Leben
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bild: watson / shutterstock

Emma Amour

«Meine asexuelle Frau zwingt mich zur Enthaltsamkeit»



Liebe Emma

Vor einigen Jahren habe ich meine Jugendliebe wieder gefunden. Ich erklärte damals, dass ich offen und experimentierfreudig bin und Sex als höchste Form des Liebesbeweises sehr schätze und nicht missen möchte.

Die Zeit verging und wir hatten zwar sehr wenig und monotonen, aber trotzdem guten Sex. Wir haben geheiratet, der Sex wurde immer weniger. Wir bekamen unser erstes Kind und der Sex wurde noch weniger.

Ich habe alles probiert, wollte wissen, woran es liegt, was ihr denn sonst gefällt und was wir tun können, ich habe mich auch selber in Frage gestellt! In der Regel bekomme ich auf meine Fragen keine oder sehr knappe Antworten.

Es gab 1000 Diskussionen, 1000 Versuche, sie zu verführen, ich habe alle Register gezogen! Meine Frau sagte nach Jahren, sie sei asexuell. Das ihr das alles nichts bedeutet, sie nichts davon hat und sie das ganze «Gschlüdder» ekelt.

«Muess i wieder härehebe?», höre ich, wenn ich nach 14 und mehr Wochen Geduld eine zärtliche Berührung platziere. Ich bin so frustriert, verletzt, enttäuscht und irgendwie auch bereits vereinsamt, dass ich letzte Woche wissen wollte, wo ich denn Sex haben darf und eine Alternative von ihr forderte.

Es gibt keine Alternative: wenn ich Sex mit jemand anderem habe, sei sie weg. Somit zwingt sie mich zur Enthaltsamkeit, denn ich will nicht ein geteiltes Sorgerecht, das mir die Hälfte aller Zeit mit meinem Kind stiehlt.

Eine Therapie kommt für sie übrigens auf keinen Fall in Frage.

Auch wenn es für meinen Fall wahrscheinlich keine Lösung mehr gibt, wird dies hoffentlich anderen helfen.

Danke und lieber Gruss,
Stephen

Lieber Stephen,

herzlichen Dank für deine Offenheit und das Vertrauen, das du mir schenkst. Deine Zeilen berühren mich tief.

Ich kann deine Verzweiflung sehr gut spüren und auch nachvollziehen, zumal die Lage bei deiner Frau und dir wirklich verzwickt ist. Als Erstes will ich dir unbedingt sagen, dass ich es schön finde, dass du dich selber reflektierst, das Gespräch suchst und jegliche Möglichkeiten ausgeschöpft hast.

Ich finde es auch toll, dass du zu deinen Bedürfnissen stehst und deine Frau gefragt hast, wie und wo du dir den Sex, der dir verständlicherweise sehr fehlt, holen darfst. Von aussen sehe auch ich das als einen reifen und guten Lösungsansatz.

Sie ist asexuell, du nicht. Also leiden beide. Da liegt es natürlich auf der Hand, dass ihr als Paar einen Weg findet, wie ihr beide zusammen glücklich sein könnt, aber jeder auf seine Kosten kommt. Sie ohne Sex, du mit.

Hier empfinde ich es als sehr schade, dass sie zumacht. Ich kann sehr gut verstehen, dass der Gedanke, dass der Partner mit anderen schläft, schwer auszuhalten ist und zu Herzschmerz führt.

In eurem Fall aber finde ich ihre Haltung doch sehr egoistisch. Dir den Sex inner- und ausserhalb der Beziehung zu verbieten, ist nicht nur sehr unfair, sondern auch schwierig für eure Zweisamkeit und euer Familienglück.

Ich würde dir sehr gerne eine passende Lösung für euch beide auf dem goldenen Tablett servieren, aber wie du ja selber bereits sehr richtig festgestellt hast, ist das in eurem spezifischen Fall alles andere als simpel.

Ich täte an deiner Stelle mal alleine eine Therapeutin/einen Therapeuten aufsuchen, um sicher einfach mal mit einer Fachperson über dein Dilemma zu sprechen. Ich bin guter Dinge, dass eine geschulte Fachperson neue Inputs und Lösungsansätze aufzeigen kann.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass ihr einen Weg findet, der für euch beide passt.

Deine

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Es dankt: die Redaktion

Vier Vorurteile gegen Bisexuelle:

Video: watson/Roberto Krone

Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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