe unseres Lebens wird.

Zu viel Zunge, viel zu viel Zunge!

Bei Funk, dem Punk, und mir war ich mir besonders sicher. Auch der Fakt, dass ich sehr viel mehr auf ihn als er auf mich stand, konnte mich nicht bremsen. Ich schrieb ihm mindestens 20 Liebesbriefe. Zwei hat er beantwortet. «Bisch än Schnügel. Küssli, Anarchie» stand auf einem.

Diesen halte ich jetzt, rund 20 Jahre nachdem ich ihn bekommen habe, in den Händen. Ich wühle mich nämlich mal wieder durch meine uralte Schachtel, in der ich Trouvaillen meiner Jugendjahre aufbewahre.

Nachdem ich nämlich, Corona sei Dank, schon alle Badezimmerschränkchen und Chuchichäschtli ausgemistet und geputzt habe, kramte ich mal wieder die Zauberkiste hervor.

Der Zyklop, mein Lieblingsmann und Freund, liegt nämlich gerade flach. Bei sich daheim. Kein Corona. No worries.

Zurück zu Funk, dem Punk. Und unserem Kuss. An einem Freitagabend. Kurz bevor mein letzter Bus Richtung Kinderzimmer fuhr. Er wusste von meiner Liebe. Und er war betrunken. Wir sassen im Kreis. Eventuell (Sorry, Gesetz) ging ein Joint rum. Er setzte sich neben mich.

Wir hielten Händchen. Ich war im Himmel. Im Hintergrund lief aus seinem Ghettoblaster Guns n' Roses. Als er mich plötzlich küsste. Vor allen. Mit viel zu viel Zunge. Ich fands das Grösste. Das Romantischste. Das Krasseste ever.

Funk, der Punk, und ich waren vier Tage ein Paar. Dann verliess er mich für Corinne, eine hochgewachsene grossbusige Blondine. Bitch.

Viel Petting und eine Narbe

Meine Traurigkeit war aber schnell verflogen. Weil Sven, der Skater, Interesse an mir zeigte. Er zeichnete Graffitis für mich, klebte «Fuck the School»-Kleber auf mein Velo und legte mir saure Zungen aufs Schulpult.

Also war ich verschossen. Also kaufte ich mir Stüssy-Pullis und ein Skateboard. Mit dem ich so dermassen auf die Fresse fiel, dass ich immer noch eine Narbe über der linken Augenbraue habe. Hat sich aber gelohnt. Die drei Wochen mit Sven waren super. Petting konnte er auch.

Nach Sven war ich in Andy verliebt. Der war aber schon mit einer anderen aus meiner Klasse zusammen. Mit Tanja mit den langen roten Locken, die immer hübsche Röcke trug. Bitch. Natürlich ist sie keine Bitch. War auch nie eine.

Andy also. Zu meinem Glück hielten die Beziehungen damals nicht sehr lange. Kurz nachdem Tanja Andy verliess, hatte er Geburtstag. Ich schenkte ihm eine Flasche Pesca Frizz mit einer selber verzierten Etikette. Auf die schrieb ich dann die Worte, die unsere alle Jugend-Jahre prägten: «Willst du mit mir gehen?».

Er kreuzte «Ja» an. Obwohl er immer noch sehr in Tanja verliebt war. Wir waren keine Ahnung wie lange zusammen. Nicht lange jedenfalls. Und wir hatten kein einziges Mal was zusammen. Wir haben nicht mal wirklich abgemacht in der Freizeit. Aber hey, auch diese Liebe war big.

Spoiler: Dieser Text hat ein sehr tolles Happy End! <3

Mega big sind auch die Revival-Gefühle, die sich gerade in meiner Herz-Gegend ausbreiten. War schon sehr geil damals. Ein Zettel, eine Frage, drei Kästchen, zäck, ging man zusammen. Nicht lange, nicht weit, aber man tat es. Und dann liess man sich wieder los, um ganz schnell jemand anderen an die Hand zu nehmen.

Eigentlich sehr modern und tolerant. Waren wir eventuell sogar die Vorreiter für die Polyamorie?

Der zweite Liebesbrief von Funk, dem Punk, lässt ebenfalls darauf schliessen. In schwarzen Lettern steht da: «Hoi Schnügel, ich bin jetzt auch noch in Corinne. Wenn dich das nicht stört, müssen wir nicht Schluss machen. Wenn du aber ein Problem mit Corinne hast, muss ich leider Schluss machen. Bussi, Anarchie.»

Corinne verliess Funk, den Punk, nach zwei Wochen. Für Päsce.

Päsce und Corinne sind seit zehn Jahren verheiratet und haben drei Kartoffeln.

Love rules,

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Genauer nachzulesen hier >>

Es dankt: die Redaktion

Bussi, Anarchie: «Es heisst ANARCHIE, Arschloch!» Die Kunst der Punk-Lederjacke

Auch bitz Anarchie: Züri Fäscht

Video: watson/Emily Engkent, Angelina Graf

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, momentan in einer Beziehung, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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