Leben
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bild: watson / shutterstock

Emma Amour

Okay, ihr habt eventuell alle recht und Beziehungen sind doch nichts für mich

Vielleicht liegt es am Lockdown, vielleicht aber einfach auch an mir. Du musst jetzt ganz stark sein, liebes Mami: Ich weiss einfach nicht, ob ich für eine Beziehung gemacht bin. Sorry, gäll.



Wo anfangen, wenn ich selber nicht weiss, wo mir der Kopf steht? Weil eigentlich ist alles gut. Ich habe einen tollen Freund, wunderbare Freundinnen, jegliche Apps, um mit allen, die ich liebe und vermisse, zu videotelefonieren.

Ausserdem hab ich Essen, Glacé, Schoggi und ja, auch Alkohol daheim. Eben. Corona-Isolation hin oder her: Es geht mir gut. Es geht uns gut.

Und doch ist da dieses Monster in meinem Herzen. Und in meinem Kopf. Ein kleiner Teufel auf der linken Schulter. Ein Dämon, der um mich herum rennt und mir die Zunge rausstreckt. Ich versuche zu verstehen, was er mir sagen will, was mir das Tüüfeli ins Ohr flüstert.

Ich kanns aber nicht ganz definieren. Geschweige denn verstehen. Oder nachvollziehen.

Fakt aber ist: Mir ist nach Ausbrechen. Aus der Isolation. Und – tammisiechnamal – aus der Beziehung.

Dabei hat der Zyklop rein gar nichts falsch gemacht. Er nervt sogar überdurchschnittlich wenig.

Mir fehlt der pure Suff-SMS-Sandro-Sex!

Ich denke immer öfters an Suff-SMS-Sandro. Ich rede hier nicht von romantischen Gedanken. Ich sehne mich viel mehr nach Sex mit ihm. Mitten in der Nacht. Irgendwo. Er, ich, keine Kleider. Pure Leidenschaft.

Ausserdem fehlt mir das Flirten. Auf der Strasse. Auf Tinder. An der Migros-Kasse.

Mir fehlt die Aufregung. Die aufregenden Nachrichten auf meinem Handy. Das nicht wissen, ob der neuste Match ein Zonk oder Jackpot ist.

Ich vermisse erste Küsse. Die Aufregung vor ersten Dates. Erste Berührungen. Das sich Erkunden. Riechen, schmecken, fühlen. Aufgeregt sein.

Zu all dem fehle ich mir selber. Bin eventuell eine Egoistin. Oder ich war einfach sehr lange Single. Und habe Mühe mit der plötzlichen Zweisamkeit. Die in diesen Zeiten noch so viel mehr einfährt.

Aber ich sehne mich nach ganzen Wochenenden für mich alleine. Nicht, dass ich die jetzt nicht haben kann, der Zyklop ist selber freiheitsliebend. Aber es ist anders, wenn ich weiss, dass da noch jemand ist, der irgendwie doch wartet. Und erwartet.

Ohä! Wir sind uns einig! Zum Glück! Oder Pech?

Ich will alte Mädchen-Serien bingen. Will alleine durch die Stadt spazieren. Will ganze Abende lange mit Cleo und Sophie telefonieren. Will mich bei alten Bekanntschaften melden.

So sehr ich mich nach all dem verzehre, so sehr bricht es mir das Herz, das ich eben genau dies tue. Es bricht mein Herz und es bricht des Zyklops Herz. Wir reden lange darüber.

Und je länger wir reden, desto ehrlicher werden wir. Er ist (noch) nicht da, wo ich gerade bin. Aber auch er sehnt sich nach seinem alten Leben. Auch er denkt zurzeit öfters an die Frau, die ihm vor mir den Kopf verdreht hatte. Und auch er kennt das Gefühl der Enge, wenn wir zusammen sind.

Wir sind uns in allen Angelegenheiten einig. Am schönsten finden wir es, wie und dass wir so offen miteinander reden können. Wir sind uns einig, dass wir ein enorm tolles Team sind. Wir wissen einfach beide grad nicht, ob es für eine langfristige Beziehung reicht.

Wir wollen es aber rausfinden und nicht gerade aufgeben. Wir entscheiden uns, dass wir uns husch Zeit und Raum lassen. Jeder bei und für sich. Wir uns aber jederzeit melden, wenn uns danach ist. Und dann, so in ein, zwei Wochen ziehen wir eine Bilanz.

Wir verabschieden uns ewig lange knutschend. Dann stehen wir einfach so da und umarmen uns. Er riecht so gut. So vertraut. Es fühlt sich schön an.

Dann lassen wir los. Ich mach seine Wohnungstür hinter mir zu.

Ich trete auf die Strasse, schliesse mein Velo auf und fahre zu mir. Zwischen Häusern, blauem Himmel und blühenden Wiesen fühle ich mich einerseits völlig befreit – und anderseits sehr gefangen in meinem eigenen Gedankenkarussell, das so schnell dreht, dass mir schwindlig wird.

Tja, Freunde, was jetzt?

Eine kleine Wette vielleicht?

Welche Kommentare werden überwiegen?

A. ICH HABS GENAU GEWUSST, EMMA KANN EINFACH KEINE BEZIEHUNGEN!!!!

B. Werd mal erwachsen, ey!

C. Geil, endlich/hoffentlich bald wieder Sex-Abenteuer!

Ich setze 50 Stutz auf A!

Adieu,

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Genauer nachzulesen hier >>

Es dankt: die Redaktion

PS: Backen kann ich immer noch nicht. Diese 23 Leute auch nicht.

Corona-Quarantäne-Cuisine – Emilys Apple Crumble

Video: watson/emily engkent, linda beciri

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, momentan in einer Beziehung, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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