Leben
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montage/bearbeitung: watson / material: shutterstock

Emma Amour

«Grüezi, darf ich Ihre Schwiegertochter sein?»

An einem Konzert verliebe ich mich ganz unverhofft in den Sänger. Bevor ich ihm aber den Hof machen kann, versuche ich bei seinen Eltern zu landen. Was ich nicht weiss: Mein Eiertanz ist für die Katz!



Folgende Geschichte beginnt mit meinem schwulen Nachbarn. Mit dem ich mich notabene super verstehe, wie du vielleicht schon weisst. Ich bleibe auch cool, wenn irgendwelche Typen am Sonntagmorgen um vier Uhr bei mir sturmläuten, weil sie zu drauf sind, um die richtige Klingel zu erwischen.

Mein Nachbar schmeisst nämlich regelmässig Homepartys, bei denen es zur Sache geht. Da haben Girls aber keinen Zutritt.

Mein Nachbar ist schon so lange in der Stadt und in der Szene verwurzelt, dass er gefühlt jeden Schwulen in dieser Stadt, nein, in diesem Land, kennt.

Neulich wird er versetzt. Dabei war der Plan sehr herzig. Der Nachbar wollte seine neue Flamme zu einem Konzert mitnehmen, bei dem nur 20 Gäste anwesend sein würden. Alleine will er jetzt aber nicht hin. Und weil er nun sehr traurig schaut und auf XL-Liebesdrama macht, begleite ich ihn also dahin.

Liebe von 0 auf 100!

Da ich ja eigentlich null Bock habe, die Band nicht mal kenne und das erste Lied schon sehr depressiv finde, hole ich uns Drinks. Aber auch mit Drinks ist die Musik gar nicht meins. Der Nachbar aber fühlts. Ich setze mich zu ihm und schaue mir die Band jetzt zum ersten Mal richtig an.

Ich bleibe beim Sänger hängen. Und kann nicht mehr wegschauen. Nie mehr. Wie er so da sitzt auf diesem Barhocker, seine Augen geschlossen hat und feine Töne anstimmt, geschieht es gerade um mich. Ich muss mit offenem Mund da sitzen und Raum und Zeit vergessen haben, als mich mein Nachbar anstupst.

«Glotz nicht so. Das ist unanständig.» Ich fordere ihn auf, zu schweigen. Und mich ganz meiner und seiner Liebe – wie heisst der Typ eigentlich? – zu überlassen.

Finde jetzt übrigens auch die Musik nicht mehr depressiv. Kann an der Stimme meines zukünftigen Mannes liegen. Ich sehe schon, wie er mich in den Schlaf singt. Nachdem wir natürlich sehr schönen und heissen Sex hatten. 3 Mal hintereinander.

Ich bin bereit für das Grande Finale!

Plötzlich flüstert mir die Frau neben mir etwas zu. Ich will sie schon fast anzicken, als mir bewusst wird, dass sie SEINE Mutter ist. «Der Sänger ist unser Sohn», sagt sie stolz und tätschelt den Oberschenkel des Mannes neben ihr.

Das ist meine Chance.

«Seine Stimme ist fabelhaft», säusle ich meiner Schwiegermama in spe zu. «Aber nicht nur die. Ihr Sohn ist von Kopf bis Fuss ein fabelhafter Anblick.» Sie lächelt stolz. Und auch mein Schwiegervater in spe strahlt mich an.

«Gell», sage ich leise zu meinem Nachbarn, «der Sänger ist schon nicht gay!?» «Nie im Leben!», sagt er.

Danke, Universum.

Jetzt gibts eine kurze Pause. Ich nutze sie, um bei meinen zukünftigen Schwiegereltern vorzusprechen. «Verraten Sie mir, ob Ihr Sohn Single ist?», frage ich seinen Vater, der vor Stolz fast platzt. «Das musst du schon selber rausfinden», sagt er. Falls ers sei, betone ich, würde ich mich schon gerne als Schwiegertochter vorstellen. «Grüezi, ich bin die Emma, es ist mir eine Freude, Ihren Sohn zu heiraten.»

Die Augen der Mama funkeln. Der Papa ist auch sehr entzückt. Mein Nachbar ist so gerührt, dass er ein Tränli verdrückt. Vielleicht ist er aber auch einfach traurig, weil er versetzt wurde.

Summa summarum kann man sagen, dass das hier gut läuft für mich. Und den Sänger. Dass ers noch nicht weiss, ist ... ja nu halt. Ob sie mir wenigstens seinen Namen verraten, frage ich die Eltern. Das tun sie. 30 Sekunden später will ich seinen Instagram-Account stalken, der ist aber privat.

Scheisse.

Schicke also eine Anfrage.

Dann gehts schon weiter mit dem Konzert. Ich bin mir jetzt sicher, dass er nur für mich singt. In jeder Zeile erkenne ich den Anfang unserer wunderbaren Liebesgeschichte.

Merci, Hollywood.

Dann ist das Konzert fertig. Der Sänger, nennen wir ihn Nik, bestellt sich ein Bier. Ich dränge mich neben ihn, strahle ihn an und sage: «Los mal, eventuell liebe ich dich. Deinen Eltern hab ichs schon gesagt.» Nik lacht, umarmt mich und sagt: «Ich hab dich schon gesehen im Publikum. Deine Blicke, sehr süss.»

(Ich bin bereit für weisse Tauben, den Hochzeitsmarsch, das sehr grosse Feuerwerk halt!)

«Und weisst du», sagt er, während er mich immer noch im Arm hält, «unter anderen Umständen würde auch ich dich vom Fleck weg heiraten.»

(Fuck, eine andere war wohl schneller?! Logisch, schau ihn an!)

«Ich bin schwul.»

«Ich am Boden zerstört», sage ich.

Auf dem Heimweg heulen mein Nachbar und ich synchron und still vor uns hin.

Zuhause öffnen wir eine Flasche Gin.

Was dazu führt, dass ich Nik später noch eine Insta-Message schicke: «Ich lieb dich trotzdem ein bisschen weiter.Und falls dus dir mal anders überlegst, dann … hach…!»

Er antwortet postwendend: «Ich dich auch. Und sollte ich tatsächlich in diesem Leben noch einer Frau an die Wäsche wollen, dann nur an deine.»

Ich bin versöhnt. Zumal ich nun doch mit Nik ins Bett kann. Ich hab nämlich ein Bandshirt gekauft. Das er signiert hat. Das ist mindestens so romantisch wie Blümchen-Sex.

Oder ich bin einfach (sehr) betrunken.

Hicks,

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Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deinen Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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